So, heute habe ich es getan. Ich bin rein, habe den Zettel auf den Tisch gelegt, mir eine Viertel Stunde angehört, dass ich nicht gehen soll und bin gegangen:
Nach zehn Monaten beende ich mein Arbeitsverhältnis mit dem Staatsarchiv. Am 30. September wird mein letzter Arbeitstag sein. Dann ist Schluss. Ich blicke zurück auf fast ein Jahr Schreibtischschnuppern, Büroarbeit vom Feinsten. Angefangen habe ich am 7. Januar mit Linni und Erik. Erik ging nach einer Woche. Einige Zeit später kamen Maik und Jan dazu und dann auch Marcus, Mara und Jesse - wobei auch Mara nur gefühlte zwei Wochen blieb, sich nie blicken ließ und letztendlich im Streit kündigte. Letztendlich kamen noch Alex, Carina und Kai dazu und nachdem Linni nun gekündigt hat, bin ich die zweite und letzte, die das
Ursprungsboot verlässt. Retrokonversion hat eigentlich immer Spaß gemacht. Nicht nur die Bestandsverzeichnisse, die ich digitalisieren, sprich abtippen musste, waren teilweise spannend und witzig, auch mit allen Arbeitskollegen habe ich ein sehr gutes Verhältnis gepflegt - nicht zuletzt, weil ich mit der Hälfte der Leute auch zur Uni gehe.
Beziehungstipps wurden ausgetauscht, Sexlügen entlarvt, psychologische Hilfe geleistet und über derbe Witze gelacht. Ach, ich fühle mich wie bei einer staubigen Jubilarrede...
... nun ja, aber nach zehn Monaten ist auch mal gut, ich habe keinen fucking Bock mehr auf das staubige Büro. Unglaubliche eine Stunde Fahrzeiten - ob unter oder über Alster drüber. Jacke wie Hose. Bus wie Fahrrad. Wobei ich sagen muss, dass ich mittlerweile den ultimativ kürzesten Weg mit dem Fahrrad gefunden habe. 9,2 km und zack, ist man da! Hier der ultimativ kürzeste Weg, entdeckt von mir in schier unendlich verfahrenen Irrfahrten mit dem Rad:
Natürlich werde ich es wohl bereuen, wenn Weihnachten vor der Tür steht und ich meinen letzten Heller für Geschenke ausgeben muss, ich werde die Entscheidung verfluchen. Aber irgendwie ging ich heute glücklich beim Chef aus dem Büro. Irgendwie befreit und mit dem Gedanken: Im Oktober musst du nicht extra hoch, um nach Wandsbek ins Büro zu fahren: Yes! Und das Gefühl gab mir doch Bestätigung, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Zwar haben Jesse, Maik und Marcus, die heute mit mir gearbeitet haben, heftig auf mich eingeredet, dass ich das nicht machen könne und es natürlich von der vernünftigen Seite beleuchtet, dass ich ja immer noch kündigen könne, wenn ich was besseres gefunden habe und solange weitermachen könne und mir ja keinen Ast abbreche, aber es ging nicht um Vernunft, sondern um keine Lust mehr. Aus und fertig. Ich werde schon wieder was finden, bis dahin schraube ich halt meine Bedürfnisse auf die Hälfte des Geldes zurück, wird schon gehen. Und nun, Wein!Ein Korb voller Rosen, ein zärtlicher Kuss, ein Schlag in die Fresse und hiermit ist Schluss!