Freitag, 30. November 2007

Penisworst

Donnerstag, 29. November 2007

Warten auf David

Freitag, 16. November. Es war alles geplant. Larissa hatte die Chinatownbustickets fuer uns beide ausgedruckt und unser Bus sollte um 17.30 Uhr gen Washington D.C. losrollen. Um 15.40 Uhr habe ich mich mit meiner dicken Lederreisetasche in den Zug Richtung Manhattan gesetzt und gut gelaunt iPod gehoert. Es war eisig kalt draussen. Ploetzlich klingelt mein Handy und eine aufgeregte, weibliche Stimme sagt Folgendes: OK Lisa, mir ist etwas passiert und es ist nicht lustig - ich habe den Zug verpasst.

"Scherz" war das erste, was mir durch den Kopf ging. Der naechste Zug fuer Larissa wuerde erst in einer Stunde kommen und da wir eine halbe Stunde vor Abfahrt am Bus sein mussten, wuerde sie es nicht rechtzeitig schaffen. Und sie hatte die Tickets. Larissa hat dann versucht, mit ihrem alten Volvo Beerdigungsauto nach White Plains zu fahren (20 Minuten von ihr zu Hause - sie war noch nie dort), um dort noch einen anderen Zug zu bekommen, der um 16.26 Uhr fahren sollte. Ihre Gastmutter hat am Telefon Navigationssystem gespielt. Wir haben also aufgelegt und ich sass mit meiner Angst, dass wir es nicht schaffen wuerden, im Zug und fuehlte mich hilflos.  Kurz nach vier habe ich sie abermals angerufen und sie sagte, kurzatmig, dass sie schon am Bahnhof sei, dieser enorm waere und sie verzweifelt nach einem Parkplatz suche. 
Waehrend ich in der Penn Station langsam eintrudelte, erhiehlt ich den Anruf, dass sie auch diesen Zug verpasst haette (*!,`*!-^$**!) und jetzt zurueck nach Chappaqua fahren wuerde, um dort den Zug in einer Stunde zu nehmen, um dann gegen sechs in der Grand Central Station einzutreffen und um halb sieben in der Penn Station zu sein. Ihre Gastmutter haette bei der Chinatownbusfirma angerufen, die uns freundlicherweise erlaubten, den Bus um acht Uhr zu nehmen ohne weiter dafuer zahlen zu muessen. Alles, was ich jetzt zu tun habe, sei David zu finden, er wuesste schon Bescheid. 
Gut. Es war halb fuenf, ich hatte zwei Stunden Zeit, David zu finden und unsere Situation zu retten. New York hat fast neun Millionen Einwohner. David ist nicht besser als Juergen oder Katharina. Wo sollte ich in dieser verdammt grossen Stadt 08/15 Name David finden und wer war ueberhaupt David? Also habe ich nochmal Larissa angerufen, um noch mehr Infos ueber David einzuholen. Sie wusste aber auch nicht mehr und beruhigte mich nur mit den Worten: Ach, du findest den schon. Ich warte jetzt auf den Zug!
Na denn, FFN. Ich bin dann erstmal mit Sack und Pack aus der Penn Station hinausmarschiert, in die eisige, windige, bibbernde, klirrende New Yorker Kaelte, und habe mich gefragt, von wo ueberhaupt der Bus abfahren wuerde. Ich wusste ja nur Penn Station und die ist riesig und erstreckt sich ueber mehrere Blocks. Also nochmal Telefon. Danach wusste ich, dass es 31. Strasse 252W war. Mit zweiterem konnte ich nichts anfangen und so bin ich erstmal die 31. Strasse runtergegangen und habe auch am Ende mehrere Busse, auf denen gross "DC" stand, gefunden.  Ein hyperfreundlicher Polizist hat mir gleich Werbung fuer einen Bus in die Hand gedrueckt, worauf ich nur erzaehlt habe, dass ich bereits ein Ticket fuer den Premiumbus habe. Darauf erklaerte mir der Mann netterweise, dass dieser noch nicht da sei, aber wohl in zehn Minuten ankommen wuerde. Klasse, mir war ja nicht arschkalt oder so. Gut, ich also gewartet, bis der Mann erneut kam, um mir wieder ein Ticket in die Hand drueckte und meinte, dass mein Bus jetzt da sei, ich doch aber bitte naechstes Mal den anderen Bus nehmen solle. Ich bin dann zu meinem Bus gegangen, wo gerade ein kleiner Chinese ausstieg und mich fragte, ob er mir helfen koenne. 

Ich: Ja, wenn du David bist!?
Er: Ja, bin ich.
Ich: Waaaas? Oh Gott, danke, danke fuer diesen schoenen Tag. Ich glaube es nicht, David, mensch, du hier!
Er: ...aehm.
Ich: Ja also meine Freundin hat zwei Mal den Zug verpasst und sie hat unsere Tickets und die Frau von deiner Firma meinte, es geht klar, wenn wir den acht Uhr Bus nehmen und du wuesstest Bescheid.
Er: ...aehm.
Ich: Oh, du siehst nicht aus als wenn du einen Plan davon haettest, was ich gerade rede. Naja egal, so ist das zumindest und was sollen wir jetzt tun?
Er: Ich brauche eure Ticket IDs und das war es dann. Mehr muesst ihr nicht tun.

Cool, das war ziemlich einfach. Nachdem ich Larissa nochmal angerufen habe und ihr erzaehlt habe, dass ich David gefunden habe und sie es gar nicht fassen konnte, gab sie mir die IDs durch und alles war geritzt. Jetzt hiess es fuer mich irgendwie die zwei Stunden herumzubekommen. Ich wollte eigentlich in den klassischen Tick Tock Diner auf der 8th Avenue gehen, bin dann aber doch bei Maecces gelandet und habe eine kleine Pommes zwei Stunden gefuttert, wurde von einer Kirchengruppe aus Colorado zugelabert und habe telefoniert, um die Zeit totzuschlagen. Endlich erhielt ich einen Anruf von Larissa, dass sie nun da sei und wir sind uns euphorisch in die Arme gefallen nach 94 Stunden Wartezeit.
Nachdem unser Bus eine halbe Stunde zu spaet gekommen ist und wir weitere Minuten in der Hundskaelte warten mussten, kam er endlich an und unser schwarzer Ghettobusfahrer nahm uns missmutig in Empfang (er hat nur die Tuer geoeffnet und "Baltimore, DC" gesagt - das war es fuer den Rest der Fahrt). Die naechsten viereinhalb Stunden haben wir ueber Dinge geredet, die hoffentlich niemand anders verstanden hat, "Reign over Me" mit Adam Sandler und Don Cheadle geschaut und geschlafen (also Larissa, ich kann im Bus nicht pennen). Nachdem wir in Baltimore einen zwei Sekunden Stop gemacht haben, um Gaeste auszuladen und ich mir noch die Missgunst des Busfahrers eingehandelt habe, als ich vorsichtig und nett gefragt habe, ob wir nicht kurz Pause machen koennten (worauf er in seiner Ghettoafrosprache antwortete: Alter, ich weiss nicht, wie es bei dir aussieht, aber ich bin der Busfahrer und ich brauche keine Pause, Mann!), kamen wir nach ewiger Zeit nachts um eins mitten in Chinatown in Washington D.C. an. Und das lief ungefaehr so ab: Bus hielt. Nichts passierte. Der Busfahrer stieg aus und guckte uns von draussen an. Nach fuenf Minuten fragten die ersten Fahrgaeste, ob wir da seien (war ja dunkel). Zoegernd standen die ersten auf und blickten sich verwirrt um. Ein mutiger ging dann nach draussen und hat den Busfahrer gefragt, ob wir in D.C. seien, worauf der meinte: Alter, was denkst du denn, wo du sonst bist?
Also sind wir ausgestiegen und die Strasse runtergelaufen, weil da laut Anna-Lena die Metrostation sein sollte. An einer Fussgaengerampel mussten wir warten und eine Gruppe von Leuten sprach uns an: Erste Mal in D.C.? Herzlich Willkommen und dann:

Danach sind wir, wuergend (ob er weiss, dass sein Arsch ekelhaft feucht extremst behaart ist? Was ist, wenn ein Maedchen mit ihm Sex hat und er danach aufsteht und seinen Hintern sieht? Wird sie es bereuen und sich ekeln?), in die Metro gestiegen und nach einmal falsch fahren und umsteigen, haben uns Anna-Lena und ihre Freundin Nicole in Pentagon City in Empfang genommen. Dann ging es nur noch nach Arlington mit dem Auto, wo Anna-Lena wohnt und ins Bett. 
Am naechsten Tag sind wir relativ frueh aufgestanden und zu einer deutschen Baeckerei gefahren. Wo es zum Fruehstueck Kuchen gab. Ich aerger mich, dass ich nicht noch mehr gekauft habe (wollte ich Sonntag machen, aber...siehe Bericht 1). Dann ging es sofort zur "Mall" so wird die Gegend genannt, wo alles so rumsteht, was man so von Washington kennt. 
Larissa und ich waren uebrigens voellig geplaettet von Washingtons Sauberkeit. Alles war so sauber, nirgends waren Leute unterwegs und in der U-Bahn roch es sogar nach Erdbeeren. Wenn man das mit New York vergleicht :D ...ich mag New York trotzdem lieber. Ich mag das, wenn was los ist und die Stadt ihren eigenen Rhythmus hat.
Jedenfalls ging es als erstes zum wunderschoenen Capitol - nein, auf dem Weg dorthin ging es erst in den botanischen Garten. 
Eine geile Sache an Washington ist naemlich, dass alle Gebaeude kostenlos sind. Man kann in die Museen reingehen und wenn es einem nicht mehr gefaellt, geht man eben wieder raus und bereut es nicht, weil man ja kein Geld ausgegeben hat (man kann aber trotzdem und gerne Geld spenden). Das Capitol ist wirklich sehr gross und sah an dem Tag besonders gut aus, wie ich fand, weil wir strahlend blauen Himmel bei angenehmen Temperaturen hatten und sich der weisse Stein dagegen gut abhob. 
Ausserdem waren die Blaetter von den vielen Baeumen alle wunderschoen gefaerbt und wenn man Washington mit einem Wort beschreiben moechte, dann wuerde ich: schoen waehlen, weil es so ist. Ist zwar nicht sonderlich was los im Sinne von Menschenmassen, aber definitiv viel zu entdecken, viel Kultur. 

Danach ging es weiter zu Fuss Richtung Washington Monument (der grosse Bleistift). Zwischendurch sind wir noch ins Air and Space Museum gegangen (ich muss ja sagen, ich stehe ein bisschen auf Museen). Dort haben wir aber nicht viel Zeit verbracht, weil wir erstens nicht viel Zeit hatten und darin auch eine unangenehme Luft herrschte.
Ist schon ziemlich gross, wenn man davor steht. Aber das war es dann auch schon wieder Spektakulaeres an dem Monument. Daneben war eine grosse Buehne aufgebaut, wo, also ich meine es zumindest, Leute von den Black Panthers gesungen haben und fuer irgendwas demonstriert haben. War ziemlich gute Stimmung und ich glaube, wir waren die einzigen Weissen am Start.
100 Jahre spaeter sind wir dann erst zum Reflexion Pool (Larissa und ich haben laut: Forrest, Forrest! gerufen - die beruehmte Szene, wo Forrest ausversehen eine Rede halten muss vor lauter Hippies und Jenny ihn erkennt und laut Forrest rufend, durch den Reflexion Pool zu ihm laeuft) und dann zum Lincoln Memorial gegangen. Das ist wirklich beeindruckend und obwohl oben um Ruhe gebeten wird, schnattern die Leute wild herum (was zum Beispiel im Sacre Coeur und in der Notre Dame in Paris nicht so war - dort haben sich die Leute beherrscht).
Also ich war ruhig da oben - ICH. 


Das obere Bild ist am Second World War Memorial entstanden. Dort ist ein kleiner Teich angelegt und auf der rechten Seite sind alle Staaten in Stein gemeisselt aufgereiht, die auf der pazifischen Seite gekaempft haben und auf der anderen Seite die Staaten, die auf der Atlantikseite gekaempft haben.
Dann ging es endlich ueber das Veterans Memorial (alle Namen der gefallenen Soldaten in Vietnam - da war es ruhig) zum Weissen Haus. Darauf habe ich ja den ganzen Tag gewartet und was soll ich sagen? Es ist klein und winzig und es war dunkel und weit weg.

Die Strasse vor dem Weissen Haus ist auch gesperrt und man darf nur auf dem Buergersteig gehen. Gut, das war es dann auch, was ich darueber berichten kann. Der Spass fing ja auch danach erst an... 
...wir sind mit der Metro nach Georgetown gefahren. Georgetown ist das "Studentenviertel" in Washington und es gibt viele Bars und Shop und es ist sehr nett dort, Hafen inklusive. Dort haben wir dann Dinner gegessen in einer kleinen Bar namens Mr. Smith. War ganz lecker...
wir sind voellig fertig abends nach Hause gefahren, habe eine halbe Stunde auf dem Sofa gelegen und sind dann mit der Metro Richtung Rosslyn gefahren. Wir wollten zu einer Hausparty von einem gewissen Eric in Fairfax, wo wir eingeladen waren, den wir aber nicht kannten. Anna-Lena hatte beim Spazieren gehen mal einen Deutschen getroffen, der seit sechs Jahren in Arlington lebt und der Typ (schon ueber 30) hat Anna-Lenas E-Mail-Adresse an jemanden weiter geleitet, der eine Deutsche kennt und dieser jemand hat uns eingeladen. Unsere einzige Angst bestand darin, dass wir so spaet ankommen wuerden, dass wir nur eine Stunde dableiben wuerden und da wir noch ein Stueck Taxi hin -und zurueck nehmen mussten, waren wir schwer am ueberlegen, ob wir nicht besser wieder umdrehen sollten. Gottseidank haben wir das nicht gemacht, denn die letzte Metro fuhr um halb drei - also zwei Stunden Zeit, sich zu betanken - genug Zeit. Von der letzten Metrostation mussten wir dann ein Taxi zu dem Haus nehmen. Zum Glueck war unser Taxifahrer ein Inder, der uns erstmal ueber Deutschland und die Welt aufgeklaert hat. Thema: U...S...A. Inder und ihr indisches Englisch sind einfach Dinge, bei denen man sich nicht beherrschen kann. Armer Kerl, ich hab einfach laut gelacht. Naja, wir wollten dann fuer halb zwei ein Taxi zurueck bei ihm bestellen, aber er meinte gleich, dass hier in Amerika auf gar nichts verlass ist und eh kein Taxi kommen wird, auch wenn wir es bei ihm bestellen und dass die Metro auch eh zu spaet oder zu frueh kommen wird, weil man sich hier in Amerika auf nichts verlassen kann. Nach circa 15 Minuten Fahrt und 22 Dollars leichter, waren wir dann endlich da und Eric oeffnete uns freudestrahlend die Tuer und ich strahlte freudig zurueck, er lud mich naemlich sofort zu einem Trinkspiel ein - und da sag ich doch nicht nein, wa? Larissa war natuerlich am Anfang der aengstliche Hase, der dachte, dass wir bestimmt vergewaltigt werden, aber nach den ersten Bierchen waermte auch sie schnell auf und so ging die Party dann weiter. Lustige Menschen kennen gelernt (Jose, dem ich volltrunken erklaert habe, dass sein Name "hose" auf deutsch heisst), aus roten Bechern Bierchen gesueppelt, die Amis beim Trinkspiel abgezogen und rumgeflirtet und politisch diskutiert - was man halt so macht. Nebenbei lief im Fernsehen uebrigens Forrest Gump. Und was ich Sonntag gemacht habe, wisst ihr ja.





Donnerstag, 22. November 2007

Yippie ya yeah, Motherfucker

So endlich. Heute Abend finde ich nun Zeit, ueber meinen Krankenhausaufenthalt zu berichten.
Zwar waren wir das Wochenende davor in Washington DC, aber der Aktualitaet und Brisanz halber schreibe ich den Bericht ueber Washington in zwei Teilen und setze, mementomaessig, das Ende an den Anfang.

...Samstag Nacht bin ich ploetzlich schweissgebadet aufgewacht. Mir war auesserst unwohl, ich fuehlte mich fiebrig und schlecht war mir auch. Larissa neben mir hat seelig geschlafen, aber fuer mich war die Nacht gegen vier Uhr vorbei. Habe dann angefangen, mich auf der Stelle zu wenden und rumzustoehnen (definitiv nicht aus Spass an der Freude). Irgendwann habe ich es dann nicht mehr ausgehalten, bin zum Klo getorkelt (mir war ziemlich schwindelig) und hab erstmal den roehrenden Hirsch gemacht. Sprich ich hab mir die Seele aus dem Leib gekotzt und spaetestens zu dem Zeitpunkt habe ich erkannt, dass das nicht aufgrund des Alkohols drei Stunden zuvor kommen kann (siehe Bericht 2).

Bin danach wieder ins Bett, wobei das nicht das Angenehmste war, weil es mir einfach hundeelend ging. Gottseidank ist das irgendwann Anna-Lena wach geworden und ich habe mich auf das Sofa gelegt, wo ich den Kopf hochmachen konnte. Mittlerweile war es draussen auch hell. Einen weiteren Magenausleerungsprozess spaeter war die Sonne aufgegangen und super schoener, gerade noch vermisster, zu allem Uebel dazukommender Durchfall vom Feinsten setzte ein (ich sollte ab dieser Stelle vielleicht nicht mehr so ausfuehrlich schreiben - aber ihr sollt euch ja ein Bild machen koennen). Ich zitterte am ganzen Koerper und hatte schon weh tuende Gaensehaut. Also mittlerweile Schuettelfrost, Magen-Darm und Fieber (wobei es das erste Mal messen nur 98,2 waren - also erhoehte Temperatur).

Gegen Mittag habe ich bei Lisa angerufen, denn John, Anna-Lenas Gastvater, hat gesagt, dass ich auf keinen Fall mit dem Chinatownbus um vier nach Hause fahren kann. Das war auch das letzte, wonach ich mich fuehlte. Meine Energie war seit ein paar Stunden auf dem Nullpunkt und ich konnte mich auch nur noch in Zeitlupe zum Klo schleppen. Es ging gottseidank klar, dass ich Montag nicht arbeiten musste und so blieb ich den Sonntag bei den O'Briens, waehrend die arme Larissa alleine fuenf Stunden nach Hause fahren musste. Irgendwie habe ich den Tag mit weiter Magen-Darm-Schuettelfrost-Fieber herumbekommen ohne zu essen oder zu trinken - blieb ja eh nicht da, wo es bleiben sollte, um es nett auszudruecken.

Die Nacht kam und ging vorbei und der Montagmorgen kam und sah genauso beschissen aus wie Sonntag. Ich dachte, nachdem ich mich ausreichend ausgeruht habe, gehe es mir besser, aber Fehlanzeige. Ich hab mich eher noch matter gefuehlt und ohne Witz, ab und an habe ich sogar meinen Puls gefuehlt, weil ich teils dachte, ich bin gerade live beim letzten Tag meines Lebens. Ich war so schwach wie noch nie - und ich hatte schon oft mal eine Magen-Darm-Geschichte, aber sowas hatte ich noch nicht erlebt. Anna-Lena hat auch angefangen, sich Sorgen zu machen. Sie ist zum CVS gefahren und hat isotonische Getraenke und Salzstangen gekauft, ich habe aber beides nicht herunterbekommen. Nach einer weiteren, furchtbaren Nacht, hat mich Anna-Lena dann Dienstag um elf Uhr morgens in die Notaufnahme ins Krankenhaus in Alexandria gebracht. Nach einem sehr besorgten Blick auf mich seitens der Empfangsdame, wurde ich sofort durchgeschickt (ich hatte platte Haare, blutunterlaufene Augen, wobei das linke halb zugeschwollen war, weisse, ausgetrocknete Lippen und rote Haut vom Fieber und Ausschlag). Erschoepft habe ich mich auf die Liege gelegt im Behandlungszimmer und sofort kam eine Krankenschwester, hat mir Blut aus der Armbeuge abgenommen und eine intravenoesen Eingang gelegt (ich nenne es mal im Rest des Berichts IV, kommt noch oefter vor). Ach ja und eine Urinprobe musste ich auch abgeben (worin spaeter noch Staph Bakterien gefunden wurden). Eine Krankenschwester kam herein und stellte mir eine Riesenpulle Kontrastmittel auf den Tisch, die ich austrinken musste, weil ich durch die Roehre geschoben werden sollte. Widerlich. Dann ging es im Rollstuhl (!) zum Roentgen (was ich vergessen habe, das Erste, was ich machen musste, als ich ankam, war, mich komplett auszuziehen und einer dieser entzueckenden, blauen Krankenhausmaentel, die hinten offen sind, anzuziehen). Beim Roentgen musste ich mich vor eine circa ein Quadratmeter grosse Wand stellen, hinter mich wurde das Geraet geschoben und ich musste diese Wand umklammern. Dann wurde das Foto gemacht und das gleiche Spiel nochmal von der Seite. Dabei wurde mir, und das hat mich gewundert, kein Bleischutz irgendwo umgemacht. Mir war nicht klar, dass man das nicht mehr tut, ich dachte, die Strahlen seien schaedlich.

Nachdem ich mit dem Rollstuhl (fuehlte mich wie 100 Jahre alt, alle gucken einen mitleidig von oben herab an) zurueck in mein Zimmer geschoben wurde, galt es, dieses furchtbare Kontrastmittel weiterzutrinken. Der Arzt kam ab und zu in den Raum, hat sich nach meinem Befinden erkundigt und erklaert, wie es weitergehen wuerde. Nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich es nicht schaffe, das ganze Zeug zu trinken, hat er gottseidank gesagt, dass das in Ordnung gehe und so wurde ich dann wieder mit dem Rollstuhl zu einem Raum geschoben, wo ich durch die Roehre muesste. Nachdem Anna-Lena und ich weiter gewartet haben, kam ich dann um sieben Uhr abends auf ein Zimmer im ersten Stock - nach acht Stunden Notaufnahme.

Das Zimmer teilte ich mir mit einer circa 70 jaehrigen, farbigen Frau. Wir waren aber durch einen Vorhang voneiander getrennt. Ich war totmuede. Leider wurde es nichts mit schlafen, weil ich gegen halb acht von einer Krankenschwester geweckt wurde, die mit mir einen Fragebogen ausfuellte. Unter anderem wollte sie wissen, ob ich mein Testament schon gemacht haette und meine Organe spenden wuerde im Falle eines Falles. Da war ich natuerlich wieder wach. War ich echt kurz vorm Ableben? Da kriegt man es wirklich mit der Angst zu tun und Anna-Lena war auch schon weg. Schrecklich. Nachdem die Dame weg war, kam nach einer Stunde eine Krankenschwester, fuellte einen weiteren Bogen mit mir aus, unter den ich auch noch unterschreiben musste. Ich weiss leider nicht mal, was ich unterschrieben habe, weil ich so muede und fiebrig war (immer noch 40).

Als Naechstes kam jemand und hat mir etwas gegen Schmerzen, Durchfall und Fieber gegeben. Scheinbar habe ich eins davon nicht vertragen, weil ich dann roten Hautausschlag an Beinen, Ruecken und Bauch bekommen habe, der zu allem Uebel auch noch gejuckt hat. Ein Arzt kam dann und hat sich das angeguckt - er hat natuerlich mein Hemd zur Seite gezogen und ich lag da vor ihm und zwei Schwestern nackt auf meinem Bett, aber irgendwann ist dir das auch egal. Ich wollte nur noch schlafen.

Das stellte sich leider die Nacht als schwierig heraus, weil, nachdem um elf Uhr die letzte Schwester kam, so dachte ich jedenfalls, kam jede Stunde jemand anders, mass meinen Blutdruck (tut ganz schoen weh, wenn man IV im Arm hat und der dann auch noch zusammen gedrueckt wird) und mein Fieber, welches kaum herunter ging (aber nur noch bei 103 war).

Um fuenf Uhr morgens wurde mir dann Blut aus der Hand abgenommen. Auch auesserst schmerzhaft. Also ich hatte nie ein Problem (ausser als Kind) mit Spritzen, aber seit letzter Woche bin ich wieder misstrauisch. Um halb sieben wurde ich dann im Rollstuhl abgeholt und zum Ultraschall gefahren. Eine Stunde spaeter ging es nochmals durch die Roehre (macht ja so Spass) und dann gab es lecker Fruehstueck - Pancakes und Bacon - ich habe natuerlich nichts gegessen. Dazu lactosefreie Milch (ich durfte uebrigens die ganze Nacht nichts trinken, obwohl ich den aller aller aller aller aller schlimmsten Durst hatte, den man sich vorstellen kann - wohl aufgrund der Roehre, oder auch CT genannt). Geweckt wurde ich uebrigens nicht um halb sieben durch die Krankenschwester mit dem Ultraschall, sondern den Kotzgeraeuschen meiner Zimmernachbarin...lecker.

Den Tag habe ich Fernsehguckend im Bett verbracht. Alle Krankenschwestern haben sich wirklich nett um mich gekuemmert, und ich muss sagen, auch die Aerzte waren sehr nett und besorgt um mich. Ich habe durch die IV gegen Mittag das erste Antibiotikum bekommen, weil sie zwar von einem Virus ausgegangen sind, aber nur fuer den Fall, dass es doch ein Bakterium sei, Antibiotikum geben wollten. Gut. Nehm ich so hin. Nachdem das Antibiotikum 'leer getrunken' war von meiner Vene, setzte Stephanie, meine Krankenschwester fuer den Tag (in der Nacht waren es Kenisha und Mary) noch ein weiteres Antibiotikum an meine Vene (floss zusammen mit dem Salzwasser in den Blutkreislauf). Gerade, als das Telefon klingelte und meine Oma anrief, habe ich ploetzlich einen sehr starken, sehr starken, sehr starken Schmerz in meinem Arm mit der IV gespuert. Die Nadel tat unglaublich weh, und so habe ich das Telefon nur weggeschmissen und und die Notruftaste auf meinem Telefon gedrueckt. Dann kommt eine Stimme und fragt, was man will. Und ich hab nur reingerufen, dass ich ganz schnell meine Krankenschwester braeuchte und es ein Notfall sei, natuerlich meinte sie, dass sie sie schicke, aber als nach 10 Sekunden keiner da war, hab ich direkt bei Stephanie auf dem Handy (die lassen immer so eine vierstellige Nummer auf dem Whiteboard im Zimmer) und hab ihr nochmal gesagt, dass es ein Notfall sei. Dann kam sie auch endlich und nach einem Blick auf meinen Arm meinte sie nur: Oh my Godness! Mein Arm war naemlich mit roten Blistern uebersaeht, dick angeschwollen und meine Finger hatten einfach keine Gelenke mehr, sondern waren dicke Bockwuerste geworden. Also todesallergische Reaktion auf das Antibiotikum! Schmerz!!! Abgesehen davon, war ich, wahrscheinlich durch den Schmerz, extrem kurzatmig und hatte das Gefuehl, meine Lunge nicht bis zum vollen Volumen nutzen zu koennen.

Stephanie hat schnell die Verbindung zum Antibiotikum beendet und irgendso ein Wasser in meinen intravenoesen Eingang gespritzt, um den Rest Antibiotikum herauszubekommen. Da hab ich auch nochmal laut protestiert. Sie hat das Salzwasser wieder angeschlossen, aber leider hat auch das dann anschliessend maechtig weh getan in der Vene UND DANN GING DER ALPTRAUM ERST RICHTIG LOS.

Sie entschied, dass die IV auf den rechten Arm verlegt werden muss und rief fuer eine zweite Krankenschwester, sie riss die Pflaster vom IV vorsichtig ab, was mich schon zum lauten Stoehnen gebracht hat. Sie stoppte die Blutung mit einem kleineren Pflaster und eine zweite Krankenschwester kam mit dem Equipment fuer die zweite IV. Die wurde mir auf (!) den rechten Unterarm gestochen, was wiederum sehr, sehr weh tat. Ich war an dem Punkt angekommen, wo mir alles zu viel wurde und waehrend sie den Eingang gelegt haben, schossen mir die Traenen in die Augen. Erst sind die Traenen still und heimlich mein Gesicht herunter gelaufen, aber da das, was die Krankenschwestern gemacht haben, wirklich kontinuierlich weh tat, musste ich immer mehr weinen, was den Krankenschwestern wirklich aufrichtig leid tat und als sie fertig waren, lag ich da erstmal alleine, mit zwei zerstochenen Armen, an die Maschine angeschlossen und hab so vor mich hingeschluchzt. Nach ungefaehr fuenf Minuten kam eine Aerztin und zwei chinesische Krankenschwestern (ich sag das, weil sie ganz entzueckt ueber meine kleinen, winzigen Schuhe waren. Laut ihrer Aussage, haette ich enorm kleine Fuesse - und das von ner Chinafrau gesagt zu bekommen). Da ich immer noch am Weinen war, haben sie sofort versucht mich zu troesten und im ruhigen Ton erklaert, dass die Aerztin jetzt den Sauerstoffgehalt im Blut ermitteln muss, weil ich so extrem kurzatmig sei. Dies geschehe durch eine Blutabnahme (sie haben mir nicht gesagt, dass das durch eine Vene, sondern Arterie geschieht). Jeweils eine Chinesin auf jeder Seite und Chinese 1 meinte, ich koennte ihre Hand halten, wenn es weh tut. Aber ich hab ja eh schon geweint und da ich schlecht drauf war, hab ich gesagt, ich will nicht, dass mich irgendwer anfasst.

So. Die Aerztin hat am rechten Arm in der Armbeuge angesetzt und gestochen. Ich hab sofort laut gestoehnt und protestiert und hallelujah gerufen, geflucht, geweint, geschrieen und versucht, meinen Arm aus der Misere zu ziehen. Chinesin 2 hat sich ueber mich gelegt und versucht, mich runterzudruecken und Chinesin 1 hat meine Hand genommen, die sich sofort mehr als kraeftig gedrueckt habe. Wirklich, so einen Schmerz hatte ich, abgesehen von der Steissbeinverstauchung damals in Kroatien, noch nie. Diese Spritze war dermassen schmerzhaft, dass ich mich vor Schmerz fast uebergeben haette und mir schwarz vor Augen wurde. Mir war auch egal, dass ich wie ein kleines Kind geschrieen habe und geweint habe, ich wollte einfach nur, dass sie aufhoert. Ich hab immer wieder gerufen, dass ich das nicht ertragen kann und sie bitte aufhoeren soll und dass es weh tut und dabei mit den Beinen versuch, um mich zu treten. Es muss von aussen auesserst dramatisch ausgesehen haben (war es auch). Die Aerztin hat immer nur: Jesus! Holy Christ! Oh my Goodness! Gosh! gerufen und mir immer wieder gesagt, ich muss still halten, weil die Arterie (aha, da haben wir es ja!) ihr immer wieder wegrutsche. Man muss sich also vorstellen, dass sie durch die ganzen Venen durch zu den Arterien gestochen hat und diese ihrer Nadel immer wieder wegrutschte, sodass sie in meinem Arm nach einer Ader gesucht hat. ES TAT SO WEH. FICKE.

Nach circa einer Minute Tortur hat sie aufgegeben und gesagt, meine Guete, eventuell muessen wir es nochmal machen. Da wurde ich hysterisch. Die Aerztin und Chinesin 2 haben dann den Raum verlassen und Chinesin 1 ist bei mir geblieben und mir beruhigend ueber den nur zweimal gestochenen Arm gestrichen, weil ich kurz vorm Hyperventilieren war. Ich hab vom Weinen und Luft anhalten kaum noch Luft bekommen und war fix und fertig. Als meine Krankenschwester Stephanie dann herein kam, hatte sie sofort die Lage gecheckt und nachdem ich ihr unter weinen gesagt habe, dass ich keine Spritze mehr ertragen kann, meinte sie, dass das in Ordnung sei. Nach einer halben Stunde kam eine maennliche Krankenschwester und meinte nur, Blutabnahme! Gottseidank war Stephanie gerade im Raum, und als sie gesehen hat, dass mir sofort wieder Traenen ins Gesicht geschossen sind, hat sie den Mann wieder weggeschickt - ich war ihr so dankbar. Wirklich. Der restliche Tag verlief ruhig und Melinda, Jons Tante aus Arlington, besuchte mich und brachte Blumen mit. Das fand ich sehr nett, da ich die Frau nur einmal gesehen habe, aber Lisa (die ja schon im Urlaub in South Carolina war) hatte sie geschickt, weil sich alle grosse Sorgen um mich machen. Melinda hat mir dann auch angeboten, dass ich nach dem Krankenhaus bei denen wohnen koennte, bis Lisa und Jon aus dem Urlaub wieder kommen wuerden, um mich abzuholen Sonntag. Das habe ich dann auch dankend angenommen (bei 'Familie' fuehlt man sich doch dann wohler als bei fremden Leuten, sprich den Gasteltern von Anna-Lena - obwohl die auch richtig nett waren und mir angeboten haben, dass ich Thanksgiving bei denen verbringen koenne). Der Tag verging dann mehr oder weniger - zum Glueck - unspektakulaer. Das einzig Spektakulaere jedes Mal war, wenn ich auf die Toilette wollte, da ich dann das Bett in eine aufrechte Position bringen musste, aufstehen musste (das war schon ein Riesenschritt, da keine Kraft), meine Maschine aus der Steckdose ziehen, mit der Maschine aufs Klo gehen, zurueck zum Bett, Maschine zurueck in die Steckdose und wieder in liegende Position bringen und hinlegen.

Waehrend der Nacht war auch wieder nur jede Stunde Puls und Fieber (102) und morgens um halb fuenf nochmal Blutabnahme in der rechten Hand (wieder schmerzhaft, aber die maennliche Krankenschwester war sehr nett und super vorsichtig, deswegen ging es). Am naechsten Tag war dann also Thanksgiving und ich wollte zur Feier des Tages duschen. Hatte ich seit Samstag nicht. Bah. Ah eh ih oh uh. Ekel. Die Krankenschwester meinte, sicher, sie haben ja sicher Shampoo und Haartrockner mit. Und ich konnte traurigerweise nur sagen, dass ich rein gar nichts mit habe. Darauf meinte sie, ja, dann muessen sie halt nur mit Wasser duschen, ein Handtuch kann ich besorgen. Na gottseidank ein Handtuch. Also wurde eine Plastiktuete ueber mein IV gezogen (natuerlich vorher der Fluessigkeitsschlauch abgemacht) und ich konnte duschen. Wie gut sind eigentlich Duschen? Wie schoen ist eigentlich Sauberkeit und wie sehr sollte man es schaetzen? Sehr! Meine Haare waren danach zwar nicht sauber, sondern nur nass, aber selbst das hat sich schon besser angefuehlt. Habe danach im Fernsehen die Thanksgiving Parade angeschaut, die drei Stunden ging und danach die Nationale Hundeschau, was auesserst unterhaltsam war. Es gibt Hunderassen, die gibt es gar nicht, wirklich. Ausserdem haben diese Hundeshowleute ne Macke.

Wie dem auch sei, gegen vier Uhr durfte ich das Krankenhaus verlassen, nachdem ich nochmal mit einem Arzt gesprochen habe, Antibiotikum in Form von Pillen verschrieben bekommen habe und die IV herausgenommen wurde. Ich muss dazu sagen, dass sie mich eigentlich noch weitere Tage dabehalten wollten, aber ich habe wirklich klar gemacht, dass ich nach Hause moechte. Bei Melinda zu Hause erwarteten mich dann ihr Mann Bob, Sohn Joe, Tochter Molly, Hund Reno und Hamster Dustin. Ich hatte gerade eine sehr wohltuende Dusche mit vier Mal Shampoo und vier Mal Duschbad und vier Mal Zaehne Putzen genommen, da war schon deren ganze Bude mit allen Nachbarn voll - sie hatten fuer Thanksgiving geladen. Ich habe dann noch kurz mit den Leuten dort gesessen (obwohl ich mich nicht wohl gefuehlt habe, weil alle total schick gekleidet waren, mir ein auesserst attraktiver Mann gegenueber sass und ich aussah wie der Tod auf Latschen). Bin dann um sieben Uhr abends ins Bett gegangen und habe 17 Stunden geschlafen, was nur einmal um fuenf Uhr morgens gestoert wurde, als Melinda zu mir runter in den Keller kam, um zu fragen, ob es mir gut gehe, weil sie sich Sorgen machen wuerden - sehr, sehr nett.

Die Tage vergingen, ich verbrachte den Grossteil der Zeit schlafend im Keller und hab ab und zu Nudelsuppe gegessen. Reno war dabei mein bester Freund und wie mein Schatten - wo ich war, war Reno nicht weit und er hat auch nachts vor meiner Tuer geschlafen. So war es dann Samstag und Jamie, Simone und die Maedchen kamen aus South Carolina und machten eine Nacht Pause bei Melinda. Catherine, Bea, Nermina und ich haben im Keller geschlafen, wobei sich das als unmoeglich herausstellte, weil Catherine eine uebelste, kleine Schnarcherin ist und es keine Moeglichkeit gab, sie ruhig zu stellen.

Sonntag gegen 12 kamen dann Jon, Lisa und TJ und es war ein freudiges Wiedersehen - habe meine Familie ja schliesslich eine Woche nicht gesehen - ungeplant. Wir sind fuenf Stunden nach Hause gefahren und das war dann nochmal meine letzte Tortur, weil mir die ganze Zeit sehr schlecht war (durch das Antibiotkikum, was ich nehmen muss).

Aber, endlich, endlich, endlich Sonntag um sechs Uhr waren wir zu Hause und es gab zu meiner Begruessung zurueck erstmal Pizza.

Heute Morgen habe ich mir den Wecker gestellt, bin aufgestanden, habe ein Bad genommen, mich angezogen und habe mir eine Bassmassage im Auto gegoennt auf dem Weg zur Mall. In der Mall liefen Weihnachtslieder, der Weihnachtsmann sass fuer Fotos bereit, und ich bin in den Apple Store gegangen und habe mir mein Weihnachtsgeschenk gekauft, mit dem ich gerade diesen Eintrag schreibe. Ich liebe dich, oh du mein Macbook.



Dienstag, 13. November 2007

Die fetten Jahre sind vorbei

Gibt es etwas besseres als von dem suesslichen Geruch warmer Schokolade aufgeweckt zu werden (klar gibt es besseres, aber diese Aufwachart ist schon ziemlich, ziemlich gut)? Sonntag Morgen/Mittag war der erste Sinn, der bei mir so langsam erwachte, der Geruchssinn. Ich erschnueffelte mit meinen Riesennuestern den Duft von Schokolade. Ich bin eigentlich kein Schokofan (pro Salzstangen), aber trotzdem erschien ein Laecheln auf meinem zerknautschten Gesicht. Ziemlich willig bin ich dann auch aufgestanden, habe, nach einem Blick auf die Uhr, mit Wohlwollen festgestellt, dass es schon Mittagszeit ist - ich habe also TJs geraeuschvolles Wachwerden um acht Uhr ueberhoert und bin dann die Treppe runterlaufen. In der Kueche war der Baer los. Alle drei Millers versammelt. TJ spielt mit Jon, Lisa hantiert mit Geraeten rum, ueberall stehen Toepfe, Schalen mit Alufolie abgedecht, es dampft, brodelt und riecht gutibuti. Es wurde sich schon gewundert, ob ich da oben gestorben waere, weil ich so lange geschlafen haette und dass man extra fuer mich an jenem Sonntag Abend ein original und traditionelles Thanksgiving Dinner vorbereite. Ich habe mich naemlich Tage zuvor beschwert, dass wir Thanksgiving keinen Truthahn essen werden und dass das nicht angehen kann - bin ja schliesslich nur einmal in Amerika an Thanksgiving und traditionell isst man dann Truthahn (weiss ich aus dem Fernsehen;). Weil wir fahren Dienstag mit dem Auto (!) nach South Carolina. Da haben Jons Vater und Stiefmutter eine Villa fuer die Familie gemietet und wir werden keinen (!) Truthahn essen (so und jetzt guckt mal bei Google Earth, wo South Carolina liegt und wo ich wohne). Naja, jedenfalls wurde also Sonntag Morgen schon fleissig gekocht, was ich sehr nett fand und immer noch finde. Es gab: Truthahn mit Brot, Butter und Kraeutern gefuellt (nach dem vier stuendigen Kochen holt man das Zeug aber wieder heraus und reicht es dann als Beilage), Cranberry Gravy (Sauce, wie Marmelade, die man kalt dazu reicht - soll den Geschmack des Truthahns noch hervorheben), Bean-Casserole (Bohnen, Brotstueckchen, Kaese, weisse Sauce, alles zusammen gemixt und auch als Beilage gereicht), kleine Brotfladen (kross getoastet mit Butter serviert), Truthahn Sauce (Bratensauce halt), Brownies (doppelt schokoladig, weil Lisa noch Schokokekse mit eingeschmolzen hat...die haben am Gaumen geklebt und sind dann geschmolzen, so schokoladig waren die) und Kuerbiskuchen (Pumpkin Pie mit Schlagsahne). Als Nachtisch gab es Eis am Stiel... Danach war ich mehr als satt. Uebersatt und sehr muede. Man sagt, dass Truthahn Inhaltsstoffe hat, die einen muede machen, normalerweise gehen alle nach einem traditionellen Thanksgiving Dinner immer pennen. Wir haben aber noch einen Film zusammen geguckt. War auf jeden Fall ein sehr netter Abend. Am Freitag fahre ich mit
Amerikakumpel Larissa mit dem Chinatownbus nach Washington DC, wo wir bis Sonntag Abend bleiben. Dort gibt es Samstag Abend ein Wiedersehen mit der Peiner Gedaechtnisgruppe, bestehend aus: Anna-Lena, Carina, Olla, Larissa und mir. Es wird gut. Freue mich schon auf die ganzen schicken Sehenswuerdigkeiten. Mal schauen, wo Anna-Lena uns ueberall hinschleppt. Das beste an der Reise wird aber sein, dass es in Arlington eine deutsche Baeckerei gibt! Juhu. Samstag Morgen Bratwurst Fruehstueck. Juhu. Darauf freue ich mich,
traurigerweise, am meisten. Des weiteren habe ich mit Stolz zu verkuenden, dass wir ab Juni 2008 zu dritt sind. Nein, war nur ein Witz. Wir haben jetzt unser Hotel in Montreal, Kanada fuer Silvester gebucht. Es wird das beste Silvester, das ich je hatte (ich weiss es jetzt schon). In diesem Sinne, eine erholsame Woche, ein schoenes Wochenende. Mama, Papa, viel Spass bei eurer Party am Samstag, trinkt nicht zu viel, aber doch auch einen fuer mich mit, denn ich werde Samstag nicht trinken, weil ich noch nicht 21 Jahre alt bin und das in den USA nun mal so geregelt ist (aber wie unsere reizende Nachbarin Eleanor immer zu sagen pflegt: Wieso soll man mit 18 in den Irak gehen und Leute toeten, aber kein Bier trinken duerfen?) Also sehe ich voller Zuversicht dem Wochenende entgegen und eventuell gibt es ja noch Wunder und ich darf mir auch ein kuehles Blondes genehmigen. Also, macht was und hasta luego.

Samstag, 10. November 2007

Garden State

Ich habe vorhin mit Babsy, Maile und Kracher telefoniert, als es ploetzlich an der Tuer geklingelt hat. Ich dachte, es sei TJ, aber vor mir stand ein 1,80m Maedchen und laechelte mich an. Sie sei Natalie, die Nichte von Rainer und Eleanor (Nachbarn) und komme aus Bremen. So klein ist die Welt. Sie macht hier fuer zwei Monate ein Praktikum und kennt noch niemanden und so sind wir nach kurzem small talk (nichts fuer mich) zum neuen Vietnamesen auf unserer Hauptstrasse essen gegangen.

Ihre Mutter kommt aus Thailand, nach dem Abi hat sie zwei Monate bei ihrer Freundin in Namibia gelebt und jetzt ist sie bis Ende Dezember hier. Ich komme mir immer etwas klein (im wahrsten Sinne) vor, wenn mir so viel rumkommende Menschen ihre Geschichten erzaehlen. Sehr interessant alles. Ich werde das auch in Angriff nehmen, wenn ich wieder nach Deutschland ziehe.

Es ist faszinierend, wie leicht es einem faellt, neue Leute in einem fremden Land, beziehungsweise in einer fremden Umgebung kennen zu lernen. Fremde Menschen gehen viel mehr auf einen zu und sind freundlicher als zu Hause. Weil man sich gegenseitig braucht. Ohne fremde anzusprechen, wuerde man in der Ferne nie jemanden kennen lernen. Das ist super interessant und macht viel Spass. Man hoert neue Geschichten, schliesst Freundschaften ueber Kontinente hinaus (Marianela und ich) und es gibt keine Vorurteile. Schade, dass es zu Hause nicht so ist. Jeder wird schon nach dem ersten Blick verurteilt (gut, mache ich auch manchmal, man nennet es laestern;). Aber hier, in der Fremde, die fuer mich keine mehr ist, merke ich, wie wichtig und gut es ist, wenn man offen fuer neues ist und wie aehnlich sich doch im Prinzip die meisten Menschen sind. Dieses Auslandsjahr hat mich jetzt, in den mittlerweile drei Monaten (nur noch neun Monate, verdammt) viel gelehrt und ich habe mich - ich hoffe es zumindest - im Positiven schon veraendert.

Donnerstag, 8. November 2007

The Girl who survived

Wenn ich in die Tasten haue, tue ich das nicht mit zehn Fingern. Ich glaube, ich benutze acht. Falls ich mit acht Fingern tippe, sind es jetzt nur noch sieben.

Heute war ich mal wieder kurz davor, in die Notaufnahme eingeliefert zu werden. Ich habe Salat geschnitten - mit der Reibe. Aber da ich ja ein Fuchs bin, habe ich die Mohrrueben mit einer Gabel aufgestochen, um so zu verhindern, dass ich mich schneide. In der Theorie und die ersten fuenf Minimoehren hat es auch geklappt, aber dann habe ich meinen Zeigefinger, um mehr Druck auszuueben, auf die Gabel gedrueckt und zack. Schmerz. Gottseidank habe ich TJ vorher in den Hochstuhl gesetzt. Ich bin schnell, meinen Finger haltend, ins Badezimmer hochgelaufen, schoen den weissen Teppich vollgeblutet, panisch nach Pflastern gesucht, zwei Spidermankinderpflaster draufgedrueckt, wieder abgemacht, weil sie durchgeblutet waren nach einer Sekunde und weiter gesucht. Ich habe zum Glueck noch von meiner Staph Infektion diese Druckbinden gehabt und hab die auf den Finger gedrueckt und selbstklebendes Band herumgewickelt. Schnell Jon angerufen und ihm gesagt, er soll so schnell wie moeglich nach Hause kommen, weil ich mich nicht um TJ kuemmern koenne. Nach zehn Minuten war er dann da und meinte, nach einem Blick auf den roten Verband, dass wir lieber in die Notaufnahme sollten, um es naehen zu lassen. Aber ich meinte nur: Nee, lass mal lieber...
...die letzten vier Stunden Warten in der Notaufnahme haben mich (beziehungsweise meine Versicherung) schon 1700 Dollars gekostet. Ich habe uebrigens wirklich MRSA gehabt, wir waren naemlich vor zwei Wochen im Krankenhaus und haben die Ergebnisse abgeholt. Sind schon mehr als zehn Leute in den USA daran gestorben und Schulen mussten geschlossen werden. Ja und ich habe es ueberlebt. Schon komisch, wenn man im Fernsehen die neuesten Todesmeldungen sieht, und laut denkend sagt, tja, und ich habe es ueberlebt und dann die Leute neben einem erstmal einen Meter zur Seite ruecken und dich entsetzt anstarren. Mysterioese Aura und so.

Warum ich eigentlich schreibe, ist folgendes. Ich glaube, Babsy war es, die mir heute bei Skype erzaehlt hat, dass Super mittlerweile 1,50 Euro kostet? Man, man, man. Hier folgende Rechnung:
Zur Zeit kostet bei uns eine Gallone Regular 2,77 Dollars. Eine Gallone sind circa 3,5 Liter. 1 Euro ist zur Zeit 1,47 Dollars (laut des Tagesschau Newsletter, den ich immer bekomme). Nach meiner Rechnung (und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass ich mich verrechnet habe) kostet also ein Liter Benzin 50 Euro-Cent hier in den USA. Anders herum wuerde bei uns eine Gallone bei einem Spritpreis von 1,50 Euro, 7,70 Dollars kosten!

Ha und ich hatte nur 3 Punkte in Mathe.

Montag, 5. November 2007

Rote Plastikbecher und Franziskaner

In Philadelphia wird alle paar Minuten jemand ermordet. Die hoechste Mordrate der USA (laut Bill; laut Jon ist es New Orleans). Erschreckend. Gaensehaut. Ich mittendrin. Natuerlich nicht in Northeast. Da ist das Todesviertel. Ich war in South. Da werden auch Leute ermordet, aber nicht an dem Tag, an dem ich da war. Ich war naemlich Samstag da. Freitag ist Larissa um acht Uhr abends mit Sack und Pack zu mir gekommen. Unser Plan war, mit dem Auto nach Pennsylvania zur 'eat me, greet me' Party von Adams Verbindung zu fahren. Eat me, greet me bedeutet, dass man diese Zuckerketten (Candy Necklaces) um den Hals bekommt und jeder sie abknabbern darf. Verbindung (Fraternity) sind diese Burschenschaften, in die man nur hineinkommt, wenn man harte Pruefungen bestanden hat und dann in jedem Mitglied einen Bruder - guten Freund - findet. Angeblich sollte die Fahrt rund anderthalb Stunden dauern laut Mapquest. Mapquest ist aber leider ein popelfressendes Stinktier mit feuchten Fuerzen. Kurz: ich komme damit nicht klar (habe mich deswegen schon zwei Mal verfahren, weil es einfach Strassen vergessen hat, in denen ich abbiegen musste). Gut gelaunt sind wir trotzdem um neun Uhr losgefahren und haben mein VWchen in eine mobile Disco verwandelt (Krawall und Remmi Demmi). Vorher noch ein Stossgebet gen Himmel geschickt, dass es auch ja rote Plastikbecher gaebe (wie in den Teeniecollegepartyfilmen) und los ging die Fahrt. Zunaechst war alles tippi toppi. Selbstbewusst habe ich den Wagen Richtung South Jersey gesteuert, doch vom South Turnpike mussten wir wieder auf den North Turnpike wechseln und von dort auf South 95 und eigentlich ist ja doch alles der gleiche Brei und schwupps - Ghetto. Keine Ahnung, wie wir da gelandet waren, aber wir waren in Chester (also kurz vor dem Ziel, da die Uni in Chester ist). Im Chester Wohnviertel und da moechte man wirklich keine Kinder gebaehren - schade, dass wir kein Panzerglas hatten, ich habe es mir in dem Moment ehrlich gewuenscht. Die Haeuser waren alle herunter gekommen, die Zaeune eingetreten, alte, zerbeulte Autos. Wir haben also nicht gewagt, an irgendeiner Haustuer zu klingeln, um nach dem Weg zu fragen. Also sind wir wieder ein Stueck zurueck gefahren, intuitiv mal rechts, mal links, mal geradeaus und auf einmal standen wir vor einem Motel. Also haben wir aufgegeben und sind dort hinein, um nach dem Weg zur North 95 zu fragen (mussten naemlich mal wieder die Windrichtung aendern). Der Rezeptionsmann war ein Inder (oh Wunder) und nach seinem ersten Satz hat Larissa laut losgelacht (wie gemein). Er war aber auch wirklich der typische Inder mit dem typischen, indischen Akzent. Er war sehr nett, aber Larissas Lache hat mich angesteckt und aufgrund seiner geilen Wegbeschreibung konnte ich mich dann gar nicht mehr halten und wir sind ohne Kommentar wieder ins Auto gelaufen (zu einem Tschuess und Danke waren wir nicht mehr faehig - armer Mann, und er war so nett). Wir haben unglaublicherweise doch noch den Weg gefunden und waren gegen Mitternacht in der Widener University. Adam hat uns gleich begruesst und wir sind mit ihm in sein Zimmer gegangen. Dort waren dann ein paar Unitussis am Start. Wie im Film wirklich: Tussitreterchen, alle 30 Sekunden Make-Up - und Frisencheck, blondierte, geglaettete Haare, Minirock zu Zellulitebeinchen. Der Klassiker. Wie im Film. Zu dem Zeitpunkt dachte ich schon: OK, das koennte amuesant werden. Adam machte seinen Kuehlschrank auf und zeigte uns die zig Franziskaner Weissbierflaschen, die er extra fuer uns gekauft hatte (schoenes, kuehles Pilschen waere auch was feines gewesen). Und dann. Yes. Bam bam bam. Badabing Badaboom. ROTE PLASTIKBECHER wurden aus dem Schrank gezaubert. Himmel auf Erden. Lisa, herzlich Willkommen zu einer echten, amerikanischen Unihausparty. Das Haus, in dem er mit seiner Verbindung lebt, ist vielleicht mit dem Oelsburger Badehaus vergleichbar vom Aufbau. Ein paar Grafitti an den Waenden und Boeden, Bierflaschen, laut droehnende Musik, suesslicher Rauchgeruch, aufgedrehte und zugedrehte Menschen. Circa 300 an der Zahl. Rote Plastikbecher ueberall. Ein Bierbong windet sich vom dritten Stock runter ins Erdgeschoss. Knutschorgien. Oben, in den Schlafraeumen, tummelten sich immer so 5 bis 10 Leute in den Zimmern und haben sich entspannt bei kleinen Tueten, die die Runde machten, und unten, im Gemeinschaftsraum, wurde wild und schlampig getanzt (Penis in Po - das geht so). Bevor Lari und ich den Mut hatten, auch tanzen zu gehen (zwischen den ganzen Big Mamas und den Ghettogangstern muss man sich erstmal beweisen als deutsche Tanztrantuete), entschieden wir uns erstmal wieder hoch in Adams Zimmer zu gehen und uns volllaufen zu lassen. Hat dann auch ordentlich geklappt und wir haben uns mit drei amerikanischen Unischlampen angefreundet (IQ 0,0). Die eine blonde wollte uns "thick german bitches", wie sie uns liebevoll nannte (bitch wird hier scheinbar nicht so schwer gehandelt, bedeutet wohl in Frauensprache Kumpel), etwas ueber gute Ernaehrung beibringen und hat mir vielleicht 20 Mal erzaehlt, dass ich nur Salat und Broccoli essen sollte - OK, manchmal eine Moehre ginge auch. Gegen halb zwei sind wir dann vollerweise wieder runter gegangen und wollten unsere Booties shaken, doch was hoerten wir? Nichts. Licht war an, Musik aus. Vereinzelte Wracks standen noch hier und da herum und guckten verwirrt. Enttaeuschung machte sich breit und wir fragten jemanden, ob es das gewesen sei und er bejahte und erklaerte, dass das eine Regel der Uni sei, dass die Musik um halb zwei ausgemacht wird, die Party aber oben vereinzelt in den Schlafzimmern weiter ginge. Gut, also wieder hoch in Adams Zimmer und dort auf das Bett gesetzt und mit den Jungs weitergetrunken. Dort haben wir dann Bill und Brandon getroffen. Bill ist der beste Freund von Adam und ein cooler Typ und Brandon ist ein Spast, aber trotzdem wenigstens witzig (er hat mir vielleicht 100 Mal erzaehlt, dass ich die groessten, blauen Augen habe, die er je gesehen hat). Nachdem Larissa und ich noch einen coolen Fotoshoot quer durch das Verbindungshaus gemacht und Freundschaft mit Marion, dem einzigen schwarzen Verbindungsbruder, geschlossen haben, hat Adam seine Gitarre herausgeholt und mit Bill und Jeff ein paar Songs gesungen. Hier ein Hoerbeispiel -aber vorher ein paar Fotofotos:









Ich habe dann auch mal zur Gitarre gegriffen, bin aber musikalisch eher unbegabt. Die Zeit verging, es war sehr lustig und wir haben weiter getrunken. Wir zwei Deutschen entschieden uns dann aber zu stoppen, weil wir auf dem Hoehepunkt waren und jeder weitere Schluck uns den Absturz gebracht haette (man braucht einige Zeit, um das herauszufinden, aber nach etlichen Abstuerzen weiss man, wann es gut ist). Die Jungs waren dann aber auch Unterhaltung genug und waehrend wir The Starting Line (gute Band aus Philly) gehoert haben, durften wir die Jungs beim hoehepunktieren beobachten. Muedigkeit machte sich so langsam breit, aber die Jungs sahen nicht so aus, als ob sie bald aufhoeren wuerden mit Spass haben. Aber nach so langer Autofahrt voller Konzentration brauchten wir unseren Schlaf dringend. Um vier wollten die anderen dann aber ploetzlich zum Diner fruehstuecken fahren und setzten alles daran, uns mitzunehmen. Aber ich blieb hart (wie immer). Und so fuhren sie dann futtern und Larissa, Adam und ich vielen totmuede in unsere zwei Betten... Am nachsten Tag sind wir dann gegen Mittag in die Unimensa fruehstuecken gegangen (bei 40.000 Dollars Studiengebuehren pro Jahr ist eine All you can eat Mensakarte mit drin). Und das Essen war wahnsinnig lecker. Ich hatte so einen Brand auf Futter (Heisshunger), dass ich erstmal von allem alles genommen habe... ich zaehle auf: 1 Apfel, 3 Gurkenscheiben, 2 Tomaten, 1 Kuerbiskuchen, Pommes, 1 Kugel Erdbeereis, 1 Schale Cheerios... :DWar geil. Um ein Uhr sind wir mit Bill, Adam, Brandon und seiner seltsamen Freundin Tiff nach Philly gefahren. Bill und Brandon kommen urspruenglich aus Philly und haben den Stadtfuehrer gespielt. Sie haben uns die South Street gezeigt. Eine Szenestrasse, in der es coole Laeden und nette kleine Bars (nichts fuer uns U21 Jaehrige). Nachdem wir dort etwas shoppen waren, wollten wir das beruehmte Philly Cheese Steak essen gehen. Dazu sind wir ungefaehr 20 Minuten in eine andere (boesere) Gegend gefahren, wo es laut einer Liste das beste Cheese Steak gibt. Ich hab den Autofahrern, die uns durchgelassen haben immer: Danke fuers durchlassen und danke, dass ihr uns nicht getoetet habt zugerufen - das fanden die anderen nicht so witzig. Ich schon. Jaja, bis wieder einer weint... oder... Jedenfalls haben wir dann bei Pat's gegessen und davor war eine Schlange von bestimmt 30 Leuten. Bill meinte, dass sich das nie aendert und auch um fuenf Uhr morgens noch so viele Leute anstehen, um ein Original Philly Cheese Steak zu essen. Wenn man sich ein solches Geraet bestellt, muss man extrem auspassen. Wenn man nicht das Richtige sagt, bekommt man keins. Die Menschen hinter der Kasse sind extrem unfreundlich und das gehoert wohl dazu. Also erklaerte uns Bill das lieber zwei Mal. Es gibt drei Kaesesorten zur Auswahl: American, Provolone or Wizz. Also nennt man den Kaese, den man essen moechte zuerst (ich habe Provolone genommen, weil ich den lecker finde, klassischerweise bestellt man aber Wizz). Dann sagt man with or without (was bedeutet, dass man mit oder ohne Zwiebeln haben moechte). Ein normaler Bestellvorgang laeuft also so ab:


unfreundlichster Mensch auf der Welt: Next!


ich: Provolone with


unfreundlichster Mensch auf der Welt: Next!


Bam da wird mir das Philly Cheese Steak hingeworfen, die Haelfte der Zwiebeln faellt heraus. An der naechsten Kasse bestellt man sein Getraenk und Pommes und dann geht man zu so einem kleinen Stand, wo man nach belieben noch Pepperoni, Relish und Ketchup draufmachen kann (klassischerweise isst man es aber ohne).


Vollgestopft und gluecklich haben wir die Jungs und die komische Tiff, die sehr unfreundlich war und mich stark an Frau Schubert (Textillehrerin aus der OS - schrecklicke Frau - ich musste immer die Tafel putzen (habe das laut ihr immer falsch gemacht) und hatte immer eine 3, egal, wie doll ich mich angestrengt habe) erinnerte, dann gedraengt, nach Hause zu fahren, damit Larissa und ich uns auf den langen, langen Weg nach Hause machen konnten.

Sie haben das dann auch getan und Larissa und ich haben uns dann auf den Rueckweg gemacht und nicht verfahren. Die Fahrt verlief sehr harmonisch. Es gab nur einen kleinen Zwischenfall, als Larissa, waehrend eines Paolo Nutini Songs, den wir schweigend hoerten, auf einmal sagte: Wie schlimm waere es eigentlich fuer unsere Verwandten wenn wir jetzt hier sterben wuerden? Also Larissa wirklich, an was du denkst, wenn du nichts sagst...man, man, man.... selten so gelacht. Um sieben Uhr waren wir dann bei mir, haben schnell meine Sachen gepackt und sind mit dem Zug nach Manhattan gefahren. An der Penn Station angekommen, sind wir zu Fuss zur Grand Central gelaufen und sind mit dem Zug nach Chappaqua gefahren. Das ist jetzt zwar schnell erzaehlt, hat aber insgesamt mit Wartezeiten und Latschen vier Stunden gedauert, so dass wir Samstag alles in allem sechs Stunden unterwegs waren. Bei Larissa haben wir uns dann noch ein paar Sex and the City Folgen angeguckt und um ein Uhr ins Bett gegangen. Am naechsten Tag haben wir nur gepimmelt und Million Dollar Baby geguckt. Das war leider der Fehler, weil dieser Film dermassen unvorstellbar traurig war, dass wir beide danach eine halbe Stunde depressiv in der Ecke sassen. Guckt den Film nicht, wenn ihr eh schon traurig sein, danach wird sich eure Laune nicht unbedingt bessern. Ei ei ei.

Gegen halb sechs habe ich mich dann auf den Weg zurueck nach Manhattan gemacht und bin gedankenverloren zum Times Square gelaufen, habe mir ein Eis in der Creamery gekauft und weiter gedankenverloren, meiner wundervollen (traurigen) Musik gelauscht. Ich hatte keinen Blick fuer die Aussenwelt. In der Penn Station angekommen, habe ich ungefaehr das erste Mal meine Umgebung wahrgenommen und mich gewundert, warum viele Leute mit Medallien um den Hals herumlaufen. Und dann. Ein Geistesblitz. Scheisse. Verdammt. Mist. Dreck. Elend. Kacke. Vierte November. Marathon. Elton. TV Total. Peter Kloeppel. 40.000 Menschen. Das Event.

Und ich habe es verpasst. Ich habe einfach vergessen, dass gestern der legendaere New York Marathon war. Und ich war noch die, die alle ueberreden wollte, dahinzugehen, weil ich das unbedingt miterleben wollte, diese Stimmung und alles. Und ich habe es einfach verpasst. Unfassbar. Also nach Million Dollar Baby war ich ja schon traurig. Aber dieser Moment der Wahrheit war schlimmer als schlimm. Wenn man sich einen Fehler eingestehen muss, dann ist das dummer als dumm und die Zeit kann leider niemand zurueck drehen... dumm, dumm, dumm.