Montag, 19. Januar 2009

Orientierungssinn versus Lisa

Stadterkundung, Teil X. Die Sache ist die, ich bin betrunken. Ich habe eben gefeiert, dass zehn Mediziner ihr Testat bestanden haben - mit ihnen. Ich gehörte als Kulturanthropologe und dann auch noch als Ersti zwar nicht dazu, doch nahm mich meine gütige Mitbewohnerin gerne mit. So landeten wir also in der nächstgelegenen Cocktailbar (von unserem Haus aus gesehen). Im Kairo Cocktail. Von außen doch eher unscheinbar und heruntergekommen, stellte es sich als kleines Idyll und Ort der schmackhaften, günstigen Cocktails und leckeren Wasserpfeifen heraus. 

Bei den Gesprächen nahm ich eher als interessierter Zuhörer teil und erfuhr Dinge wie: beim so genannten Präppen schneidet man schon mal der Leiche den Kopf komplett ab und teilt ihn dann nochmals in der Mitte durch, um ihn auch von innen mal zu sehen. Oder dass Praktikum in der Urologie durchaus sinnvoll sein kann, wenn man keine Lust auf bettlegerige, kranke Menschen hat, sondern lediglich an Prostatakrebs erkrankte Mitfünziger, die nach der Entnahme jener wieder fit wie ein Turnschuh nach Hause gehen können. Ist das also so. OK. Ja, ich schreibe dafür eine Hausarbeit über Tauben in der Stadt - das kann auch nicht jeder! Franzi referiert zum Beispiel über Aquarianer und Kirsten über Fische im Teich - die Lacher habe ich jedenfalls mit meiner Studiumswahl auf meiner Seite. 

Heute habe ich den Tag im Rechtshaus, genauer in deren Bibliothek verbracht und so manchen potenziellen Heiratskandidaten beim Büffeln beobachtet (natürlich kommt bei den Juristen auch nicht der Prototypauftritt zu kurz - klassisch nach hinten gegelt und gekragt und gepolot mit Pferdchen auf der linken Brust). Aber die interessieren romantisch verkannte Mädchen wie mich ja nicht. Jedenfalls, wenn man diese fleißigen Bienchen so sieht, wie sie ihre BGBs und wie sie alle heißen Bücher wälzen, bekommt man fast schon ein schlechtes Gewissen, dass einem selbst das Studium Spaß macht. Gut, die bekommen später einen Job. Aber ich, mit etwas Glück und Können, bestimmt auch. Und dann hatte ich während des Studiums schon Spaß und danach auch - also immer! Die Rechnung geht für mich ziemlich gut auf.

Zurück zu Kairo Cocktail: Nach zwei wirklich deliziösen Strawberry Coladas (mein absoluter Lieblingscocktail), schwangte ich alleine zur Bushalte (wollte die Medis unter sich mit ihren Gruselgeschichten lassen) und nahm den Bus, der da auch gerade kam. Als jedoch die nette automatische Durchsage: Löwenstraße ansagte und ich von diesem Stop noch nie gehört hatte, merkte ich, dass ich im falschen Bus saß. Verdammte Scheiße. Nicht, dass das schon relativ scheiße war, beobachtete mich auch noch so ein alter ekliger Mann neben mir und stieg dann auch noch mit mir an der komischen Löwenstraße (am UKE Wäldchen gelegen, aber was sollte ich tun? Weiterfahren?) aus. Ich bin einfach losgerannt. Zurück Richtung Hoheluft Chaussee, rechts rüber Richtung Veilchenweg. Bis nach Hause! Ich sag euch, der Alkohol setzte ungeahnte Kräfte in mir los. 

Bis nach Hause bin ich gelaufen, betrunkenerweise, und schloss mit zittriger Hand und pfeifendem Atem, verschwitztem Rücken, aber mit dem herrlichen Gefühl die etlichen Cocktailkalorien schon fast wieder verbraten zu haben, meine Haustür auf und eilte in die Küche, um die Teekanne mit -gottseidank- kalten Tut-Mir-Gut-Roiboos-Tee runterzukippen..

..Ja und nun sitze ich hier, warte noch kurz bis die Schallerei verebbt, putze mir dann die sahnigen Zähne und lese Hesses Siddharta zu Ende. Achja, das wollte ich ja eh noch schreiben: Es war ja Silvester und da macht man sich ja heimlich immer irgendwelche Vorsätze. Und dieses Jahr hatte ich eigentlich gar keinen, aber dann ist mir doch eingefallen, was ich will. Nämlich ganz schlau werden. OK, jaja, das klingt sehr naiv. Aber ich habe mir vorgenommen (Vorsatz), dass ich dieses Jahr Unmengen an guten, intelligenten Büchern lese und so immer schlauer und stilsicherer im Umgang mit der deutschen Sprache werde. Dazu gehören Weisheitsbücher, Belletristik, Reisebücher, aber auch Märchen aus fernen Ländern (seit mir Judy letztes Jahr The Rice Mother gab, welches mich völlig faszinierte und im alten Myanmar spielt, bin ich Asien (als Bücherphantasie) ziemlich angetan. Vor allem, dieses Gefühl, ein neues Buch, was noch ganz glatt ist und so unberührt nach Buch duftet, das erste Mal aufzuschlagen und in die Seiten zu versinken, sich in die Welt der Geschichte zu begeben, mit den Personen mitzufühlen und danach einfach die Augen zu schließen und bestenfalls davon zu träumen und im End Effekt durch besseren Umgang mit Wort und Schrift zu haben - intelligenter zu werden - von jedem geschriebenen Wort zu profitieren. Bücher sind das beste, was es gibt. Und ich betone nochmals an dieser Stelle: Menschen, die über sich sagen: Bücher, was ist das? Sind nicht cool. 

Zu Weihnachten habe ich ja gottseidank noch einen Haufen bekommen und zur Zeit steht auf meiner Leseliste, die ich abzuarbeiten habe (und teils zu Ende lesen muss):

- Der Knacks (wunderbar tiefgründig) von Willemsen
- Am Ufer des Rio Padre saß ich und weinte von Coelho
- Bildung (super) von Schwanitz (endlich in einem Zug durchlesen)
- American Psycho von Easton Ellis
- Anleitung zum Unglücklichsein von Watzlawick (immer und immer wieder)
- Siddharta von Hesse 
- Alles ist erleuchtet von Safran Foer (unglaublicher Autor)

So, das sollen erstmal die sein, die noch in meinem Regal stehen. In den Sommermonaten auf einer Wiese in Hamburg mit tiegründigem und kühlem Weißwein, eventuell oder eventuell auch nicht einer Zigarette und der Sonne auf dem Rücken. Achso, wer noch weitere Must-Have-Bücher für mich hat und der Meinung ist, die sollte man gelesen haben - ich bin offen für alles.
So, jetzt leg ich mich aber wirklich aufs Sofa. Es lebe der Strawberry Colada und junge, motivierte Medizinstudenten, die uns allen vielleicht irgendwann mal den Arsch retten. Gute Nacht und schlaft schön.

2 Kommentare:

JL hat gesagt…

Murakami.

Lisa hat gesagt…

Danke Dirk. Wer bist du denn?