Freitag, 23. Januar 2009

Was ich gerade so mache 3: Riehl und ich

Es ist verdammtnochmal Freitag Abend, Wochenende. Man könnte zur Medizinerparty im WiWi-Bunker gehen oder in die MiniBar und unserer DJane Kommilitonin aus Stederdorf (wirklich) beim Auflegen zuhören, ein gekühltes Blondes schlürfen und entspannen. Aber es ist so genannte Lernphase. Ich schreibe also gerade ein, ja wie soll man es nennen, Ergebnisprotokoll einer Einführung in die Volkskunde Vorlesung (ja, wir haben eine Einführung in die Volkskunde erst im letzten Monat des Semesters in Form von Blockunterricht an den Wochenenden). Fünf Seiten über den Säulenvater unseres geliebten Faches, Wilhelm Heinrich Riehl. Mit Kommentar, Kritik, genereller Rezension der anderthalb Stündigen Vorlesung unseres schwäbischen Gastprofessors (ich habe eine Tonbandaufnahme des Professors hier, und es wäre sicher lustig, es online zu stellen, aber ich mache es lieber nicht). Morgen (Samstag!) um acht Uhr muss ich dann wieder aufstehen und zur Vorlesung, die bis 13 Uhr geht. Dann lerne ich Methodik der empirischen Sozialforschung (siehe Post der schwierigen Sätze) und dann lerne ich die neuen Klassiker der Soziologie.  Abends kommen dann Kräcker und Arnold und lenken mich hoffentlich ein wenig von meinem doch tristen Alltag etwas ab. Achja, a propos trister Alltag, da fällt mir ein, ich wollte ja noch Bilder von meiner Arbeit hochladen! Das mache ich nachher, wenn ich mit der Protokollierung und Rezension von Friedemanns Vorlesung fertig bin (so heißt der Schwabe mit Vornamen, Nachname wie immer geheim weil Googlebarkeit, wasn Wort). Also, wiegesagt, das mache ich gerade. Freitag Abend, 21.30 Uhr, alle glühen vor und ich schaue dem Schnee beim Fallen zu und hacke in meine Tasten:


Reflektiertes Ergebnisprotokoll zur Vorlesung über Wilhelm Heinrich Riehl vom 16.01.2009

In der Vorlesung am 16. Januar 2009 ging es um den Wissenschaftler, Professor, Journalisten und Literaten, quasi den Allrounder, Wilhelm Heinrich Riehl. Ein Mann, der im 19. Jahrhundert die Volkskunde zur Wissenschaft ausrief und somit als deren wissenschaftlicher Begründer gilt. Um die Probleme seiner Zeit wie Urbanisierung und Industrialisierung und die damit einhergehende Zerstörung der Familien zu lösen, versuchte Riehl durch mehrere literarische Werke eine Rückbesinnung auf konservative Bräuche und Sitten zu erreichen.

Riehl proklamierte 1858 die Volkskunde als Wissenschaft in seinem Aufsatz „Die Volkskunde als Wissenschaft“, den er auch als Vortrag an der Münchener Universität hielt. Er verknüpfte also die romantischen mit den aufklärerischen Traditionen und ließ sie in eben jener von ihm ausgerufenen Wissenschaft münden – der Volkskunde. Er suchte konservative bis reaktionäre Antworten auf die Fragen seiner Zeit (Zeit der Industrialisierung und Urbanisierung) und galt daher auch als Antipode von Karl Marx. Riehl war zudem ein Allrounder, was vielleicht auf viele Volkskundler zutrifft: Museumsmann, Professor für Kulturgeschichte, Journalist, Politiker und Novellist. Volkskunde sollte Wissen erheben und ordnen, um gesellschaftliche Verhältnisse gestalten zu können. Er verband die Nüchternheit der Aufklärung und die idealistische Romantik miteinander und stellte das Volk ins Zentrum seiner Überlegungen, denn das Volk als solches wurde in romantischen Überlegungen als eine Art Individuum verherrlicht. Im Gegensatz zur damaligen Vorstellung von Geschichte stellte er nicht große Berühmtheiten und Taten in den Fokus seiner neuen Wissenschaft, sondern das Volk mit seiner Kultur, Lebensweise und seinem Alltag.

Also stellen sich die Fragen, was die Volkskunde unter dem Begriff „Volk“ versteht und was letztendlich aus dem Anspruch wurde, die Volkskunde als Wissenschaft zu proklamieren. Riehl galt aufgrund seines Aufsatzes von 1858 als „Säulenheiliger“ der Volkskunde; aber war er wirklich Wissenschaftler oder Zeitdiagnostiker?


Und wenn sie nicht gestorben ist, tippt sie immer weiter... mache ich jetzt auch. Freunde, viel Spaß beim Feiern dieses Wochenende!

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