Dienstag, 17. November 2009

Hopihalido

Ich weiß, ich muss irgendwas tun, um mich aus meiner derzeitigen Gemütsverfassung wieder herauszuziehen. Diese ewige Schlaflosigkeit, anschließende Ermüdung und Grübelei geht an die Substanz. Ich brauche Ablenkung von mir selbst.

Also habe ich heute Uni "ausfallen" lassen und bin nach meinem Tutorium um zehn Uhr in die Buchhandlung gegangen und wollte mir ein seichtes Büchlein zum Entspannen kaufen. Nebenbei lese ich gerade eigentlich Unendlicher Spaß - ihr wisst schon, der 1700 Seiten Wälzer.

Aber der ist mir jetzt gerade zu viel. Nicht von der Masse, sondern von der Dichte: Die Geschichten sind so verwoben, zu komplizierte Wortgebilde, man muss immer 100% Aufmerksamkeit geben und nachdenken. Das ist gerade nicht förderlich. Das Buch vertage ich auf später, wenn ich frei habe zwischen Weihnachten und Silvester.

Außerdem muss ich momentan zu viel für Uni lesen. Dieses Semester ist es wirklich immens an Leseaufwand. Hier ein Foto von meinem Film Festival Reader, die Seitenzahl ist spiegelverkehrt, aber man kann es erkennen: 522 Seiten hat der Reader (!). Das ist wirklich eine Frechheit, für ein einziges Seminar(!)! Zwei Semesterwochenstunden(!). Pro Woche lesen wir aus dem Reader ungefähr vier Texte. Das klingt jetzt nicht allzu viel, aber ich habe ja schließlich noch andere Leseseminare mit ordentlichen Manuskripten. Bleibt noch zu erwähnen, dass der Film Festival Reader komplett auf Englisch ist.

Und kommt mir jetzt keiner mit: Aber du warst ja ein Jahr in Amerika! Das wissenschaftliche Fachenglisch hat nichts mit Poopy, Good-Job-Buddy-Englisch eines 19-jährigen Au Pairs zu tun!

Jedenfalls musste eine leichte Abendlektüre her, die mich am Nachdenken hindert und nicht anstrengend zu lesen ist, zum Abschalten eben. Bei Pappnase am Grindel bin ich dann auf "Niveau ist keine Hautcreme" von Günther Willen gestoßen. Ein kleines, feines, blaues Buch.

Was zum Henker? Ich wusste ja zunächst nicht, was mich da erwartet, war schließlich ein Blindkauf, angebtrieben von der Optik. Ich dachte, für acht Euro nehme ich es halt mal mit. Ich fing sogleich im Bus an zu lesen. Während des Vorwortes bereits, konnten meine Gesichtsmuskeln nicht mehr an sich halten und ich musste, hier noch tonlos, breit grinsen. Je weiter ich las, desto unkontrollierter wurden meine Prustausstöße. Das innerliche Kichern war nicht mehr zurück zu halten, ich lachte lauf auf, besann mich aber eines besseren und versuchte mich zu konzentrieren, nicht im vollgepackten Bus lauthals aufzulachen. Nicht möglich. Schließlich, auf Seite drei, als mir ein unkontrollierter Grunzer entfloh, packte ich das Buch Widerwillen in meinen Rucksack zurück - die Frau, mir gegenüber sitzend, guckte mich schon verwundert an. Gut, klingt jetzt nicht so witzig, man hätte wohl dabei sein müssen. Aber dieses Buch, meine Güte, sowas Lustiges. Vor allem diese scheiß Phrasen, derer sich beispielsweise mein Opa gerne bedient - ist mir so noch gar nicht aufgefallen.

 Es ist dabei eigentlich gar kein Buch, sondern eher eine Auflistung von Floskeln und Kalauern, nach Situationen geordnet. Ich lag am Boden man! Am Boden! Wirklich sehr gut investierte acht Euro, ich kann es nur jedem wärmstens empfehlen, der gerade keine Lust auf einen Roman hat. Wenn man beim Lesen laut loslachen muss, lohnt es sich immer. Man muss es wirklich selbst lesen, um diese Witzigkeit zu verstehen, aber hier trotzdem ein kleiner Ausschnitt zum Thema: Antworten auf "Was sagt die Uhr?"

- Genauso spät wie gestern, nur 24 Stunden später
- Es ist 16 Uhr 30 halb fünf.
- Viertel nach Dünnscheißen, wenn's dick kommt, kannste abbeißen.
- Viertel nach Nesquik, Zeit zum Umrühren.
- Kurz vor nackisch, Zeit zum Anziehen.
- Zeit für ein Bier.
- Meine Uhr geht nach dem Mond. (statt: geht ungenau)
- Die Uhr geht nach der Suppe. (dito)

Noch ein kleiner Ausschnitt zum Thema: Im Deutschen häufig gebrauchte Abkürzungen:

- Jwd (Janz weit draußen)
- Gmbh (Geh mir Bier holen)
- Hopihalido (Holsten-Pilsener-Halbliterdose)
- Mola (Morgenlatte)
- Gabi (Zentrale Anlaufstelle Bremer Innenstadt)
- Pubo (Pubertierender Bock)
- Puzi (Pubertierende Ziege)
- Zmad (Zu mir, aber dalli)
- Dbddhk (Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen)

Beispielsweise gibt es dann noch die Thematik "Prügel androhen im Grundwortschatz ("Das gibt gleich Nackenfutter! Ich mach dich Krankenhaus! oder Hast du schon mal versucht, mit gebrochenen Fingern deine Zähne einzusammeln?") und die darauf aufbauende Thematik "Prügel androhen im Aufbauwortschatz, was dann da beispielsweise wäre: "Wenn's im Gesicht brennt, ist nicht immer die Sonne schuld! Dir häng ich den Arsch aus! Schon mal einen Liter Blut durch die Nase gespendet? oder auch: Kennst du Anne? Anne Fresse?"

:D Ich muss schon wieder lachen, das ist ja flüssig wie Pommade (oder auch klar wie Kloßbrühe). Also, auf gut deutsch gesagt: Da es ja an und pfirsich egal ist, ob ich nun über dieses Buch schreibe oder nicht, lasse ich es jetzt auch sein. Also, tschüssikowski und nichts zu danken.

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