Freitag bin ich angekommen, jetzt ist schon wieder Montag. Der Blog hinkt, aber ich habe wirklich den Arsch voll Aktivitaeten und besseres zu tun, als am Computer zu hocken - deswegen sorry, nun schnell ein Blitzeintrag der vergangenen Tage.
Freitag klingelte um 4.20 Uhr mein Wecker, ich schaelte mich aus dem Bett, duschte in Trance und... ach nein, ich beginne mal lieber Donnerstag. Die Hausarbeit war fertig. 46 Seiten ueber Tauben, Koestlin, kommentierte Literaturlisten und Anhang. Ausgedruckt und gebunden, machte ich mich mit einem Buch und meinem iPod auf den Weg nach Hamburg. Nach einigen Irrwegen, da der ICE nicht am Hauptbahnhof, sondern in Harburg hielt, ich in die falsche S-Bahn stieg und erst in die falsche Richtung fuhr, landete ich am Dammtor und schmiss meine Hausarbeit in den Briefkasten. Weg damit. 400 Kilo Last fiel vom Ruecken. Endlich frei! Am Grindelhof kaufte ich noch bei Pappnase Magic Snow Powder fuer die Kinder und eine Postkarte fuer den Kuehlschrank. Dann fuhr ich endlich nach Hause, holte den Reisepass und war um halb 8 wieder zurueck im haesslichen Peine.
Also bla bla Wecker 4.20 usw. Als ich am Bahnhof Hannover ankam, war ich erneut extrem orientierungslos und hatte das Gleis vergessen, von welchem aus es zum Duesseldorfer Flughafen ging. Gleis 11 Abschnitt D bis G erklaerte mir die freundliche Auskunft und ich sprintete (so schnell man eben mit einem Koffer und einem Rucksack sprinten kann) zum Gleis. Dort stand am Infoschild Richtung Koeln/Bonn Flughafen und weil ich mir unsicher war, ob ich richtig stand, fragte ich einen aelteren Mann im feinen Anzug, ob dieser auch am Duesseldorfer halten wuerde. Jau, wuerde er und schon war ich in ein Gespraech verwickelt, dass bis zum Schluss-Gute-Reise-Und-Viel-Spass-In-Ameria am Flughafen Duesseldorf dauerte. Es war die Art von Gespraech, wo man eigentlich immer nur: Aha... oK. Ja wirklich? Oh, das stell ich mir schoen vor... unglaublich! Das ist ja toll... sagt.
Der Mann - wir haben uns nicht vorgestellt - war im Begriff fuer mehrere Monate in die Dommi (wie er es nannte - DomRep) zu fliegen, wo er einen Berg besass. Er war 67 Jahre alt und hat schon mal dafuer gesorgt, dass ein Flugzeug repariert wurde, weil er ein Loch in der Tragflaeche mit seinem 400 Teleobjektiv entdeckte. Des Weiteren war er schon mal einen Wasserfall herunter gesprungen, von einem giftigen Schmetterling gebissen und einer Meute von Kriminellen bedroht wurden, weil er eine Nutte mit nach Hause nehmen wollte - da er aber ein guter Freund von Silvia, der Tochter des obersten Staatsanwalts Martinez war - liessen sie ihn ziehen. Und so weiter und so weiter. Ein durch und durch abenteuerliches Leben.
Am Flughafen stellte ich mich in die schier endlose Schlange des Check-Ins an und danach an die endlose Gepaeckschlange. Der Grund fuer das immense Chaos bei Lufthansa war, dass an dem Freitag sehr, sehr dichter Nebel das Gebiet umwaberte, die Wetterverhaeltnisse ziemlich schlecht in ganz Deutschland waren, so dass viele Fluege annulliert und verspaetet waren. Meiner zum Glueck aber nicht und so hieb das Geloet eine Dreiviertel Stunde spaeter als geplant um 12.35 Uhr Richtung Newark, New Jersey ab. Zunaechst war alles gut. Ich war hundemuede uhnd beobachtete besorgt meine Sitznachbarin zu meiner rechten. Sie schien ziemlich alt, war dick und stoehnte vor sich hin, faechelte sich Luft zu und sah mich bemitleidenswert an. Dann sagte sie nur: Heart, sick. Und ich versuchte sie zu beruhigen, dass, sobald wir in der Luft waren, es abkuehlen wuerde und sie sich besser fuehlen wuerde. Das war dann auch einigermassen der Fall, sie machte mir dennoch Angst mit ihrem schweren Atem und dem Stoehnen. Naja. Zu meiner linken (ich sass im Mittelgang auf Platz 39 F) sass eine hollaendische Familie mit Tochter und Sohn.
Die ganze Zeit war der Flug ruhig und entspannt... bis circa Stunde vier auf Stunde drei. Dann fing es ploetzlich an zu rattern und wackeln und der Pilot sagte durch, dass wir nun ein wenig raue Luft durchfliegen wuerden und sobald es wieder besser wird, wir die Gurte wieder abnehmen koennten. Bling, ging das Gurtlicht an. Und oh man, ich bin doch immer so aengstlich und die Vorstellung, 12km in der Luft zu sein und dabei zu beobachten, wie die Bildschirme wackelten, ist nicht so schoen. Es wackelte also ordentlich und ich beobachtete besorgt die Tragflaechen und fragte mich, aber welcher Belastung die einfach abbrechen wuerden. Davon versuchte ich mich aber dann abzulenken und konzentrierte mich auf die Fluggaeste, welche Ruhe ausstrahlten, in dem sie ohne mit der Wimper zu zucken, ihr Buch weiterlasen. Vor mir sass ein deutsches Paar und der Mann schien auch Angst zu haben. Seine Frau hielt seine Hand und strich ihm die ganze Zeit beruhigend ueber den Nacken - wieso haelt mir keiner die Hand, wenn ich Angst habe? Toll. Es wurde und wurde nicht besser und obwohl ich nicht der Typ fuer schwitzige Haende bin, bekam ich feuchte Haende. Deswegen holte ich meinen iPod raus und drehte ganz laut Flogging Molly auf. Ich wippte mit den Beinen mit, um so das konstante Rattern nicht so sehr mitzukriegen. Ich hatte wirklich Angst. Mein Herz raste ganz schoen. Irgendwann, so nach einer Stunde war der Spuk wieder vorbei und sie zeigten "The Women" ein ganz ganz schlechter Film mit Meg Ryan (der wandelnden Schoenheits OP). Der Film war so oede und uninteressant, dass ich lieber mein mitgenommenes Buch lass und mich von meiner Angst erholte. Als der Film zu Ende war, zeigten sie noch eine Discovery Channel Doku ueber Pinguine und Sportschau. Wir flogen bereits ueber Neufundland und man konnte auf dem Bildschirm sehen, dass die Adirondacks nicht mehr fern waren. Ich erinnerte mich an meinen Montreal Urlaub. So langsam kam auch Vorfreude in mir auf. Die aber nicht lange waerte...
...der Pilot machte eine erneute Durchsage, dass sich die Flugbegleiter bitte setzen sollen, denn wir wuerden nun mit der Landung beginnen. 45 Minuten reine Todesangst begannen. Kurz vorher sagte einer der Flugbegleiter durch, dass in Newark 2 Grad Aussentemperatur waeren, es sehr windig sei, aber nicht regnen wuerde. Dann ging es los. Das ganze Flugzeug vibrierte wackelte. Widerwillen starrte ich auf den wackelnden Bildschirm an der Decke und begann mein Schlafkissen mit meinem Fingern zusammen zu pressen. Da angezeigt wird, wie hoch man noch ist und wie schnell man ist, sah ich, dass wir mitunter einfach 3 Mal hintereinander 20 Meter fielen und dann wieder auf 2 bis 4 Meter pro Sekunde abbremsten. Turbinen gingen an und aus und aus dem Fenster sah ich, wie man die Tragflaechen mal sehen konnte, und mal nicht. Das Flugzeug glich einer Achterbahn aus der man nicht aussteigen konnte. Wir wurden hin und her geschuettelt und zwei Mal hob ich sogar aus meinem Sitz ab - ein Gefuehl wie frueher, wenn man zu hoch geschaukelt ist - aber schlimmer, da im Flugzeug. Abwechselnd stoehnten die Leute ahh und ohh und die Frau zu meiner rechten fasste sich nur ans Herz und rief: terrible. Da fing auf einmal der Junge neben mir an zu kotzen. Oh man, es war so schrecklich. Ich hatte echt Todesangst und mein Herz raste wie wild, ich umklammerte weiterhin das Kissen. Der blaue Bildschirm sagte, dass wir noch 1,2 km ueber Boden waren und mit dem Fallen und wieder Auffangen wurde es immer schlimmer, so dass ich mich fragte, ob der Pilot das zum ersten Mal tat. Jedes Mal, wenn wir wieder eine enorme Meterzahl in wenigen Sekunden fielen, stoehnten alle Passagiere und ein Kind rief: Mommy whats happening? Es war fuerchterlich und dann fing auch noch das Maedchen direkt neben mir an, sich in die dafuer vorgesehene, nie benutzte Tuete zu uebergeben. Ich krallte mich mit der einen Hand in das Kissen und setzte mit der anderen Hand meinen Rucksack auf meine Fuesse, weil ich mir schon ausmalte, dass das Aufkommen sehr hart werden wuerde und meine Kamera im Rucksack lag (gut mitgedacht).
Es waren nur noch 500 Meter ueber Grund und links konnte man das Empire State Building kurz sehen. Dafuer hatte ich aber keine Augen, weil mir fast schwarz vor Augen wurde durch das Herzrasen. Nun kotzte auch die dritte Person neben mir und man konnte richtig sehen, wie der Hohlkoerper des Flugzeugs mal nach links, mal nach rechts hochzog - es war wie in einem schlechten Film. Ich ueberlegte nun wirklich, ob Tragflaechen abbrechen koennten, dachte kurz an den Muenchen-Hamburg-Flug, wo eine Tragflaeche bei der Landung kurz den Boden streifte, und betete, dass der Wind uns nicht erfassen wuerde. Noch 200 Meter. Ich machte mich bereit und umklammerte den Vordersitz - wie die meisten anderen auch. Mit einem lauten Wumms setzten wir auf und wurden ordentlich durchgeschuettelt, ein Aufschrei ging nochmal durch die Passagiere und dann war es vorbei. Als wir zum Stehen kamen, schnallten sich alle ab und standen langsam auf. In keinem der Gesichter stand Erleichterung. Eher Entsetzen. Meine Knie fingen an heftig zu zittern und ich hielt mich immer noch fest. Beim Aufstehen wurde mir, wahrscheinlich aufgrund der Angst, kurz schwarz vor Augen. Ich wartete, bis ich meine Jacke aus dem Fach holen konnte und beeilte mich, aus dem Flugzeug zu kommen. Auf dem Weg in den Flughafen rein, liess ich dem Piloten nochmal einen zutiefst niederschmetternden Blick zu kommen und versuchte, nicht zu weinen (die Frau, die hinter mir sass, hatte geweint). Ich war nicht traurig oder so, es war anscheinend einfach die Erleichterung, da rausgekommen zu sein, die mir fast die Traenen in die Augen schossen.
In der Schlange bei der Passkontrolle (es dauerte schier unendlich und TJ und Ally taten mir echt leid, da sie sicher schon ewig warteten), konnte man aus der langen Fensterfront Manhatten sehen. Ich konnte es noch gar nicht fassen, dass ich endlich da war. Durch die Passkontrolle, den Zoll und die Gepaeckannahme durch, ging ich zu der Halle, wo die Leute auf einen warteten und da sah ich schon TJ und hoerte ihn nur schreien Liiiissssaaaa. Ich rief ihm zu, dass er herkommen sollte und wir fielen uns in die Arme. Auch Ally freute sich, aber wahrscheinlich eher, weil TJ so aus dem Haeuschen war und sie ihm alles nachmacht und Laura, TJ, Ally und ich gingen zum Parkplatz. Am liebsten haette ich zur Beruhigung eine geraucht, langsam wurde mir auch schlecht von diesem ewigen hoch und runter, hin und her. Ich musste TJ die ganze Zeit tragen und er klebte an meinem Nacken und roch an mir, wir waren ja so verliebt.
Auf dem Weg nach Hause verfuhren wir uns natuerlich und waren dann, nach einer Stunde ungefaehr, endlich zu Hause.
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