Ich liebe den Duft des Herbstes. Wenn es (endlich auch bei uns) abends frueh dunkel wird, der Wind die Blaetter zum Rascheln bringt und den Geruch des feuchten Laubes in die Nase treibt, dann ist die perfekte Zeit fuer einen Roadtrip in die Outlets nach Jackson gekommen.
Larissa hat sich Samstag um zehn Uhr von Chappaqua auf den Weg nach Manhattan gemacht, um dann mit dem Zug zu mir zu kommen. Um ein Uhr habe ich sie vom Metuchen Bahnhof mit meiner Ghettokarre abgeholt und wir sind die 500 Meter zu meinem Haus gefahren. Meine Gasteltern sind das ganze Wochenende auf Liebesurlaub in Montreal, Kanada gewesen und TJ und Judy waren Samstag im Altersheim und bei der Feuerwehr. Bei mir angekommen, haben wir zunaechst nur rumgepimmelt, die Wegbeschreibung zu den Jackson Outlets ausgedruckt und kurz vor drei Uhr entschieden, dass wir Hunger haben und uns Nudeln gemacht. Kurz nach drei haben wir uns in mein Vehikelchen gesetzt, beschlossen, dass wir zu cool sind, um eine Wegbeschreibung fuer den Rueckweg zu brauchen, unsere gerade gebrannte CD eingelegt, auf Maximum gedreht und losgefahren.
Die euphorische Stimmung war nur von kurzer Dauer, da wir den Weg zum Turnpike (groesster Highway in New Jersey - neben dem Parkway) nicht gefunden haben und uns nach einer halben Stunde auf einem grossen Truckhof wiederfanden. Aus Angst, vergewaltigt zu werden, sind wir also weiter die unbekannte Strasse (es war eine Einbahnstrasse) gebrettert, um dann auf dem naechsten Motelparkplatz anzuhalten. Dort wollten wir an der Rezeption nach dem Weg zum Turnpike fragen. Vor uns checkten gerade zwei Trucker ein und die Rezeptionistin hatte einen harten, russischen Akzent, wie wir enttaeuscht feststellten. Nichtsdestowenigertrotz nahmen wir unseren Mut zusammen und fragten die beiden Trucker nach dem richtigen Weg, aber sie konnten uns leider nicht weiterhelfen, da sie aus Florida kamen und nur auf der Durchreise waren. Gottseidank und allen Vorurteilen zum Trotz wusste die Frau von der Rezeption den Weg und beschrieb diesen auch so simpel, dass sogar ich alter Orientierunghorst es begreifen konnte. Draussen auf dem Parkplatz waren unsere zwei Kumpel aus Florida gleich wieder zur Stelle und haben sich erkundigt, ob wir nun den Weg wuessten. Nachdem sie gefragt haben, ob wir aus Georgia kaemen (sie tippten auf Georgia, weil unser Akzent sich wohl typisch Georgia anhoerte und konnten es gar nicht fassen, dass wir aus Deutschland kommen ("Europa, ne?"))und ich keinen Kaffee trinken wuerde, weil meine Zaehne so weiss seien, erzaehlten sie uns wirre Geschichten ueber ein streitendes Paeaerchen (oh Gott, wie sieht das Wort aus), dass auch den Weg nicht wusste, ihr Leben in der City auf der 59sten Strasse und so weiter... wir konnten uns nur schweren Herzens von ihnen trennen und haetten wir nicht gesagt, dass wir weiter muessten, wuerden wir immer noch auf dem Motelparkplatz stehen und ueber weisse Zaehne reden.
Endlich auf dem Turnpike gab es kein Halten mehr und die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde um ein Vielfaches ueberschritten. Immer Richtung Sueden, sangen wir lautstark bei alten Hits mit und freuten uns, dass wir so ein tolles Leben haben. Allmaehlich wurde es dann aber Ernst und Konzentration war gefragt: Ausgang 7 rueckte immer naeher. Laut Mapquest sollten wir diesen nehmen und weiter der Beschilderung des Six Flags Great Adventures Vergnuegungspark folgen. Nebenbei hat Larissa fuer ein paar Fotos ihr Leben und das meiner schoenen Casio Camera riskiert.
Ah, da war er! Ausgang 7 und ich waere fast dran vorbei geschottert, habe aber gerade noch die Kurve bekommen. Dramatisch, dramatisch. Euphorie machte sich wieder breit - wir waren fast am Ziel unserer Shoppingtraeume angelangt. Also immer schoen den Six Flags Schildern folgen (Jackson Premium Outlet Schilder waren nirgends zu sehen). Und da erschien auch schon ein riesen Geloet von einem Schild, was uns freundlich darauf hinwies, dass wir angelangt waren: Six Flags Great Adventures. Also: Blinker an, rechts einordnen und rauf auf die Abfahrt. Wir fuhren so also einige Minuten schweigend durch eine waldige Strasse, bis einer von uns anmerkte, ob wir uns nicht gerade auf der Einfahrt zum Freizeitpark befaenden. Dann kam ein Huegel, und dann, ein Schrei. Zwei Schreie. Mein Herz ist stehen geblieben, denn als wir auf der Spitze des Huegels waren, erblickten wir folgendes:
Darf ich vorstellen: Kingda Ka, die groesste Achterbahn der Welt. Unsere Schreie waren damit begruendet, dass wir, kurz bevor wir zu Hause losgefahren sind, noch fleissig bei youtube Videos von Kingda Ka angeschaut haben, weil das unser naechster, grosser Ausflug werden soll. Wir haben Witze darueber gemacht, dass wir verenden werden, wenn wir damit fahren, an Herzinfakt oder so. Papa hat gesagt, wenn ich mit Anna damit fahren will, gibt er ihr das Geld fuer den Flug nicht. Und damit auch ihr euch ein Bild davon machen koennt, was an dieser Achterbahn das schlimme ist, hier ein kleines Videochen.
Ach du scheisse, jetzt wisst ihr auch, warum wir da aus vollem Herzen beide, gleichzeitig, geschrieen haben. Wenn man das Ding dann wirklich vor sich sieht, rutscht einem fast das Herz in die Hose - oh man, ich freue mich so darauf, mit der Achterbahn zu fahren, ah eh ih oh uh. Geil. Naja, jedenfalls sind wir dann auf die Tanke vorm Six Flags gefahren und haben die Frau nach dem Weg zurueck gefragt - bzw. ich, denn Larissa hat sich immer noch ueber Kingda Ka totgelacht. Gut, wir also wieder umgedreht und dann nochmal verfahren, bei Maecces nach dem Weg gefragt und dann endlich bei den Outlets um fuenf Uhr angekommen - fuer einen auf 40 Minuten veranschlagten Weg haben wir also zwei Stunden gebraucht - ich find das ganz schoen gut fuer meine Verhaeltnisse.Angekommen, brauchten wir erst einmal eine Staerkung und haben uns einen Haeagen Dasz geilomat Smoothie Twist gekauft. Hmmm...lecker. Vom ganzen Outletshoppingsuperduperorgastischentag gibt es natuerlich keine Fotos, weil wir viel zu beschaeftig waren, steile Klamotten zu kaufen und ekstatisch von einem Laden in den naechsten zu rennen. Gegen acht Uhr waren wir fertig und sind tot ins Auto gefallen - haben vorher aber noch ein Foto von OshKosh B'Gosh gemacht.
Die Rueckfahrt war sehr entspannt und doch voller Spass, da wir ja immer noch unsere tollen CDs hoerten und uns total cool fanden, weil wir checkermaessig den Weg ALLEINE nach Hause gefunden haben. Im Dunkeln. Mit mir als Fahrer. Und ich habe das erste Mal in meinem Leben die ein oder andere E-ZPass-Stelle (Maut) durchfahren, da war ich ein bisschen stolz.
Auf dem Rueckweg habe ich dann Judy angerufen, die uns mitteilte, dass sie bald ins Bett gehen wuerde, uns aber die Tuer auflassen wuerde und sich auf Morgen freue, wenn sie dann Larissa kennen lerne. OK, gut, ich habe ein bisschen uebertrieben, wir haben natuerlich nicht gleich den Weg zurueck gefunden und uns noch einmal kurz vor dem Ziel verfahren, aber nachdem wir in einer Pizzeria nach dem Weg gefragt haben und der Pizzamann nur einen Kuss von beiden fuer die Auskunft haben wollte, konnten wir weiter. OK, ich habe nochmal uebertrieben. Noch kuerzer vor dem Ziel haben wir uns ein weiteres Mal verfahren und bei der naechsten Pizzeria angehalten, um uns zu staerken und dort nach dem Weg zu fragen (es stellte sie heraus, dass wir sogar schon auf der richtigen Strasse waren. Hoert, hoert). Angekommen, haben wir nur fix das Auto abgestellt, unsere Mails gecheckt und dann endlich unsere neuen Berge von Klamotten anprobiert, ein kuehles Oktoberfestbier gezischt, um anschliessend einen naechtlichen Spaziergang zu machen. Wir waren dermassen gut drauf, dass wir ein paar schicke Fotos von uns geschossen haben und waehrend dessen auch unseren Freund, das tote Eichhoernchen, kennen lernen durften. Hier ein paar Auszuege.
Entstanden auf unserer Main Street vor der Brewery Awakening. Letztes Bild aus einer Fotofolge, welche am Ende des Artikels als Slideshow zu sehen sein wird (ich find es toll, dass Larissa sich so freut, wenn ich sie schlage, stehst du wohl drauf, was, Hase?)
Ich habe einfach keinen entspannten Gesichtsausdruck. Dafuer aber Kaffeefreie Zaehne - na immer hin etwas. Larissa liebt ihren neuen Quadrathoodie.
Unsere Lieblinge. Ja, ich weiss, es sind die gleichen (nicht die selben!) Schuhe, aber sie sind einfach so toll. Wir brauchten sie. Beide. Es war Liebe. Liebe.
Unser Freund, das tote Eichhoernchen. Man lacht eigentlich nicht ueber tote Tiere, aber irgendwie ist er schon in einer ziemlich coolen Pose gestorben. Der Gute.
Vor unserem Nagelstudio in Metuchen. Ich haette mich gefreut, wenn Larissa auch ein bisschen aus der Bahn geguckt haette, dann wuerde ich jetzt nicht so doof aussehen.
Viele liebe Gruesse, Babe.
Nach unseren kleinen Fotoshoot haben wir uns auf eine Parkbank geluemmelt und ueber zwei Stunden gequatscht. Schoenes Ambiente, schoenes Gespraech. Irgendwann waren wir aber so druchgefroren, dass wir uns entschieden, wieder nach Hause zu gehen (wir hatten schon Atemwolken). Endlich zu Hause, wollten wir leise ins Haus schleichen. Aber...nein...verdammt. Die Tuer war verschlossen. Wie schlecht kann es laufen? Es war halb zwei und Judy hat schon laengst geschlafen - von Mister T. ganz zu schweigen. Mist, was sollten wir denn machen? Ich hatte keinen Schluessel und die Seiten - und Hintertuer war auch zu. Also auf Judys Handy angerufen - wir haben es zwar klingeln hoeren, sie ist aber nicht rangegangen. Nun muss ich sagen, dass ich Judy zwar gut kenne, und sie auch wirklich sehr nett ist, aber wer weiss, ob ich nicht gerade den schlafenden Tiger wecken wuerde? Naja, was solls, ich musste ja in den sauren Apfel beissen und an der Tuer klingeln, weil wir beide nicht vorhatten, draussen zu ratzen (zugegebenerweise habe ich ganz kurz darueber nachegedacht). Nach drei Mal klingeln hatte Judy immer noch kein Lebenszeichen von sich gegeben und wir wollten gerade aufgeben, da stand sie mit verwuschelten Haaren und sonnengelben Nachthemd auf einmal vor uns und starrte uns mit grossen Augen an. Sie hat dann geoeffnet und sich hundert Mal entschuldigt, dass sie nicht vorher aufgemacht habe, aber sie dachte, es haette im Traum geklingelt (ich habe ihr zwar versichert, dass es unsere Schuld, bzw. meine, gewesen sei, aber das wollte sie nicht hoeren). Gegen vier Uhr sind wir dann in zwei Decken (mein Zimmer hat keine Heizung) eingekuschelt in meinem Bett eingeschlafen und erst morgens um 11 wieder aufgewacht. Ausschlafen tut so gut. Um ein Uhr sind wir mit dem Zug in die City gefahren und wollten eigentlich runter nach Chinatown, aber da Larissa so viele Klamotten mitzuschleppen hatte, sind wir kurzerhand doch wieder zu unserem geliebten Times Square hochgelatscht und haben uns ein prima lecker duper Eis in der Coldstone Creamery gekauft (also wer in Amerika war und nicht bei der CC etwas gegessen hat, der kann mir nicht erzaehlen, dass er viel erlebt hat - man muss es probiert haben). Folgend zeige ich meinem 'Cookie Doughn't You Want Some?' Eis meine Liebe mit einem zaertlichen Kuss.Na gut, also vorher waren wir noch bei McDonalds und es war mein erstes Mal hier in Amerika und ja, ich habe es genossen.
Als Naechstes wieder ein paar Manhattan Eindruecke, wobei noch mehr weiter unten in der Slideshow - dann aber ohne Kommentar - zu finden sind.
Uh ich freu mich so, wenn ich auch irgendwann einmal Kinder habe und ihnen ganz, ganz, ganz winzige, suesse Schuhe kaufen kann. Das wird toll. Kleine blonde Engelchen.
Der gute, alte Broadway, was waere Manhattan ohne ihn?
Die Cabs haben zur Zeit fast alle blumige Muster hinten und vorne aufgemalt, sieht sehr nett aus und macht die sowieso schon bunte Stadt noch ein bisschen bunter. Schoen.
Larissa bei Billabong am Times Square. Ich mag es.
Danach haben sich unsere Wege auch schon wieder getrennt und Larissa ist die Avenues herunter gegangen und ich bin, mein Eis leckend, die Strassen bis zur 33sten (da wo Penn Station ist, weisste?) runtergelaufen. Es ist schon cool, wenn man, verliebt in sein Eis, gar nicht mehr auf den Weg achtet, ihn aber trotzdem mittlerweile findet. Und das in Manhattan. Find mich besser zurecht als in Peine (OK, das ist traurig). Ich habe es aber auch einfach, muss immer nur den Empire Schildern folgen.
Und zum Schluss nochmals meine tollen, weissen, neuen, sauberen, hippen Schuhe von Nike, passend zu meiner tollen, roten, neuen, dreckigen (Ketchup drauf bei Maecces), hippen Hose von H&M (muss auch mal sein).
Abschliessend fuer diese Tausenderpackung Bericht eine Diashow mit allen Fotos, die am Wochenende entstanden sind. Cheers und kuss.
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