Verliebt, verlobt, getrennt.
Ja, wie es aussieht sind wir heute dann doch nicht in die Poconos gefahren, weil Jon Bindehautentzuendung hat, morgen erst zum Arzt will und wir deswegen morgen frueh losfahren. Also habe ich meine unverhoffte Freizeit genutzt und bin ALLEINE in die Mall zum shoppen gefahren. Ich betone das ALLEINE hier so gross, nicht etwa, weil ich zeigen moechte, dass ich schon erwachsen bin und reif, um selbststaendig einkaufen zu gehen, nein, ich betone das ALLEINE hier so gross, weil es da eine Geschichte gibt, die ich noch nicht erzaehlt habe und die das ganze dann von selbst erklaert.
Und zwar wollte (sollte) ich vorgestern mit TJ ins Freibad fahren. Alleine mit dem Auto, versteht sich. An sich kein Problem, denn das Freibad ist nur drei Blocks entfernt. Das ganze entpuppt sich aber als unloesbare Aufgabe, wenn man Lisa heisst und mit dem totalen Antiorientierungssinn ausgestattet ist (Bekannte wissen, was ich meine). Lisa hat mir aufgeschrieben, wie ich zum Freibad fahren muss. Sie gab mir eine denkbar einfache Wegbeschreibung mit, da ich betonte, dass es Komplikationen geben koennte. Ich also los. Theoretisch haette ich nach der zweiten Abbiegung am YMCA Fitnessstudio vorbei kommen und links dahinter abbiegen muessen und ich waere da gewesen.
Theoretisch, denn natuerlich bin ich gar nicht erst bis zum YMCA gekommen, wie ihr euch wahrscheinlich denken koennt - fragt nicht, wie ich das geschafft habe, ich kann es einfach nicht besser. Jedenfalls machte es zu allem Ueberfluss auch noch auf einmal 'bling' und die Tankanzeige strahlte mir in gelb entgegen. Hierbei ist anzufuegen, dass mir Jon den naechsten Tag zeigen wollte, wie man tankt, da ich das vorher noch nicht gemacht hatte und es nicht das gleiche wie in Deutschland ist. So. Ich drehte die Musik (Torfrock) lauter, um mich zu entspannen. Da ich schnell zu Eskalationen neige und diese mit einem Kind auf dem Ruecksitz nicht angebracht sind, denke ich, dass das eine gute Idee war. Ich fuhr also wie eine Irre durch Metuchen und war auf einmal in Bridgeschlagmichtot. Sprich nicht mehr in meinem Ort. Die Tankanzeige gelb. Ich bekam nasse Haende (dazu ist wiederum hinzuzufuegen, dass Auto fahren in Amerika wahrlich nicht gleichzusetzen ist mit Auto fahren in Deutschland - die Strassen sind schlecht, es gibt kein rechts vor links und die Autos vor und hinter dir sind so gross, dass du den Verkehr nicht beobachten kannst).
Irgendwann bin ich dann auf einen Supermarktparkplatz gefahren und habe den indischen Verkaeufer gefragt, wie ich nach Metuchen komme, der hat mich aber nicht verstanden, zum Glueck aber die Frau hinter mir in der Schlange. Sie hat es mir also erklaert. Erste Ampel links, zweite Ampel rechts. Da ich vergessen hatte, was die Dame gesagt hat, bin ich die erste Ampel rechts gefahren. Wieder auf einen anderen Parkplatz. Die Tankanzeige im Blick. Fast auf Minus schon. Den Traenen nahe. Ich konnte weder Lisa, noch Jon, noch Anna-Lena erreichen (Anna-Lena wohnt zwar in Washington, aber ich brauchte seelischen Beistand). Verdammt. Irgendwie hab ich es dann doch nach Metuchen geschafft, aber weder nach Hause noch ins Freibad. Ich war auf dem Highschoolparkplatz gelandet. Dort bin ich ausgestiegen und hab die Bauarbeiter gefragt, wie ich in die Bissett Place komme (die Bauarbeiter kamen natuerlich nicht aus Metuchen und konnten mir nicht helfen). Daraufhin meinte ich, dass das nicht mein einziges Problem sei, denn mein Tank sei zusaetzlich leer. Gottseidank beschrieben sie mir den Weg zur naechsten Tankstelle (gleich hinter der naechsten Kreuzung, das konnte ich mir merken) und ich biss in den sauren Apfel und tankte. In New Jersey wird man 'betankt' und so sagte ich zu dem erstaunten Inder, dass ich fuer 15 Dollar aufgefuellt haben moechte. Auf Deutsch. Ich war halt verwirrt...
Dann klingelte mein Handy und mein Gastvater (den ich beim Golfspielen gestoert habe) rief an und fragte, was los sei. Ich ihm also kurz erzaehlt, dass ich vollkommen verloren bin und so blieb er am Telefon, bis ich vor unserer Haustuer stand (in Amerika darf man beim Auto fahren telefonieren und mit Automatik ist das auch kein allzu grosses Problem).
Als wir ausstiegen, sagte TJ, dass er schwimmen gehen moechte. Ich nur: NEIN!
Naja, lange Rede, kurzer Sinn (einige Heinis haben jetzt sicher erwartet, dass ich 'lange Rede, gar kein Sinn' schreibe, aber ich bin nicht der 'zum Bleistift-Typ Floskelnschwinger), jedenfalls bin ich heute ALLEINE in die Mall gefahren, meine Gastmutter mit dem Jeep ist vorgefahren und ich sollte, nach ihrer Wegbeschreibung, alleine wieder zurueck. UND JA ich habe mich natuerlich wieder verfahren und war auf einmal auf dem Highway (dazu sei bitte angemerkt, dass wir heute Abend ein richtig heftiges Gewitter hatten und in der Mall staendig das Licht aus und an ging und die Rolltreppen nicht funktionierten. Es hat also geregnet und es war dunkel und ich war allein, orientierungslos und in einem fremden Land).
Ich hab dann an einem Diner gehalten und erstmal gefragt, wo ich bin... Dann wurde mir netterweise der Weg zurueck erklaert, ich habe mich erneut auf der Hauptstrassse verfahren, weil ich unsere Strasse verfehlt habe und bin dann die falsche Richtung in unsere Einbahnstrasse reingefahren und war dann endlich um halb zehn zu Hause.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen