
Nun gut, beide Schuhe gerissen. Die Jungs hatten mich zu Tobi gebracht. Da waren wir. Durch die Schwelle getreten, zog ich SOFORT meine nicht mehr als solche zu erkennenden Schuhe aus und gab sie Christian in die Hand, der sich gleich daran machen wollte, sie zu reparieren (dafür liebe ich Männer). Maile und er battelten sich also, wer meine Schuhe cooler zusammen flicken konnte. Resulat: Saubere Arbeit, Jungs! Mit Tacker, Isoband und Faden wurden sie wieder tadellos geflickt. So tadellos jedenfalls, dass ich ohne Bedenken zu abscheulicher Schlagermusik tanzen konnte. Und Christian zog sie mir Al Bundy like auch elegant wieder an. Mir fehlte es an nichts. Zwei Bier, einer sehr schönen Wohnungsführung, einem Herzlichen Glückwunsch an Verlobten und Verlobte und einen Wodkashot weiter, riefen wir zwei Taxis, verabschiedeten uns von Kracher, Van und Amelie und warteten vor der Haustür auf den kostspieligen Abholdienst.

Leider kam nur ein Großraum und ein kleines und der kleinkarierte Taxifahrer nahm nicht fünf Leute mit, also fuhr Kracher mich noch rum. Da der Taxifahrer aber 120 kmh fuhr (und dieses Mal übertreibe ich nicht), verfuhren wir uns kurz. Letztendlich aber doch noch hingefunden, Kracher ist nach Hause gefahren. Wir wollten gerade in die Bierbörse, da wollte der Mann doch meinen Ausweis sehen. Frechheit. Nach einem Blick auf meinen Ausweis: Hast dich aber gut gehalten.. ja super, auf dem Foto bin ich auf 15, du Vogel!

Nachdem Eugen sich wieder beruhigt hatte (er hatte sich gefühlte anderthalb Stunden über die katastrophale Musik in Hannovers Tanzhallen aufgeregt), waren wir alle ganz gut dabei, tanzten, tranken, rauchten und erzählten. Danke nochmal an alle, die mir Getränke ausgegeben haben! Ich kam auf jeden Fall nicht zu kurz und mein neues Szenegetränk: Jägermeister Energy ist, trotz dass ich eigentlich weder Energy noch Jägermeister mag, sehr lecker.
Besoffenerweise habe ich mir dann noch den Finger an einem 7 Tonnen schweren Aschenbecher gequetscht, sodass er nun heute grün und blau ist. Finger quetschen tut richtig weh. Gegen fünf oder so riefen wir Taxis. Jedenfalls war es schon hell und Colli und ich waren richtig aggro. Gibts was schlimmeres als mit den Vögeln ins Bett zu gehen? Laut Eugen gibt es ja nichts besseres, alter Strahlemann, der könnte dir auch nen Stück Hundekacke schön reden.

Zuhause, also bei Tobi und Janine angekommen, begann die Schlacht ums einzige Bett, die ich gewann. Vorteil Mädchen. Vorteil Ehrenmann Christian, der mir den Platz anbot. Nachdem ich mir eine Boxershorts und ein Shirt von Tobi borgte, haute ich mich auch sofort ins Bett, nicht ohne den Wecker schon mal auf 10 Uhr zu stellen: Schließlich wollte ich ja lernen. Christian schlief neben mir und erst niemand, dann später Colli, auf der Luftmatratze neben uns. Wo Eugen gepennt hat, weiß ich bis heute nicht. Wohl auf dem Sofa bei den Katzen.

Die Zeit verstrich, Christian und Colli haben schon längst friedlich geschlafen, mir war natürlich unwohl. Was sich früher in sofortigem Kotzen bei übermäßigem Alkoholkonsum resultierte, ist bei mir heute die Schlaflosigkeit, Unruhe und Unwohlsein nach dem Genuss. Möglicherweise lag es auch an meinem äußerst schmerzenden Finger und dem Energy Drink, dass ich um halb 8 aufstand, leise über Arnold und Colli stieg und das Badezimmer nach Nagellackentferner absuchte. Auf Janine war Verlass und so betrachtete ich erstmal erschrocken meinen gequetschen Finger. Gefolgt von Maja und Willy übrigens. Man, mir war mittlerweile echt schlecht und an schlafen war eh nicht mehr zu denken. Was also tun? Zehn Minuten auf dem Badezimmerboden gesessen und mit den Katzen gekuschelt, als ich den Entschluss fasste, einfach zu gehen. Ich wusste, dass die Züge immer um 55 fuhren und so schlich ich ein letztes Mal in das Arbeitszimmer, holte mein abgelegtes Kleid und meine Tasche und zog mich aus, legte Tobis Klamotten über die Badewanne und warf mir mein Kleid über. Ich zog meine kaputten, jedoch geflickten Jesuslatschen an, zog meine dünne Strickjacke an und entriegelte die Tür. Achja vorher habe ich natürlich eine schnelle Nachricht in der Küche geschrieben und habe sie auf den Flurboden gelegt. Ich verschwinde ja nicht so einfach mir nichts dir nichts. Also, die Tür aufgeschlossen und leise hinter mir zugemacht. Draußen war es schon hell (wie vor zwei Stunden, als wir nach Hause kamen auch). Leiser Nieselregen hatte eingesetzt und so schritt ich im Regen, frierend, zitternd und mit pochendem Finger, völlig übermüdet einfach erstmal nach links. Ich hatte ja keine Orientierung. Gottseidank traf ich auf der Straße eine Politesse, die gerade Strafzettel schrieb und die mir den Weg zur nächsten U-Bahn beschrieb.

Ich sah sicherlich aus wie eine abgefuckte Cracknutte mit meinem zerschlissenen Partyoutfit, der ausgelaugten Frisur und dem verschmierten Make-Up. Als mir dann auch noch ein Mann entgegen kam, der rief: Na, auf dem Weg zur Arbeit? Wollte ich ihm fast: Halt die Klappe! entgegen rufen, weil ich dachte, es sei ein anzüglicher Nuttenspruch gewesen, dann viel mir aber ein, dass es 8.30 Uhr in der Früh war und er wohl einfach nur nett sein wollte. Ich sollte die Männer nicht immer gleich so verprellen...
...an der U-Bahn Station musste ich noch sieben Minuten warten und stolze 2,20 Euro für ein Ticket zahlen. Am Hbf noch schnell ein normales Brötchen gekauft (mein Hunger war schier unglaublich) und in den Zug gesetzt. Um halb 10 holte mich meine Mutter in Peine ab. Ich war ein Wrack und schlief bis 12. Der Versuch, am Samstag zu lernen, scheiterte.
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