So etwas bleibt Leuten wie uns Deutschen wohl immer ein Geheimnis - gerade wir, die noch 60 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg bestimmt keine deutsche Fahne hissen werden. Langsam beginne ich aber diese Nicht-Kultur, Amerika, zu verstehen. Erzaehlst du einem Amerikaner, dass du aus Deutschland kommst, folgt vielleicht die Antwort: Oh, ich komme auch aus Deutschland, meine Uroma ist in Muenchen geboren wurden. Das erscheint natuerlich laecherlich, aber mir kommt es so vor, dass die Leute hier sich gerne auf ihre tiefsten Wurzeln beziehen, um so eventuell ein Stueck der Kultur der Viertelnationalitaet, die noch in ihrem Blut fliesst, ausleben zu koennen.
Ziemlich lange Einleitung, kommen wir zum wahren Grund, warum ich schreibe: TJ und ich waren Donnerstag auf einer Safari und es waren knapp 30 Grad Celsius vergangene Woche! Daniel wurde Montag zum Flughafen gebracht und da die liebe Barbara gerade zu Besuch war, musste ich auch nicht arbeiten - hip, hip, hurra! Donnerstag kletterte das Thermometer liebevollerweise auch prompt auf 82 Grad Fahrenheit, was ungefaehr 28 Grad Celsius entspricht (versucht es gar nicht erst, umzurechnen, es geht nicht). Habe mir also TJ geschnappt, ihm seinen bekloppten Sonnenhut aufgesetzt und bin mit ihm zum nahegelegenen schnieken Woodbridge Park gefahren, wo wir Sidney, Erica und Erika getroffen haben. Dort gibt es einen coolen Spielplatz. Nach dem Toben wurde ein kleines Picknick veranstaltet bis die Kinder (n)oelig wurden und nach Hause wollten, weil es ihnen in der Mittagsbrut zu heiss war.
Den restlichen Nachmittag verbrachte der kleine Kasache schnarchend und schnorchelnd im Bett. Tags darauf war sofort wieder ein biggy day fuer TJ, denn wir fuhren mit Lisa zu ihrer Firma, Saatchi and Saatchi, nach Downtown Manhattan. Mit dem Zug, total toll. Das schon allein war ja schon fast zu viel des Guten fuer TJ, er konnte sein Glueck gar nicht fassen und starrte die gesamten 40 Minuten Fahrt aus dem Fenster. Subway fahren hat ihm dann doch etwas Angst bereitet, da es ja dunkel ist, wenn man aus dem Fenster guckt. Endlich Ecke Houston/Hudson Street angekommen, ging es mit dem Fahrstuhl in die 17. Etage, wo TJ mit vielen Ahs und Ohs begruesst wurde. Die beiden machten dann die Tour durch die ganze Etage (ein bisschen mit dem Kind posen, den ich zu dem wichtigen Anlass extra in sein trendiges Bagger T-Shirt gesteckt habe). Ich blieb in Lisas Buero, schrieb in meinem Blog und schaute aus dem Fenster auf den Hudson, ueber den echt unglaublich viele Hubschrauber fliegen und Schiffe drauf schippern. Langsam fing mein Kuhmagen an zu knurren und ich war froh, dass Lisa und TJ dann auch bald da waren. Wir wollten Lunch essen gehen. Die Hitze war schon ganz gut draussen und so wollten wir direkt ins Cowgirl, wobei sie dort aber keine Spaghetti hatten (TJ hatte sich in den Kopf gesetzt, Spaghetti und Meatballs zu essen - da wir Gezeter und Geschrei verhindern wollten, suchten wir lieber etwas italienisches). Nachdem wir irrend in den Strassen rumgelaufen waren, da wir das Pech hatten, dass alle drei Restaurants, die Lisa einfielen, geschlossen hatten, entschieden wir uns Richtung Carmine Street zu laufen - nette Restaurantmeile im Westvillage. Dort gingen wir in die Trattoria Spaghetto und bestellen fuer uns alle Pasta und Salat. Ueberaus gluecklich mampfte TJ seine Spaghetti mit sage und schreibe zwei Gabeln und trank sein Wasser, waehrend ich Al Arrabiata mit (endlich mal wieder) echten Pepperoni genoss und Lisa Penne a la Vodka verschlang. Danach wurde sich fix verabschiedet, da Lisas Mittagspause dem Ende entgegen lief und es Zeit fuer T-Manns Mittagsschlaf wurde. Wir sind dann alleine mit der Subway hochgefahren und ich bin, TJ auf dem Arm tragend, zum Gleis 4 gehechtet, wo der Zug um 1.28 Uhr fahren sollte - es war 1.27 Uhr. Natuerlich ist er uns vor der Nase weggefahren und so mussten wir noch 40 Minuten auf den naechsten Zug warten, waehrend der sich TJ mit einem chinesischen Professor anfreundete, der auf dem Weg nach Princeton war. Im Zug ist er natuerlich, auf meine Brust sabbernd, nach fuenf Minuten schnarchend eingeschlafen. Arme, kleine Honigbiene.
Das Wochenende habe ich ja bereits letzte Woche vorweggenommen (Kate Nash in Philadelphia). In diesem Sinne, wuensche eine geruhsame Nacht und einen schoenen, sonnigen Sonntag. Bis bald sagt: Lisa Bertram
PS.: Scheisse, ganz die Safari vergessen zu erwaehnen - jaja, wo bin ich schon wieder mit meinen Gedanken! Also, die Safari! In New Jersey gibt es den grossen Freizeitpark 'Six Flags Great Adventures', in dem auch die hoechste Achterbahn steht: Kingda Ka. In dem Park jedenfalls gibt es zusaetzlich noch einen teuren Wasserpark, den Hurricane Harbour und eine Wild Safari, die Wild Safari. Ja. Dort sind TJ, die Zwillinge, ihre Nanny Erika und ich am Donnerstag hingefahren. Es war mal wieder unmoeglich heiss, aber der big black Cadillac war natuerlich klimatisiert. Es verlaeuft so, wie im Serengeti Park: Man faehrt in seinem eigenen Auto eine Strecke ab, wo nach einander verschiedenste Tiere weiden. Man darf selbstverstaendlich keine Fenster runterkurbeln (woran sich keiner gehalten hat und alle ermahnt wurden), Muell aus dem Fenster werfen, rauchen, hupen etc. Es war jedenfalls sehr schoen und ich haette nicht gedacht, dass Strausse so verdammt riesig sind (hier heissen sie uebrigens Ostraches). Alter, wenn die dich mit ihren Fuessen treten, dann aber hallelujah und good-bye Maennlichkeit!
TJ sass bei mir vorne auf dem Schoss und die Zwillinge guckten hinten aus den Fenstern, Erika lenkte das Auto durch den Kurs. Danach sind wir noch in einen Grill gegangen und haben Mittag gegessen. Klingt jetzt alles sehr kurz, spielte sich aber in einem Zeitraum von 6 Stunden ab (mit drei Kindern Haende waschen und aufs Klo gehen dauert ja schon eine halbe Stunde). Wir waren dann um vier Uhr zu Hause.
Abfahrt vom Highway aus. Man, freu ich mich schon, diesen Sommer dorthin zu fahren - ohne Kinder! Aber mit ordentlich Herz in der Hose, weil es dann rauf auf das Kingda Ka Monstrum geht!
Ein Ostrach! Alter Falter, das mal ein grosser Vogel, ich sag es euch!
Die Giraffe kam dann auch noch zu uns, hat aber nicht die Windschutzscheibe geleckt, wie letztes Mal, als Lisa und TJ da waren. Schade, schade.
Erika und TJ als wir bei den Braunbaeren vorbei gefahren sind. Ihr Freund ist einfach 48 - aelter als mein Vater, man!
Und natuerlich kamen wir auch nicht um den obligatorischenn Ponyride fuer 5 Dollars herum. Die Armen Tiere, aber Cowboy TJ hat sich auf seinem Pony Trigger wohlgefuehlt!
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