Mittwoch, 7. Januar 2009

Gratis Orbitflug

Gestern habe ich das erste Mal Leichengeruch geschnüffelt. Süßlich, chemisch waberte es aus dem Jutebeutel meiner lieben Mitbewohnerin heraus und ich musste die Nase reinhalten. Sie hatte den Hals der armen alten Frau aufgeschnitten und das Messerset dafür begutachtete ich auch daraufhin eingehend. Ob ich Donnerstag dann die Säge sehen kann, mit der sie den Thorax - also den Brustkorb - der Frau aufsägen wird, bleibt abzuwarten. Denn ich wollte eigentlich von etwas anderem berichten:

Meinem ersten Arbeitstag

Um 6.45 Uhr klingelte mein Wecker und was soll ich sagen? Es war ein Schock. Selda hat mich dann um viertel nach 7 aus dem Bett geschmissen und missmutig schob ich mir dann die endleckersten Nougat Bits mit eiskalter Milch rein. Noch fix einen Monte in meinen roten Rucksack geschmissen und um kurz vor acht das Haus verlassen, um noch den Bus zu erwischen. Natürlich fast totgefroren an der Bushalte, weil der beschissener Fünfer wieder nicht kam. Bis zehn nach 8 stand ich bis dann drei Busse hintereinander kamen. Dann also eingestiegen und gleich Einführung in die Europäische Ethnologie heraus gekramt - ich bin ja ab jetzt fleißig. Am Stephansplatz bin ich dann in die U1 umgestiegen und kam pünktlich um 9 Uhr (eine Stunde Fahrzeit..maa..maa) in der Kattunbleiche 19 - Staatsarchiv Hamburg ein, wo ich auf meine Mitstreiter Eric und Linni traf. Das sind meine Arbeitshiwikollegen. Da standen wir nun also in unserem ganz eigenen Büro im vierten Stock, Raum 24 und wurden von zwei Männern eingewiesen. Der eine nett, der andere nicht. Gottseidank kümmert sich der nette von beiden um uns. Lori heißt er und er ist ein absolut korrekter Hanseat, der sich dafür entschuldigte, dass sein Hemd streng roch. Wir sitzen dort also zehn Stunden die Woche und müssen sogenanntenFindbücher in ein System namens Skope eintragen. Das ist nicht sehr leicht und es kann auch mal passieren, dass man ein Adolf Hitler Schriftstück in die Finger bekommt... wir haben aber heute eine Schweigepflichterklärung unterschrieben (und mit Handschlag abgesiegelt - asi Deutschland). Also wird es wohl niemand je erfahren, sollte dies geschehen. Nur so viel, heute beim Üben hatte ich auch schon zwei bekannte Namen beim Zuordnen. Es läuft also so ab: Man geht ins Archiv, bekommt eine Akte, wo beispielsweise ein Familienname drauf steht. Asmussen. Dann gehe ich wieder ins Büro, öffne das Programm und gebe bei Suche Asmussen ein, öffne es (sieht so aus wie der Windows Explorer ein bisschen, jedes Plus öffnet eine Unterordnung) und gebe bei Neu den Titel, Signatur, Datum und eventuell Hinweise ein. 

Alles sehr komplex, wäre ich nicht müde, würde ich vielleicht etwas erführlicher schreiben - also Glück für die Leser, liest sich sicherlich etwas zäh. Am Ende der Einführung bekamen wir drei noch jeweils einen Schlüssel für das Staatsarchiv (ziemlich große Verantwortung) und eine Stempelkarte, da wir abstempeln müssen, wann wir kommen und wieder gehen. Ehm hatte heute morgen eigentlich auch Fotos von dem Gebäude gemacht, aber blogspot sagt mir, ich kann sie nicht hochladen. Ich versuch es später noch eimol.

Klar tu ich es wegen des Geldes, aber irgendwie ist es auch ein gutes Gefühl neben dem Hartz 4 Studium etwas Ordentliches zu machen. 

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