Dienstag, 16. Juni 2009

Liebe dich! - Jau, danke.

So Leute. Ich habe lange nicht mehr geraucht. Eben bin ich im Schlafanzug zum Zigarettenautomaten gegangen. Flodder. Ich rauchte eine Zigarette und habe einen Wodkashot getrunken, um mich seelisch darauf vorzubereiten, was ich jetzt tun werde. Es geht um etwas, was uns alle betrifft, wohl oder übel, heftig oder peripher. In letzter Zeit laufen mir Geschichten über den Weg, die mich gerade dazu bewegen, meinen heutigen Post dem Thema Liebe zu widmen. Meine Güte, was ist mit uns, den Menschen, denn los, dass wir uns immer wieder in den Strudel von unbändigem Verlangen, tränenreichen Gefühlsausbrüchen, Verfluchungen, Hasstiraden und grenzenloser Verzweiflung katapultieren?

Liebe ist so ein großes Thema. Jeder von uns wurde schon verletzt, hat sich hoffnungslos verliebt, war bis zum Platzen glücklich und wieder tieftraurig. Warum passiert das? Warum lassen wir das mit uns machen, suhlen, ja ergötzen, wir uns freiwillig in Selbstmitleid, Schmach? Weil wir nicht anders können. Der härteste Fels in der Brandung, der stärkste Charakter, die coolste Sau wird manchmal nur noch zum Schatten seiner selbst, wenn es ihn erwischt. Die Liebe. Sie ist fähig, uns zu Marionetten unserer Gefühle zu machen. Spielt mit uns, lässt uns Dinge tun, von denen wir nie geträumt hätten, ob gut oder schlecht, sie je getan zu haben. Und läuft es im Leben nicht darauf hinaus, den Partner fürs Leben zu finden? Die eine besondere Person mit der man bereit ist, sein Bett, sein Leben, seine Gefühle und seine Seele zu teilen? Letztendlich wünschen wir uns doch alle, da sind wir mal ehrlich, später mit unserem Ehepartner auf der Terrasse unseres Hauses zu sitzen, den Enkeln beim Spielen zuzusehen und glücklich an den Händen zu halten und auf ein erfülltes Leben, weil voller Liebe und Ereignisse, die man gemeinsam gemeistert hat, zurückzuschauen. Ja, ich denke, das ist doch im Großen und Ganzen das Ziel. Glück bedeutet sorgenlos zu sein, selbst gesteckte Ziele erreicht zu haben, gesund zu sein, aber auch vor allem bedingungslose Liebe gefunden und erfahren zu haben. Durch wie viel Leid wir bis dahin gehen mussten, hängt wohl von uns Individuen selbst ab.

Mir ist klar, dass ich mir gerade anmaße, über etwas zu referieren, was sehr speziell ist. Aber ist es das wirklich oder findet man nicht in jeder Geschichte sich selbst ein wenig wieder? Natürlich, und das wisst ihr auch, habe ich selbst schon viele Facetten dieser höchst komplizierten Sache namens Lieben durchgekaut. Ich bin durch die Emotionshölle gegangen (no offense), aber habe auch eine sehr schöne Zeit gehabt, die mir zeigte, dass ich nicht den Glauben verlieren sollte. Ich meine, ich habe gelitten, wirklich gelitten und ich wünsche eigentlich keinem, so etwas durchgemacht zu haben. Letztendlich lässt es einen aber stärker werden und als stärkeren Menschen aus einer Sache herausgehen. Durch einen Höllenritt in Sachen Gefühlschaos lernt man nämlich eines: wieder auf sich zu hören, sich selbst ein Stück mehr zu lieben und ja, das kann auch dauern, aber es passiert.

Du denkst, du steckst im schlimmsten Scheiß in dem ein Mensch liebestechnisch stecken kann und du liegst in X-Form auf deinem 1,40 Bett und lässt den dicken Luxusproblemen durch Tränen freien Lauf – das Weinen steigert sich stündlich zu immer heftiger werdenden Sturzbächen und endet erst, wenn du eingeschlafen bist und die intensivsten Alpträume hast. Natürlich läuft dabei die reinste Absturz -und Kummersteigerungsmusik, um dich richtig in die Ecke zu treiben und natürlich, um die Tränenkanäle noch zu erweitern. Wenn du dich jetzt sehen könntest, man siehst du scheiße aus. Verquollene Augen, rote Nase, sie läuft unaufhaltsam und langsam färbt sich dein dunkelblaues Bettlaken noch dunkelblauer an dem Punkt, wo du deinen verwuschelten Kopf abgelegt hast. Solltest du es vorm Erschöpfungseinschlafen doch noch schaffen, kurz aufs Klo zu gehen, um das Näschen zu schnäuzen und Zähne zu putzen, guckst du in den Spiegel, denkst eine Sekunde: WTF? Und weinst nur noch mehr, jetzt ist es Selbstmitleid.

Übrigens, diese Musik wurde für Opfer geschrieben. Jeder war schon mal Opfer und jeder war wohl auch schon einmal Übeltäter, Beziehungsabbrecher, Verarscher. Das ist allgegenwärtig und auch wenn es wie das Ende der Straße aussieht, es gibt noch mehr Leute da draußen, denen es so geht. Und um die geht es heute.

Liebe ist, danke Steffen für die Info, eben doch nur ein Gefühlscocktail, den man theoretisch im Labor mixen könnte. Amors Pfeil. Liebe ist willkürlich. Ist Liebe willkürlich? Man würde meinen, nein, ist sie nicht. Aber nach Trennung, kommt da nicht wieder eine neue Liebe mit der man die gleichen schönen Sachen erleben kann, deren Charme man hoffnungslos verfällt, mit der man ein „unser“ Lied hat? Sagt es mir. Also ich warte momentan noch darauf, wobei halt, eigentlich warte ich ja nicht. Das ist nämlich das Ding, nur weil du in keiner 24/7 Beziehung steckst, heißt das nicht, dass du ein halber Mensch bist. Du bist nicht DER Single Lukas, Thomas, Käthe Kollwitz. Man muss nicht gleich verzweifeln und die Flinte ins Korn werfen. Alleine schlafen ist nicht doof.

Bei manchen Menschen habe ich allerdings das Gefühl. Nicht Alleine-Sein-Könner sind mir ein Rätsel. Fehlt das Selbstbewusstsein, um auch mal alleine ohne jemanden an der Hand zu halten, durch das Leben zu laufen? Ich weiß es nicht. Ich bin Single, ja, aber das ist doch keine Eigenschaft, die mir innewohnt.

Mir ist auch ein Rätsel, wie man bei manchen Freunden auf einmal eine krasse Charakterveränderung wahrnehmen kann, sobald sie in einer Beziehung sind. Wieso muss man lethargisch werden, aufeinander hocken, DVDs in Jogginghose schauen und jede Spaßaktivität mit Freunden meiden, weil man „vergeben“ ist? Wieso werden die nettesten Leute auf einmal zu unausgeglichenen Eifersuchtsbolzen, sobald sie einen Partner haben? Da steht das Mädchen vor den Trümmern ihrer Beziehung, weil ihr Freund es satt hatte, sein Mädchen, was er espritgeladen (Verzeihung für die Wortwahl), extrem ausgehfreudig, witzig und charmant kennen gelernt hat in der Beziehung plötzlich als langweilig und nur noch zickig und schwierig zu sehen. Nach der Trennung wacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf auf, wie betäubt im Aufwachraum und geht plötzlich wieder volle Rakete durch die Decke. Der Verflossene fragt sich, wieso kann mein Mädchen nicht wieder so sein, während ich mit ihr zusammen bin? Da haben wir unseren Freund, der coole Typ, der einem Mädchen so machtlos verfallen ist, dass er bereit ist, sich völlig ihr hinzugeben, sich den Arsch für das Mädchen aufzureißen und sich zu einer Gestalt ummodellieren lässt, von der er sonst Abstand nehmen würde – alles ohne ein Quäntchen Liebe zurück zu bekommen, keine Liebe. Keine Gefühle. Typ Beziehungsängstler: der verliebt sich hoffnungslos und ganz ganz sicher in die „Eine“ und wird aus der Verliebtheit Liebe, wird aus echten Gefühlen pure Panik und man trennt sich lieber als sich zu überwinden und das Glück zu finden und zu halten. Wenn du dich in jemanden verliebst und das passiert beim Gegenüber nicht. Dann ist in den meisten Fällen an dieser Stelle Schicht im Schacht. Aber damit gibt sich unsereins ja nicht zufrieden.

Übrigens ist die Mutter aller Klabusterbeeren die Fernbeziehung. Leute, die mir erzählen wollen: oh ja, Fernbeziehung ist total klasse, da kann man seine Gefühle und die Neugier aufrecht erhalten. Man streitet sich nie, weil man keine Zeit dafür hat, und jeder lebt sein eigenes Leben. Sextourist. Ist doch super. Da hat wohl jemand den Zug nicht heranrollen hören. Die Fernbeziehung ist die Nutte unter den Beziehungen, das Schlimmste, was einer Beziehung passieren kann, ist die Ferne! Man vermisst sich bis zum Platzen, nachdem das Telefon aufgelegt wurde, folgt die leere Stille, keiner nimmt einen in Arm. Da ist kein Fühlen, keine Zärtlichkeit wann man will, kein Duft, kein gar nichts. Außer alle 7 Wochen oder was? Ist ja prima. Kann mir keiner erzählen. Nie wieder.

Leute man! Man Leute! Ich kann nur appellieren als Freundin, als Außenstehende, als eine, der das selbst schon passiert ist und die ihre Freunde gerne davor bewahren würde. Bitte hört auf euren Verstand und nicht auf euer Herz. Verdammtnochmal, das geht ja leider nicht in der Liebe, ich vergaß. Shit. Es geht wirklich nicht, ich weiß. Sobald Gefühle im Spiel sind, ist man behindert, betäubt vom Hormoncocktail und pfeift nach Herzens Pfeife. Reflektiert euch selbst, redet mit den Menschen, die euch am Herzen liegen oder legt es ad acta.

Wenn ich manche Beziehungen sehe, wünschte ich, ich könnte die Personen schütteln, um aufzuzeigen, was sie im Inbegriff sind zu verlieren. Ein bisschen mehr anstrengen, ein bisschen mehr Rücksichtnahme, öfter mal Gefühle zeigen, denn eigentlich lohnt sich Liebe doch immer (siehe weiter oben: Thema „Lebensziele“). Drum kämpfen und es gut sein lassen, wenn der Zeitpunkt da ist als nicht zu schaffendes Nachkochrezept, ich weiß. Jetzt schreibe ich als Lisa, der Single. Ich sehe so viele Leute, die unglücklich in einer Beziehung stecken. Das kann man kaum mit ansehen. Unser Singleeins würde sich ein bisschen Liebe wünschen, das aufgeregte Magenkribbeln, das erste Mal Berühren, den ersten Kuss als Gefühlsexplosion, das erste Mal gemeinsam aufwachen und in die Augen schauen... hachja. Aber irgendwann wird es auch mich ereilen und ich werde mich so verlieben, dass es klappt. Im Sinne von so verlieben, dass es der andere gleichzeitig auch tut und es passt. Match in Heaven. Wie auch immer. Bis dahin lebe ich mein Leben mit allen Annehmlichkeiten, die es so bietet, denn es bietet viele, auch alleine, gerade alleine. Wie auch immer.

Niemand hat es verdient, unglücklich zu sein, sollte aber selbst noch fähig sein, an seiner Situation etwas zu ändern. Gespräche, Kontaktabbruch, Aufgabe, Änderung, was auch immer hilft. Tu das, was dich glücklicher macht und zermarter dir nicht das Hirn, wenn es gerade nicht so klappt liebestechnisch. Es gibt noch so viel mehr. Liebe ist alles, aber Liebe ist auch manchmal nichts. Es sollte unser Leben versüßen und nicht versauern. Maxime.

Das sei an dieser Stelle gesagt, so wie ich denke.

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