Gestern nach unserem delizioesen Abendschmauss (Pizza), entschied ich mich, den Abend nicht zu Hause zu verbringen und rief Anja an, ob wir uns nicht in den Bridgewater Commons treffen wollen (eine grosse Mall eine halbe Stunde von mir entfernt). Anja wohnt auch circa eine halbe Stunde von mir in einem kleinen Ort namens Lebanon. Sie fand die Idee gut und so wollten wir uns um neun Uhr auf dem Parkplatz vor dem Bloomingdale's Eingang treffen. Ich war bis dato noch nie in dieser Mall und musste die Autobahn nehmen, um hinzufinden.
Gut, faehrst du mal lieber um sieben los (ich muss ja mit einrechnen, dass ich mich verfahre). Also bin ich online gegangen und hab bei Mapquest die Route herausgesucht. Es fing ja schon damit an, dass es mehrere Vorschlaege fuer die richtige Strasse gab und ich nicht wusste, welche es war und so einfach die erste angeklickt. Dann fand ich die Routenbeschreibung nicht recht hilfreich, aber was soll man machen. Also runter zu Jon (Lisa ist gerade mal wieder auf Geschaeftsreise, das erklaert auch, wieso wir wieder jeden Abend Pizza haben).
Er hat mir dann eine 'weibliche' Wegbeschreibung gegeben (...nach der zweiten Ampel die naechste Strasse rechts - wie heisst die Strasse denn? - keine Ahnung, ist auf jeden Fall eine Einbahnstrasse...dann an der Tankstelle rechts und dann 20 Minuten auf der Interstate 287 bleiben und dann links auf die West 22 abbiegen auf der 5 Minuten bleiben und dann nach Schildern gucken).
Tolle Wegbeschreibung, was? Nicht nur, dass ich mich gewundert habe, dass man auf der Autobahn auch links abbiegen kann, gut auch, dass ich dann ab West 22 auf mich gestellt war und nach Schildern gucken sollte... das konnte ja nur heiter bis wolkig werden...
Auf meine Frage, wie es denn mit dem Rueckweg sei, meinte Jon nur, dass ich ihn dann nach 10 Minuten anrufen koenne, weil ich mich eh verfahren werde. So viel zum Thema Vertrauen hier.
OK, also los. Am Anfang lief alles gut und ich hab dann mehr Jons komischer Beschreibung vertraut, als der von Mapquest, weil beide komplett unterschiedliche Dinge sagten. Ich hab also mein Lieblingsalbum zur Zeit aufgedreht (Grosse Point Blank Soundtrack - sehr schoen fuer jegliche Launen), mitgesungen und bin andauernd zusammen gezuckt. Ist halt nicht zu vergleichen, ob ein amerikanischer Truck dich ueberholt oder ein deutscher - diese Geloete sind riesig und wenn sie dann auch noch hupen, ist man kurz vorm Infakt.
Unglaublicherweise kam dann irgendwann nach zehn Minuten - wohlgemerkt - auf der linken Seite der Autobahn ein Schild, das mir sagte, die West 22 sei noch drei Meilen entfernt. Sehr gut, bis dahin alles richtig gemacht. Dann auf die West 22 abgebogen und nach Schildern Ausschau gehalten. Dann kam auch ein Schild 'Bridgewater Commons Village Exit 14B).
Hm, das mit dem Village kam mir zwar etwas spanisch vor, aber ich bin dem mal gefolgt.
Als ich dann ankam, hab ich mich etwas gewundert, denn es sah wirklich wie ein Dorf aus, Malls sind ja eigentlich riesige Betonkloetze, in denen mehrere 100 Geschaefte untergebracht sind. Hier, im Dorf, sah es mehr aus wie in einem Outlet, wo jedes Geschaeft sein eigenes Gebaeude hat. Ich hab mich nicht getraut, in eins der Geschaefte zu gehen und zu fragen, ob das hier die Commons sind - wie peinlich bitte, wenn es doch die Mall ist und ich es nicht gerallt habe?
Also hab ich Anja angerufen, die sich erstmal gewundert hat, dass ich anderthalb Stunden zu frueh da bin. Nach meiner Beschreibung meinte sie, dass ich wahrscheinlich falsch bin, weil meine Beschreibung nicht auf die Mall passt. Na grossartig. Ich aufgelegt und bei Banana Republic rein. Dort habe ich der schwarze Angestellte (das soll jetzt nicht diskriminierend sein, sondern helfen zu verstehen, was nun kommt) erklaert, dass ich gerne zur Mall wuerde und mir sicher bin, dass ich hier falsch bin. Sie hat mir dann freundlicherweise erklaert, wo ich lang muesste. Drei Mal. Wieso drei Mal. Naja, es ist so, dass ich mittlerweile, nach einem Monat, keine Verstaendigungsprobleme mehr habe und man auch nicht unbedingt merkt, dass ich nicht aus den USA komme. Mit Afroamerikanern ist das aber was anderes. Deren Slang und Singsang beim reden zu verstehen ist schon eine Kunst fuer sich, die ich noch nicht hundertprozentig verstehe.
Letztendlich hab ich es dann aber doch in die Mall geschafft und dort Anja eine Stunde spaeter getroffen. Leider machen die grossen, ach so tollen Malls in Amerika meist schon um 21.30 Uhr dicht und so standen wir dann auf dem Parkplatz und haben erstmal Anjas Auto gesucht, das war naemlich weg. Wie sich herausstellte, sind wir aber einfach nur aus dem falschen Ausgang gekommen und haben auf dem falschen Parkplatz gesucht (das kann schon mal bei so einem riesigen Gelaende passieren). Dann sind wir mit ihrem Auto zurueck zum Village gefahren und haben uns da in ein Starbucks Cafe gesetzt - das hat dann um 22 Uhr dicht gemacht. Dann sind wir mit ihrem Auto zu dem Parkplatz von meinem Auto gefahren (es sind schon grosse Entfernungen, da muss man schon mal das Auto nehmen) und haben uns in mein Auto gesetzt und Musik gehoert (sie hat nur Kassettendeck in ihrem Jeep - ich koennte ohne meine Musik gar nicht ueberleben). Dann haben wir noch eine Stunde ueber ihre Gasteltern gelaestert (die wirklich einen an der Waffel haben) und haben uns dann wieder auf dem Weg nach Hause gemacht.
Und was soll ich sagen? Immerhin sitze ich jetzt hier und schreibe diesen Bericht und sitze nicht irgendwo weinend in Buxtehude, weil ich mich verfahren hab. Ich meine, natuerlich hab ich nicht auf Anhieb den Weg zurueck gefunden, aber gottseidank musste ich mir nicht die Bloesse geben und Jon anrufen. Ha.
PS.: Ich war gestern kurz in der Uni, um meine zwei Buecher fuer Psychologie und Photographie abzuholen und der Spass hat mich gleich mal 180 Ocken gekostet. Ich war geschockt, wie voll es dort war, hatte Schwierigkeiten auf einem der sieben Parkplaetze einen Platz zu finden und dann auch noch TJ an der Hand (wofuer ich von vielen mitleidige Blicke erhielt, was denken die, dass ich die Mutter bin oder was?). Wir sind dann in den Laden in der Uni gegangen, der brechend voll war. Ich hab dann einen netten Mitarbeiter gefragt, der mir die zwei Schinken rausgesucht hat und mich zur Kasse lotste. Ha, und dann, dank TJ, durfte ich mich vordraengeln und kam als naechste dran, Freunde hab ich mir damit zwar keine gemacht, aber auch egal.
Heute Abend um sechs ist mein erster Kurs und Sean, mein Nachbar, holt mich vorher ab, um mir die Uni zu zeigen.
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