Montag, 10. September 2007

Big Yellow Taxi

Das vergangene Wochenende verlief ganz nach meinem Geschmack - ich habe es vornehmlich in Manhattan verbracht. Freitag fing schon ziemlich gut an, da Lisa, TJ, unser kleiner, schwarzer VW Jetta und ich nach Downtown gefahren sind.

An dieser Stelle nun ein kleiner Exkurs: Fahren in Amerika.
New Jersey soll einer der schlimmsten Staaten sein, was das Auto fahren betrifft. Wir sind der bevoelkerungsreichste Staat und jeder tut, was er kann oder nicht kann mit seinem Auto. Das Durchschnittsauto ist hier ein wenig groesser (siehe unten, Schnappsschuss von einem Escalade und mir in Manhattan vor zwei Wochen).


Einen Hummer auf der Strasse zu sehen, ist keine Seltenheit. Wir mit unserem VW als Zweitwagen sind da nicht die Norm und haben ihn auch nur angeschafft, weil wir ein kleineres Auto mit weniger Verbrauch wollten fuer Langstrecken (sehr oekonomisch gedacht - eher eine Seltenheit hier). Als ich das erste Mal alleine gefahren bin (wer erinnert sich nicht?), war es ja mehr oder weniger ein Desaster. Das lag aber nicht nur an meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn, sondern auch an den nicht vorhandenen Strassenregeln in Jersey. Als ich von meiner Gastfamilie damals abgeholt wurde und gefragt habe, wie das hier mit rechts vor links geregelt sei, hat mich niemand verstanden. Hier gibt es naemlich kein rechts vor links. Fast jede Strasse hat ein Stopschild am Ende - kommt man also an eine Strasse mit Stopschild, sollte man anhalten, warten bis alles frei ist und dann fahren. Nicht so in Jersey. Hier faehrt man an ein Stopschild ran - weiter - Gas. Meistens (ich mache das nicht, werde aber auch schon fahrlaessig). Hat man die haeufige Situation, dass an allen vier Ecken ein Stopschild steht, haelt man an, laesst das Auto, welches links oder rechts die Strasse kreuzt durch und faehrt dann selbst (sollte dahinter noch ein zweites Auto kommen, faehrt man trotzdem, weil dieses dann warten muss - also Reissverschlussverfahren ohne Reisverschluss). Ampeln hier sind auch lustig. Man darf bei rot rueberfahren, wenn man rechts abbiegt, es sei denn, ein Schild sagt, dass man bei rot nicht rechts abbiegen darf - kein Witz. Auf den Highways gibt es auch kein Rechtsfahrgebot und meistens, auf den normalen 'Landstrassen', gibt es eine dicke, gelbe Linie, die den entgegengesetzten Verkehr trennt und jeweils eine breite Fahrspur fuer jede Richtung. Darauf haben zwei Autos nebeneinander Platz und wenn das Auto vor einem zu langsam ist, dann schert man aus und ueberholt einfach. Ausserdem sind die Auffahrten gleich die Ausfahrten... das bedeutet nicht, dass man ein Geisterfahrer ist, wenn man die Strasse verlaesst. Es bedeutet aber, dass man quasi auf die Strasse auffahren kann und sofort wieder herunter ohne jene Strasse zu verlassen, die Auf -und Abfahrtstrasse tangiert die Autobahn also nur (etwas behindert erklaert, vielleicht kann ich ja mal ein Foto machen).

So, nun aber wieder zurueck zu meinem Wochenende. Manhattan aus der Autoperspektive zu sehen, war wieder einmal ein neues Erlebnis fuer mich und es ist nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt - ein bisschen 'Wheels on the Bus' und dann laeuft der Hase. Wir haben dann das Auto in der Tiefgarage von Saatchi and Saatchi (da arbeitet Lisa) parken lassen - man gibt nur seinen Schluessel ab und die Parkwaechter machen den Rest - und ich beschwere mich nie wieder ueber drei Euro Parkgebuehren...
Wir sind dann in den 17. Stock in Lisas Buero und ich habe ihre ganzen Arbeitskollegen kennen lernen duerfen. Ihr Buero ist sehr malerisch am Hudson gelegen und man kann durch die riesigen Fenster auf Jersey City gucken und viele viele Helicopter beobachten. Dann sind wir auf das Dach gestiegen (im obersten Stock ist ein Fitnesscenter, wo die Feuerwehr immer pumpen geht und auf dem Dach ist auch eine Laufbahn). Dort habe ich schicke Fotos von Manhattan gemacht - leider war es Freitag etwas diesig und so sind die Fotos ehrlicherweise doch nicht so der Hit.
Lisa musste dann ein wenig arbeiten und so bin ich mit TJ und dem Buggy eine Stunde durch Downtown gegangen und hab mir die Seele aus dem Leib geschwitzt (die Temperaturen sind hier jeden Tag immer noch zwischen 25 und 30 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit ist ein Arschloch).
Dann sind wir ja zum Lunch in diese Hasimausischatzibar gegangen, wo wir Edward Louis aka Richard Gere gesehen haben (wie ich ja schon berichtete). Um zwei sind wir wieder nach Hause gefahren. Mittagsschlaf gemacht, Waesche gewaschen und abends kam dann Dortmund-Anja zu mir, da wir in die Mall wollten und danach ins Kino. Welch ein Desaster. Aber vorher wieder ein kleiner Einschub:
Ich hatte Anja gerade in meinem Zimmer oben von meinem Date mit Sean berichtet, da kam Lisa hoch und meinte, Sean sei an der Tuer. Ah eh ih oh uh. Alle am Grinsen, ich ganz aufgergt zur Tuer gerannt und da stand Seanhasi mit seinem Bruder und dessen Freundin und wollte mich zum Kino einladen. Na toll. Ich konnte natuerlich nicht, weil ich ja mit Anja ins Kino wollte und sie bei mir uebernachten wuerde. Also fragte ich, an welchen Film sie denn dachten, da wir ja sonst zusammen gehen koennten (wenigstens etwas). Nun ja, sie wollten in den neuen Halloween Film gehen, und so hatte sich das fuer mich erledigt...schade...(verdammt, ich alter Angsthase - aber haette ich tatsaechlich Halloween geguckt, haette ich drei Wochen am Stueck nicht geschlafen, Durchfall bekommen, Kotzeritis dazu und waere bestimmt nach Deutschland zurueck geflogen). Als ich Sean das Geld fuer die Paolo Nutini CD zurueck geben wollte, nahm er es natuerlich nicht an (ist er nicht ein piekfeiner Gentleman?). Ihr wollt jetzt sicher wissen, wieso mir Sean eine CD geschenkt hat, wie es dazu kam und was wir fuer ein Date hatten, aber dass kann ich hier nicht online stellen, weil es was mit Alkohol, Bar und betrunken sein zu tun hat und das nun einmal verboten ist in meinem Alter in diesem Land.
Wie dem auch sei, ich musste Sean also leider auf kommende Woche vertroesten und bin mit Anja losgezogen. Ich dachte mir, hey, jetzt bist du schon einen Monat hier, da findest du den Weg in die Mall bestimmt alleine, und bin einfach losgefahren... (einige koennen sich bestimmt jetzt schon denken, was kommt, daher kuerz ich das mal ab an dieser Stelle) ...jedenfalls bin ich dann nach anderthalb Stunden frustriert wieder nach Hause gefahren, hab die Tuer aufgerissen und stinkig nach einer schriftlichen Wegbeschreibung gefragt. Nach fuenfminuetiger Fahrt waren wir letztendlich an der Mall - die in fuenf Minuten schliessen wuerde. Also haben wir uns bei Barnes and Noble reingesetzt, Zeitschriften gelesen, Tee getrunken und sind um kurz vor zehn zur anderen Seite der Mall getigert, um ins Kino zu kommen. Dort war ganz viel Polizei! Irgendein Emo-Junge meinte, er haette eine Waffe gesehen, und die halbe Mall war abgesperrt (wir vermuten, dass da jemand erschossen wurde...na gottseidank hab ich mich verfahren, sonst haette ich da jetzt sicherlich mit weisser Kreide umrandet gelegen). Das Kino war eine verdammte Grotte, die doofen Nachos haben 6,50 ohne Getraenk gekostet, der Kinoboden war aus Beton und wir waren mit genau sechs anderen Personen dort - wenigstens war der Film witizig.
Wir sind dann nach Hause und haben noch in der Kueche einen kleinen Mitternachtssnack verdrueckt und uns ueber die Kackeskapaden unserer Luetschen halb zu Tode gelacht und wollten dann schlafen gehen. Wollten wohlgemerkt, denn ich lag in dieser Affenhitze bis um vier Uhr morgens wach, bis ich entschied, unten im Gaestezimmer zu schlafen - dort lag aber Louie, das alte Vieh, auf dem Bett und als ich sie rausscheuchen wollte, ist sie unter das Bett gekrochen, elende. Dann bin ich wieder hoch, um dann um fuenf einen erneuten Versuch zu starten, die Katze aus dem Zimmer zu jagen. Hat auch geklappt und so bin ich todmuede um halb sechs eingepennt. Um acht sind wir dann aufgestanden, um uns zu duschen, da wir uns um halb 12 mit Larissa im Central Park zum Picknicken treffen wollten. Nach vielem Hin -und Her sind wir dann auch dort gewesen und haben die naechsten Stunden eher mit entspannen verbracht, weil es fuer alles andere zu heiss gewesen waere. Gegen vier Uhr sind wir mit der Subway Richtung Penn Station gefahren, haben dort im Tick Tock Diner lecker Abendbrot gegessen und ich bin anschliessend mit Larissa zu ihr nach Chappaqua gefahren und Anja allein zurueck nach Lebanon. In Chappaqua wohnt uebrigens auch Bill Clinton himself.
Angekommen bei Larissa dachte ich, ich waere in einem MTV Cribs Haus gelandet. Vom Feinsten, vom Feinsten. Ich glaube unser Haus kostet so viel wie bei denen die Kueche. Sehr, sehr schick. Wir haben dann eine halbe Staffel 'Sex and the City' geguckt, ein bisschen gelaestert und Unmengen Brezeln gefuttert und Cola getrunken (was man halt so macht). Am naechsten Morgen hat Larissa mir ihre zukuenftige Volleyball Uni, Chappaqua und Pleasantville gezeigt, wir sind dann in einen CVS Markt rein und haben fuenf Minuten ueberlegt, ob wir uns noch fix die Haare faerben - uns letztendlich aber doch dagegen entschieden und sind dann mit dem Zug wieder nach Manhattan gefahren. Dort haben wir die Subway genommen und sind direkt in mein herzallerliebstes Viertel Soho gefahren. Dort waren wir shoppen (ich wollte eigentlich nicht, konnte mich dann aber natuerlich doch nicht wehren und hab wieder eingekauft - was will man tun?). Dann sind wir ins West Village zu DER Bar gefahren, weil Larissa auch mal einen Prominenten sehen wollte... und wir haben noch Scherze gemacht, dass wir dann eventuell auch auf den Paparrazzifotos zu sehen sind...
Wir haben dann draussen ein nettes Plaetzchen bekommen, unser Essen bestellt und auf einmal waren mehrere Paparrazzi da und ich drehe mich um und Julianne Moore (Short Cuts, Nine Months, The Big Lebowski, The Hours, Children of Men,...) kam mit ihrer Familie. Die haben sich dann reingesetzt zum Essen und die Fotografen haben sich direkt vor uns gestellt und sie abgeknipst - also wenn ihr Larissa und mich naechste Woche in der inTouch oder Newsweek seht - tut so als haettet ihr es nicht gesehen.


Es ist so witzig, dass ich jetzt zwei Mal dort war und zwei Mal hochkaraetige Schauspieler angetroffen habe. Man, man, man, wie soll das nur weitergehen?
Nachdem wir unser lecker schmecker Essen beendet hatten, sind wir mit der Subway zum Times Square gefahren und von dort ist Larissa zur Grand Central Station und ich zur Penn Station gegangen. Bin dann gluecklich und kaputt eine Stunde spaeter zu Hause gewesen und freue mich auf das naechste Wochenende: Dann ist naemlich Steuben -oder auch German Parade in Manhattan. Helmut Kohl und Henry Kissinger sind die Ehrengaeste, es wird Plattdeutsches Picknick Oktober -und Schuetzenfest gefeiert und es werden viele viele deutsche Vereine und Deutsch-Amerikaner erwartet.

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