Hey, so langsam verstehen wir uns, die Lyrik und ich. Und es muss ja nicht immer der Erlkönig sein. Auch mal Robert Gernhardt. Robert Gernhardt mag ich, der lässt mir die Lyrik nicht so trocken und langweilig erscheinen und ich kann damit was anfangen. Der ist ein richtiger Pageturner. Dieses Wort habe ich heute im neuen Duden für Szenesprache in einem Spiegel Online Artikel gelernt.
Hier nun eins seiner Gedichte:
"Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs"
Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut
hat, heute noch so´n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut
darüber, daß so´n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.
Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und will´s echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.
Also Gernhardt hat sich hier mal so richtig über Sonette ausgeschissen und dies in einem Sonette par excellance verfasst. Ziemlich genial, wie ich finde. Jetzt lerne ich mal weiter. Gottseidank weiß ich, dass es allen anderen studentischen Menschen zur Zeit auch so geht. Puh.
3 Kommentare:
gut - mut - tut?! Kacker - Macker?! Gehört das zum Stilmittel einer Sonette, die so ziemlich simpelsten Reimstrukturen nach dem Schema "Haus-Maus-raus-Klaus" zu nutzen?
Und der Gernhardt lebt von dem Scheiss? :D
Anonym antwortet: Mit Verlaub, der gute Mann lebt nicht davon, er ist tot.
Mr. Anonym hat wohl den Sinn des Gedichts vollständig erfasst.
Nicht.
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