Zwei Mal bereits hatte ich wieder einen Kulturschock, seitdem ich hier bin. Das erste Mal als wir Richtung Metuchen vom Newark Airport fuhren und ich diese ganzen abgefuckten Geschaeftskaschemmen am Strassenrand sah, die halben Meter Loecher auf der Strasse und dieses verkommene, trostlose, kulturfreie, unschoene Ambiente einfach, was es an jeder Highwaystrasse zu sehen gibt. Alles sieht so plastikmaessig und instabil aus irgendwie. Und diese bescheuerte Strassenbeschilderung. Diese riesigen, maechtigen Trucks, die sich durch den Highwayzirkus bewegen und die ebenso riesigen wie unschoenen Dodges, Fords und GMCs. So amerikanisch alles. Halt Kulturschock. Auch dass wir abends kurz den Fernseher nebenbei liefen liessen und 60% mindestens Food Commercials darstellten. Krasse Makro Zooms auf Gambas, dampfende Pasta, spritzendes Olivenoel und verschiedene Saucen. All you can Eat ueberall. In Deutschland gibt es das so gar nicht, glaube ich. Dann in der Mall das typische: eins fuer 12 Dollars, zwei fuer 20 oder kauf drei, krieg eins zum halben Preis und so weiter.
Alles ist gleich geblieben hier, nichts hat sich veraendert. Selbst in der Mall riecht es noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte und es arbeiten noch die gleichen 08/15 Punks bei PacSun wie eh und je. Das zweite Mal "Um Gottes Willen" schreien fand ebenfalls in der Mall statt als ich bei Gap nach Unterwaesche schauen wollte und zwei dicke Frauen inklusive Kindern vor mir standen, sich in ihrem breiten Englisch ueber Nichtiges unterhielten, ausgebeulte Jogginghosen und einen XXXL Pullover von GAP trugen, dazu bunte Crocs und einen typischen Mallzopf - wie gerade aufgestanden - war wahrscheinlich auch so..
Mittlerweile, nach vier Tagen, habe ich mich fast schon wieder an dieses Bild gewoehnt und klar, einige Sachen auch vermisst. Die Kinder sind wirklich suess und TJ laesst mich kaum mehr los und fragt jedes Mal, wenn wir irgendwo hinfahren: You coming back home with me, Lisa? Ausserdem erzaehlt er, anscheinend schon seit Monaten, allen Leuten von seiner Schwester Kelly in Germany. In Germany leben auch seine Brueder, von denen er aber die Namen nicht weiss und ein Alligator, der nicht beisst. Manchmal redet er auch mit Kelly, wenn sie gerade draussen auf der Strasse spielt und er Mittagsschlaf machen soll. Und so weiter. Eine imaginaere beste Freundin. Heute, Montag, hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag und es ging gleich mit Mutter-Kind-Schwimmen im YMCA los. Ich war auch das einzige Kindermaedchen zwischen all den Muettern und auch noch die einzig neue. Alle wussten ueber den Ablauf Bescheid - ich beobachtete einfach und machte mit. So mussten wir zum Beispiel I'm a little Pancake, nice and fat singen und dabei die Kinder mal auf dem Ruecken und mal auf dem Bauch treiben lassen.
Am Nachmittag war dann Karate und gleich anschliessend TJs Schwimmunterricht. Nachdem wir nach Hause kamen, machte ich auf Jons Wunsch hin Schnitzel (aber vom Schwein) mit Rosmarinkartoffeln und gruenen Bohnen und wie immer assen die Kinder und ich alleine und waehrend das Essen langsam kalt wurde, spielte Jon am Macbook rum und Lisa war immer noch auf der Arbeit. Sowas laesst man dann mit einem tiefen Seufzer ueber sich ergehen und trinkt ein Girls Beer, wie Jon es nennt, sprich Corona und atmet durch. Er mochte das Astra importiert aus Hamburg uebrigens nicht. War mir aber klar - zu herb.
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