Montag, 2. November 2009

Kirei na hana

Thema Uni. Es ist Zeit, vom Leder zu ziehen, sich mal negativ zu äußern und den Frust von der Seele zu sprechen. Eine Zwischenbilanz vom dritten Semester. Montags von 10 bis 12 Uhr ein sehr schlecht strukturiertes Seminar über Kommunikation in der Großstadt. Interessanter, vielversprechender Titel, doch leider mangels Dozentenkompetenz extrem langweilig und öde. Man schweigt sich gegenseitig an, bis sich irgendwer erbarmt und meldet, etwas sagt. Danach - Schweigen. Kein produktiver Kommentar seitens Dozent. Man weiß nicht: Ist das falsch oder richtig, blöd oder gut gewesen? Des Weiteren fragt man sich, ob er da vorne überhaupt weiß, was er tut. Denn auch konkrete Fragen über das Seminar werden an das Plenum weitergereicht. Frustration auf ganzer Linie, vor allem, weil ich in dem Seminar mein Modul abschließen muss mit einer Hausarbeit. Catastrophe! Das erste Modul, Einführung in die Volkskunde habe ich dann doch wider Erwarten (Taubenhausarbeit) mit 1,3 abgeschlossen. Kritik war, dass ich mich teils zu knapp geäußert habe - gut, was will man machen, wenn der Computer nach sieben Seiten geschriebener Hausarbeit kaputt geht und alles löscht? Die Lust war nicht mehr zu spüren und aus Zeitgründen musste ich mir halt innerhalb von vier Tagen nochmal alles aus den Fingern saugen. Scheiße halt, aber wat willste machen?

Montags 12 bis 14 Uhr Linguistik Einführungsseminar. Wer hätte gedacht, dass Sprachwissenschaften so interessant sein können (zumindest bis jetzt)? Heute zum Beispiel haben wir eine Idee von der Sprachentwicklung indogermanischer Sprachen bekommen, die sich bis nach Indien zieht. Sprachbeispiele von Swahili über Urdu bis Vietnamesisch lauschen dürfen und vom Sprachensterben gelernt. Die resilenten Basken. Kirei na hana ist übrigens japanisch und heißt: eine schöne Blume. Unser Dozent ist nämlich Japaner und sehr nett, dabei aber zurück haltend, fast schüchtern und sehr schlau. Das sind die Art von Seminaren, wo es plötzlich viertel vor ist und man enttäuscht ist, dass es schon wieder zu Ende geht. Ja, solche Seminare gibt es! So muss es sein - der Gedanke an die Abschlussklausur wird halt bis zum Zeitpunkt verdrängt ganz einfach. Von 14 bis 17 Uhr dann noch ein Seminar über Ausstellungsplanung. Mündet auch in einer Ausstellung, die von uns organisiert wird. Sehr interessant und spannend, wie die Museumsarbeit von Statten geht. Habe natürlich Ai WeWei in den Raum geworfen und ich war sehr stolz. Dienstags um 8 (!) Uhr Linguistik Tutorium. Da gibt es nicht viel zu sagen, die Germanistiktutorien sind eigentlich immer sehr gut und die Tutoren auch gut informiert - im Gegensatz zu den (meisten) Tutoren in Volkskunde. Weiter geht es um 12 bis 14 Uhr mit dem Film Festival Seminar. Jep, ein Seminar über Film Festivals. Das mache ich in Deutsch - ist nicht nur Schiller, Mann und Gedichte. Wahrscheinlich auch mit Exkursion zur Berlinale im Februar. Über Strukturen und Ökonomie. Äußerst interessant, wie komplex das Ganze ist und welche Maschinere die Filmindustrie damit betreibt. Von 14 bis 16 Uhr dann die nächste mittlere Katastrophe: Linguistikvorlesung bei einem Professor, der seine besten Tage bereits hinter sich hat. Einer von der alten Schule. Mikro bei 400 Leuten? Braucht er nicht. Folien? Braucht er nicht. PowerPoint? Was ist PowerPoint? Materialien online stellen? Pah. Materialien im CopyShop bereit stellen? Pöh. Nein, wir bekommen kein Material, es handelt sich ja nur um Lingustik, ein nicht wenig komplexes ultraschweres Thema, was man vielleicht in schriftlicher Form lernen sollte... nein, wir müssen mitschreiben, alles, was er sagt. Ohne Mikrofon. Wunderbar ist das. Aber man schläft wenigstens nicht ein, zwangsweise. Und dann gibts ja noch die nicht-fälschbare Anwesenheitsliste. Wunderbar.

Mittwochs also dann von 10 bis 12 eine Vorlesung über irgendwas. Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich war bis jetzt noch nicht da, Mittwoch ist das erste Mal. Hab verpeilt, mich da anzumelden und es ist obligatorisch für mich. Naja. Von 18 bis 20 Uhr ist dann noch Institutskolloqium und da sieht man dann wirklich mal, wie verplant die Volkskundler Dozenten hier in Hamburg sind. Man hat das Gefühl, man ist im Kindergarten, die können sich nicht mal untereinander richtig unterhalten. Alles schräge Vögel. Man fühlt sich manchmal ein bisschen verarscht, wenn 40 Leute sich gegenseitig zehn Minuten anschweigen. Donnerstags noch fix von 10 bis 12 Uhr mein anspruchvollstes Seminar über Körperkonzepte in der Kulturforschung. Wir lesen ausschließlich Primärliteratur von Mauss über Foucault bis Bourdieu. Da kann man sich schon mal drei bis vier Stunden dran die Zähne ausbeißen. Aber ist man durch, wird es im Seminar besprochen und es ist vielleicht traurigerweise das erste Mal in Volkskunde, dass ich das Gefühl habe, wirklich was zu lernen und dass meine Dozentin kompetent ist: Wenn man sich meldet und was sagt und sie antwortet: Ich glaube, sie haben den linguistic turn nicht verstanden - dann bin ich dankbar und nicht eingeschüchtert: Denn endlich sagt mal jemand, was falsch und richtig ist, gibt eine Richtung vor und vor allem: sie erklärt es anschließend. Ein vorderndes Seminar. Allerdings gilt sie in Hausarbeitenkorrekturen auch als äußerst streng und dass Leute durchfallen ist auch völlig normal. Mal sehen, wie die Abschlussprüfung bei ihr wird. Freitags habe ich frei.

Diesen Freitag fahre ich nach Hause und werde hoffentlich viel Zeit mit vielen Freunden verbringen, Pias Geburtstag feiern und meinen Computer komplett saniert bekommen. Mittwoch geht es dann zum Mumford and Sons Konzert mit Frän und am dritten Demzember nach Münster! Zu Anja! Juhu!

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