Montag, 29. Oktober 2007

Kolossales Kolossal



Ich wache auf. Ein Geruchgemisch aus abgestandenem Bier, alter, halb geschmolzener Schokotorte, offenen Weinflaschen und abgestandender Luft steigt mir in die Nase. Meine Schulter ist steif, ich schmecke Blut. Neben mir hoere ich jemanden stoehnen. Meine Augen sind immer noch geschlossen, aber ich versuche meinen Kopf zu drehen - ah, ein Schmerz. Ich oeffne meine Augen. Neben mir liegt Anja, der Mund ist halb geoeffnet, Haare verwuschelt. Sie schnarcht. Daneben liegt noch jemand. Ich strenge meine Augen an. Larissa? Ja. Sie liegt da, auf der Seite, bewegt sich nicht. Was ist passiert? Vage kommt meine Erinnerung zurueck:

Vor zwei Wochen kam mir die Idee, eine Ueberraschungsparty fuer Larissa zu planen. Wir traeumten schon lange von einer durchzechten Nacht im schoenen Amerika. Und da der liebe Christian, ihr Freund, ueber ihren Geburtstag zu Besuch kam (wie romantisch), war die Gelegenheit gekommen. Also habe ich mit Christian Kontakt aufgenommen und auch er war von der Idee begeistert. Also habe ich meine Gasteltern gefragt, ob wir es bei mir machen koennen. Ging klar und alle Gaeste durften sogar bei mir schlafen und wir durften gehaltvolles trinken. Wunderbar, wunderbar. Also wurde die Ueberraschung organisiert. Christian war fuer den Alkohol zustaendig, ich habe Kindergeburtstagsdeko gekauft, eine Geburtstagstorte und eine Geburtstagspizza bestellt und Anja und ich haben am Samstag dann mein Zimmer dekoriert, die Torte abgeholt und auf die zwei Turteltauben gewartet. Larissa wurden brutalerweise die Augen ab Penn Station zugebunden und als sie in mein Zimmer kam, war sie auch mehr als ueberrascht (sie dachte, die beiden fahren in die Stadt, um ihr eine neue Kamera zu kaufen).

Partyhuete aufgesetzt, ein Geburtstagslied aus der DDR angemacht und die schokoladigste Schokoladenvanillegeburtstagstorte bestaunt.

Und da war es auch schon hin, das Meisterwerk. Aber dieser unglaublich suesse, schokoladig, vanillige Geruch war so praesent, da konnten wir nicht anders und die Torte vernichten (Schokoladevanilleboden mit Vanillepuddingfuellung, Schokoueberzug und cremiger Zuckerdeko).

Die Liebe der beiden wurde noch groesser, als Larissa erfahren hat, dass Christians grosser Rucksack prallgefuellt mit Alkohol war.

Nun hiess es, rein mit dem guten Zeug und auf die Pizza warten, die fuer halb sieben bestellt war. Noch kurz mit meinen Gasteltern geschwatzt, ein paar Geschlechterwitze gerissen und wieder hoch in die Partybutze gestratzt. Natuerlich mit der geilen Pepperonikaesepizza. Es war auch natuerlich Larissa, die die grosse Ehre hatte, die erste Weinflasche zu entkorken (war aber Schraubverschluss). Man kann ihr die Vorfreude foermlich ansehen.

Noch ein schickes Eifersuchtsbild fuer alle, die die herrliche Torte nicht probieren durften. Hmmm war das eine gigantische Geschmacksexplosion feinster Weise im Mund und Schlund. Da uebersieht man doch gerne mal die offensichtlichen mehr als 3 Milliarden Kalorien, die in dem guten Stueck schlummern und nur darauf warten, fuer immer auf unsere breiten Hueften zu wandern.

Vollbetankt mit ekelhaftem Weisswein aus dem Fachgeschaeft, Chloreiswuerfeln und Budweiseruebergebensgedaechtnisbier wurde die naechste Runde dieser wunderbaren Nacht eingeleutet: Hupfentupfen.

Den Gaesten gefiel es (vor allem Anja, die sich gleich einen zweiten Partyhut goennte) und der ein oder andere bekam den ein oder anderen Penis ins Gesicht gemalt. Der Pegel stieg und die Atmosphaere lockerte sich ins Unermessliche. Wir waren nun alle dicke Kumpels im Angesicht des Alkoholgehaltes unseres Blutes. Vereint im Schicksal der unter 21 Jaehrigen (zumindest die Frauen) im Land der Malls und Diner.

Na Christian, auch noch ein Stueckcken Torte gleich auf die Faust? Ne, lass mal lieber.

Gut, dann ess ich es halt alleine (im Hintergrund die unaufgeblasenen Luftballons. Es war eine Frechheit, nicht mal unsere Blasemaschine hat sie aufgeblasen bekommen).

Wenn das so aussieht, dann nehme ich natuerlich doch noch ein Stueck.

Der Punkt war nun erreicht und ueberschritten. Die Lichter waren an, der Alkohol fast leer. Von diesem Zeitpunkt an entschieden wir uns, dass es besser sei, die Kamera nun auf schwarzweiss zu stellen und auch so zu lassen. Larissa und Anja haben sich auf mein Bett verdrueckt und versucht zu schielen. Ueberlasst das lieber Profis, meine Damen.

Christian und ich wollten bei dem Shoot natuerlich auch mit drauf sein und so kamen auch wir auf das Bett gekrabbelt. Wir haetten es auch fast mit auf das Foto geschafft. Fast.

Anja, irgendwas stoert die Optik des folgenden Bildes.

So eine selbstausloesenden Kamera ist schon was feines definitiv.

Und hier die zwei vollen Turteltauben. Das werden irgendwann mal (laut Christian bald) huebsche Kinders.

Mein Schlafzimmerboden. Er klebt immer noch.

Es ging immer weiter und die Sache begann, aus den Rudern zu laufen. Hemmungen wurden fallen gelassen. Party zu viert? Auf jedenfall machbar. Auch der liebe Christian war gut dabei, auch wenn laengst nicht so sehr wie wir - da im Training.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon jenseits von gut und boese und brauchte das Sauerstoffzelt.

Wenn man Alkohol trinkt, verliert man seine Hemmungen. Man bekommt Lust, will rumknutschen, rumturteln und vieles, vieles mehr. So auch unser Liebespaar.

Wir zwei natuerlich dann auch. Homo, homo, Homoamore.

Erneutes Fotoshooting, es wurde naeher gerueckt und ein bisschen gekuschelt. Zaertlichkeit ist doch was schoenes.

Durch Alkohol nimmt auch die Lichtempfindlichkeit der Pupille ab und man wird schneller geblendet. Mag man zumindest annehmen, wenn man dieses Bild von Herrn Raulf betrachtet, der alte Nichtraucher.

Waehrend die anderen noch am Kuscheln waren, bin ich still und heimlich die Treppe runtergefallen als ich einen Korkenzieher holen wollte, um noch eine Flasche Wein aufzumachen. Das danach gedrehte Video kennt ihr ja jetzt schon alle. Gottseidank hat man keine Schmerzen, wenn man Alkohol trinkt (erinnert mich an eine vergangene Abiparty im Winter, wo es so glatt war, dass ich auf dem Nachhauseweg mit Pia rueckwaerts auf den Kopf gefallen bin und mein linkes Ohr taub war und die Gesichtshaelfte gefuehllos, aber gespuert habe ich nichts. Da haben sogar die Bahnhofsrabaukendieihresockenueberderhosetragen mir geholfen und waren ganz entsetzt).

Christian fand es trotzdem witzig, beziehungsweise vermute ich ja, dass er nur auf Fotos sein Hundertausenddollarlaecheln zeigen will. Bisschen willig einen auf Model tun sieht das Foto dann doch schon aus.

Gerade die Treppe wieder hochgekrabbelt und kurz Luft geholt, habe ich mich dann auf den Boden gelegt und bin zu meinem Schrank geschwommen. Wollte mich am Tuerknauf hochziehen, hat aber nicht geklappt und mit einem Rums bin ich rueckwaerts in meinen Schrank gekracht. Sehr zur Freude meiner drei deutschen, netten Gaesten.

Rausgeholfen hat mir dann keiner von den Pennern, nur beoemmelt haben sie sich. Und natuerlich Fotos geschossen. Jaja.

Auch wenn sie eigentlich ein kleiner, blonder Engel ist. Auch Larissa hat zu dem Zeitpunkt schon die Fassung verloren. Aber mein schoener, gemuetlicher Sessel ist perfekt zum Reinpimmeln und alle viere von sich Strecken.

Hoehepunkt war ganz eindeutig erreicht und wir waren jetzt auch schon ungefaehr fuenf Stunden am Feiern, Freuen, Trinken und Fotos Schiessen. Also haben wir beschlossen, nach draussen zu gehen, durchzuatmen und einen Spaziergang zu machen.

Christian, der alte Rebel, musste es natuerlich wieder allen beweisen.

Das konnte Anja gar nicht fassen.


Und abschliessend: Der Morgen danach. Das letzte Stueck Torte wurde bruederlich geteilt. Der Bericht fuer Sonntag folgt in den naechsten Tagen.





Und alle Fotos nochmal in der Diashow.

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