Daniel hat zu Hause noch seinen Jet Lag ausgeschlafen und mein Plan, gemuetlich um 10 Uhr zurueck zu fahren und gemeinsam zu fruehstuecken, wurde im Wartezimmer schleichend vernichtet. Gegen viertel nach waren wir dann dran und der Arzt gab ihm ein Narkosemittel, welches ihn schlaefrig machen sollte. Also haben wir solange das Erklaerschaf im Fernsehen geguckt, bis er bei offenen Augen und starrem Blick anfing zu schnarchen. Eine Zahnarzthelferin nahm ihn mir ab und ist dann mit ihm ins Behandlungszimmer gegangen. Ich hinterher. Dort wurde er hingelegt, Schuhe und Socken ausgezogen, Lachgasmaske auf die Nase gedrueckt und sein Mund zugedrueckt, damit er gezwungenermassen durch die Nase atmet. Sein Koerper wurde in so eine Art Dreieckstuch gewickelt, um zu viel Koerperbewegung zu verhindern. Aber dem T-Mann war das alles latte, der hat gar nichts mehr gerafft. Da das laenger zu dauern schien, guckte ich lieber nicht mehr auf die Uhr, um mich nicht selbst nervoes zu machen. Mein armer, vielreisender Mann zu Hause wacht auf und niemand ist mehr da. Womoeglich denkt er ja, er ist immer noch in Vietnam und versteht gar nichts mehr. Ach, ach. Und die Zeitumstellung sitzt noch in den Knochen.
Und los ging es. Itches Mund wurde mit einer Zange aufgehalten. Doktor Portnoff, so hiess der gute Mann, zog eine ueberdimensionale Spritze auf und verteile irgendein Mittelchen in Tjs Gaumen, Zahnfleisch und Zunge. Insgesamt vier Mal, ziemlich tief, stach er zu und ich bekam jedes Mal eine Gaensehaut, konnte aber nicht wegschauen. Dann spannte er eine Art Gummihandschuh ohne Handschuh in den Mund und presste die Zaehne dadurch, sodass die Zaehnchen die Halterung waren und man quasi nur noch Lippen, Zaehne und Gummi sah. Das ganze wurde mit einem ultra duennen Faden an den Zaehnen festgenaeht. Kurzzeitig ueberlegte ich, was da vor sich ging, schaute aber weiter fasziniert zu. Eine kurze Handbewegung und er zauberte ihn hervor: den metallisch glaenzenden Bohrer. Einmal den Stift gewechselt, fing das furchtbarste Geraeusch (und wer stimmt mir da nicht zu) der Welt zu surren. Und er schliff. Und schliff. Und schliff...schliff... Ein anderes Plaettchen drauf gesetzt, die Gaszufuhr reguliert, ein bisschen Wasser weggesaugt und schleifen. Weiterhin. Lange Minuten, der Zahn spruehte nur so seine Einzelteile von sich auf Herbies Mundschutz.
Ich dachte irgendwann: Was geht denn bitte hier!? Es wurd gerackelt, geschliffen, abgewetzt und es wurde halb 12. Von den vefaulten Frontzaehnen war nicht mehr viel uebrig. Ahnung von sowas habe ich ja nicht, aber nach einer Wurzelbehandlung (was ja sowieso schon scheisse ist), sah das nicht aus. Ausserdem hatten TJ und ich ja vorher nichts gegessen. Er nicht, weil er mit nuechternem Magen zum Arzt sollte und ich aus Solidaritaet. Hunger machte sich also breit. Irgendwann wurde dann eine blaue Masse auf die abgeschmirgelten Stumpen gepinselt und neue Kronen draufgedrueckt! Hae? Raffung! TJ hat einfach neue Zaehne bekommen und ich war live dabei. Woohoo. Voll gut, der kleine tapfere Mann, nun konnte ich ihn auf die Frauenwelt der zwei bis drei jaehrigen loslassen und es wuerde kein halten mehr geben bei seinem Charme und dem Zwinkern in den Augen. Das Gummi wurde vorsichtig entfernt, das Gas von der Nase entfernt und waehrend TJ aufgewacht ist, gab es nochmal zwei Spritzen in den Gaumen. Armer Junge, da war das Geschrei natuerlich gross und ich hatte Schwierigkeiten, ihn zu beruhigen. Der ganze Mund muss ihm wehgetan haben. Schnell nach Hause gefahren, lag Daniel schon gemuetlich auf dem Sofa und hantierte am Macbook herum. Nachdem ich TJ beruhigt und zum Schlafen gelegt hatte, haben wir uns in die Sonne draussen gesetzt und dann auch bald Tj geweckt, um mit ihm Eis essen zu fahren. Erstens hat mein tapferer, kleiner Held sich das verdient und zweitens brauchte er ja noch Fruehstueck und Mittagessen und drittens sollte er nur weiches essen und Eis sei wohl gut als Kuehlung. Also sprach alles fuer das Paradies: Coldstone Creamery.
TJs Laune war auch auf der Stelle wieder hergestellt, als sein neuer, bester Kumpel Daniel ihn hochhob und er wusste, dass wir Eis essen fahren wuerden.

Das sind die neuen, schoenen Beisser mit blauem Eisrand. Nachdem wir zurueck waren, ereilte mich ein Anruf von Jon, dass er nicht vor sieben zu Hause sein wuerde und so entschieden wir uns, the Sandlot reinzuschmeissen und die Zeit mit dem Baseballfilm zu ueberbruecken.
Ich machte also schon mal die Nudelsuppe fertig und die Maenner guckten also Baseball. Gemeinsam assen wir dann als kleine Familie (Totlachgesicht) in der Stube und als ich dann auch meinen Platz auf dem Sofa erkaempfen wollte, wurde der kleine Teech doch glatt ein bisschen eifersuechtig. Aber so ist das nun mal mit der Frauenwelt.
Als ich Feierabend hatte, sind wir nach Maplewood zu einem schoen gelegenen Plaetzchen gefahren, wo man eigentlich die Skyline haette sehen sollen, dies aber durch Nebel nicht moeglich war. Ausserdem war Daniel, der ja sechs Wochen 30 Grad plus gewohnt war, arschkalt. Da war sie hin die Romantik und so ging es nach einer guten Viertelstunde wieder ins heimische Metuchen.
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