Aber zuvor mussten ein paar Traenen vergossen und Menschen aus Haeusern gerettet werden.
Die Frage, ob Anja tatsaechlich die Familie wechseln wird, stellte sich schon gar nicht mehr. Es stand fest - nur wann? Nachdem eine Familie hier in Metuchen gefunden war, sollte sie eigentlich noch zwei Wochen bei den Hortons arbeiten und dann zu den Romonds ziehen. Nach einer Woche hatte sich Anja bei den Romonds, mit den Romonds, zum Mittagessen verabredet, um sie kennen zu lernen. Danach ist sie zu mir gekommen und hat berichtet. Die Familie sei sehr nett und es sei alles in Ordnung bei denen. Dann haben wir noch den Nachmittag zusammen verbracht und sie ist dann gegen sechs Uhr nach Hause gefahren - es muss erwaehnt werden, dass freitags immer ihr freier Tag ist. Wir hatten abgemacht, dass sie mich, wenn sie zu Hause ist, anruft, ich sie abhole, und wir zusammen ins Kino fahren. Nach einer Stunde (ich hasse Unpuenktlichkeit) habe ich dann selbst bei Anja angerufen und gefragt, was los sei, wieso sie sich nicht melde. Zu dem Zeitpunkt hat sie gerade ziemlich doll geweint. Meine Alarmglocken gingen an (im uebertragenden Sinne, versteht sich). Was war passiert? Die liebreizende Gastmutter hatte sie, gleich als sie zur Tuer hereinkam, vor den Kinder angemacht, wo sie denn so lange bleibe und ob sie zu Hause auch so erzogen worden sei und so weiter. Mir hat das gereicht. Ich habe das meinen Gasteltern erzaehlt, die sofort vorschlugen, dass Anja uebergangsweise bei uns schlafen koenne. Dann habe ich Wendy, unseren Coach angerufen und sie gefragt, ob das moeglich sei und sie meinte ja...aber dann doch wieder nein, als sie gehoert hat, dass Anja eigentlich noch eine Woche arbeiten soll...gottseidank hassen die Leute von Cultural Care den guten alten Mister Horton auch und so wurde es einfach 'organisiert', dass Anja schon Montag in die neue Familie kann. Man muss eben doch nur dranbleiben und den Leuten auf den Sack gehen, dann tut sich auch etwas. Jedenfalls habe ich dann Samstag in der Fruehe Mister T ins Auto gepackt und bin nach Lebanon gefahren, um Anja aus den Klauen dieser kaltherzigen Menschen zu befreien. Und ich muss sagen, meine Fresse, was ist Lebanon denn bitte fuer ein Dorf? Jedes Haus hat seine eigenen Einfahrtsstrasse und steht mindestens 500 Meter von dem naechsten Haus entfernt. Ich wuerde es nicht einmal als Dorf bezeichnen, und nur dicke, fette Haeuser. Wobei die Gaerten nur aus Rasenflaechen bestanden, was ja ueberhaupt nicht mein Ding ist.
Ich bin also mit klopfendem Herzen auf diese komische Riesenhofeinfahrt gefahren und habe mich nicht getraut zu klingeln, weil ich Angst hatte, vom Military Guy (Spitzname von Ron Horton, dem Todesgastvater) erschossen zu werden. Die Angst war dann aber unbegruendet, weil natuerlich der Klassiker passiert ist und er der nette war, als er - von alleine - die Tuer aufgemacht hat. TJ und mir sprang dann auch schwanzwedelnd Fizzy der Hund entgegen und Ronny Donny meinte: Oh wie heisst denn der kleine Mann, der ist aber niedlich. Hey wie geht es dir, alles klar? Ich helfe mal Anja mit den Koffern.
Also ich weiss ja nicht, was die gute hat, ich fand ihn nett (wie damals in der Schule, wenn man mit einem Lehrer stunk hatte und die Eltern nach dem Elternabend gesagt haben: Ich weiss gar nicht, was du hast, der ist doch total sympathisch). Jedenfalls sind wir zurueck zu mir nach Hause, wo Judy schon auf uns gewartet hat, um TJ mit zum Strand zu nehmen. Anja und ich sind in die Mall gefahren und haben uns ein bisschen Einkaufen deluxe gegoennt fuer diesen historisch guten Tag (im Auto wurde dann die Musik aufgedreht und ein bisschen gepost, als wir auf den Mallparkplatz gefahren sind).
Shoppen tat wahnsinnig gut (wie immer) und wir sind danach noch zur Coldstone Creamery gegangen und Anja hat sich DAS Eis gekauft (auch wie immer - Cookie Dough Ice Cream, nur bei CC heisst es 'Cookie doughn't you want some?') Ich habe mir einen leckischmecki Beerensmoothie gekauft... und einen Wintermantel... und Unterwaesche... und Ohrringe... und Shirts... und und und... :)
Vollgefressen und immer noch gluecklich ueber den Verlauf des Tages, sind wir abends wieder zu mir nach Hause gefahren (wir waren uebrigens alleine, weil Jon und Lisa in Albany waren). Ich habe gerade mit Anna-Lena telefoniert, da hat es auf der anderen Leitung angeklopft...waere ich bloss nicht rangegangen... Auf der anderen Leitung war Wendy und musste uns berichten, dass Anjas neue Familie wahrscheinlich doch kein neues Au Pair moechte und sie jetzt Jon und Lisa versucht anzurufen, ob Anja erstmal laenger bei uns bleiben kann. Stille. Ich hab aufgelegt. Niemand hat was gesagt, Anja schon Traenen in den Augen. Mir viel dazu auch nichts passendes ein. Anja sass jetzt also bei mir fest ohne Familie und ohne Job erstmal. Ich wollte sie troesten, aber ich wusste auch nicht, was ich dazu sagen sollte und so haben wir uns erstmal angeschwiegen und dann angefangen zu ueberlegen, was die Gruende sein koennten und wie es nun weiter ginge. Wir haben den restlichen Tag frustriert herumgesessen und haben uns dann kurzfristig entschieden zu einer Party nach Princeton zu fahren, um uns abzulenken. Tolle Wurst, die Party stellte sie als privat raus und man kann nicht gerade behaupten, dass der Baer dort gesteppt hat (oder wie das heisst). 30 Leute sind dort gewesen, viele Freaks und die meisten Maedels waren auch Au Pairs. So sind wir dann nach 20 Minuten wieder nach Hause gefahren, wollte uns dann noch mit Sean auf der Strasse treffen und mit Whiskey betrinken, waren dann aber zu muede und sind tot ins Bett gefallen. Toller Tag. Am Sonntag kamen dann Janice und James (Jons Vater und Stuefmutter), Simone, Jamie, Catherine und Bea (Jons Bruder und Familie) zum Grillen vorbei. Die Maenner wollten Football gucken und einen gemuetlichen Sonntag verbringen, waehrend die Grosseltern mit den Kindern zum Spielplatz gegangen sind. Anja und ich haben das Essen vorbereitet (wir wollten uns nuetzlich machen). Also haben wir einen Salat mit super duper huper guper Dressing gemacht, Bruschetta mit Mozzarella zubereitet und eine Schokotorte gebacken. Jon hatte extra Oktoberfestbier gekauft (hiess wirklich so) und stellte uns auch beiden gleich ein Glas zum Probieren hin, ich habe zwar gesagt, dass ich noch kurz zum Supermarkt muss, weil wir keine Mandeln mehr haetten, aber er meinte, dass so ein kleiner Schluck noch keinem geschadet haette - ja ja, so ist er.
Bier war dann auch ganz lecker (man ist hier nicht so anspruchsvoll mit dem Bier und ich habe einfach nur das Zischgeraeusch und das herrliche Prickeln genossen). Beim Grillen erhoben Jamie und Jon ploetzlich ihre Bierflaschen und sangen mit amerikanisch-bayerischem Akzent 'Ein Prosit, ein Prosit der Gemuhhtlischkeit...' und gleich danach ' In Muenchen steht ein Hofbraeuhaus'... :D Man, man, schade, dass ich kein Video davon gedreht habe. Generell war das Hauptthema des abends fuer die Maenner sowieso das Oktoberfest in Muenchen und Anja und ich mussten beschaemt zugeben, dass wir noch nie da waren, was ja meine Gastfamilie ueberhaupt nicht verstehen konnte (wie kann man nur in Deutschland wohnen und nicht zum Oktoberfest gehen?). Ja das habe ich mich dann auch gefragt und mir vorgenommen, dass ich naechstes Jahr hinpilgere, wenn ich genug Geld haben sollte. Der Abend war jedenfalls richtig schoen und das Bier war das beste (und die Schokotorte und die Bruschetta und natuerlich die deutschen Lieder, die geschmettert wurden). Und um die Anjageschichte etwas kurz zu machen (wir haben dann die naechsten 2 Tage staendig mit irgendwelchen Leuten telefoniert, Kontakte spielen lassen und herumorganisiert), wir sind jetzt soweit, dass Anja mittlerweile seit zwei Tagen doch bei den Romonds wohnt und hoechstwahrscheinlich auch da bleiben kann. Es stellt sich aber erst naechste Woche heraus. Naechste Woche faehrt Anja mit der Mutter und den Kindern an die Kueste und ich - ha - bin auch eingeladen mitzukommen und so werde ich das naechste Wochenende unverhofft am Strand verbringen. Ich hoffe sehr, dass Anja bei den Romonds bleiben kann, erstens weil ich sie total nett finde und die Kinder einfach cool sind und eine Wuergeschlange als Haustier haben.
Zweitens weil Anja quasi mein Nachbar nun ist und wir nun spontan immer was unternehmen koennen (gestern waren wir beispielsweise in unserem thailaendischen Restaurant, was sehr sehr lecker war).
So und zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass dieses Geraet vorgestern Morgen an TJs Fenster geklebt hat (man sieht es vielleicht nicht auf den ersten Blick, es befindet sich rechts im Bild. Auf dem darauffolgenden Bild eine Grossaufnahme von dem grossen Grashuepfer).

(Aber suess ist er schon, der kleine Hasi).
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