Montag, 7. Januar 2008

Je voudrais savoir ou est le bar Stogies?

9 Uhr, ein kurzer Vibrationsschock, dann beginnt Joaquin Phoenix 'Cocaine Blues' zu singen. Mein Wecker klingelt, es ist der 27.12.2007. Einer dieser seltenen Tage, wo man mit einem Laecheln auf dem Gesicht aufwacht. Erfroren, doch erfreut, krieche ich aus meinem grossen, hohen Bett und mache mich auf ins Badezimmer, um eine erquickende Dusche zu nehmen - dies ist auch bitter noetig - nicht weil ich stinke, wie die Umkleidekabinen im Ilseder Stadion, sondern damit ich wach werde fuer eine mehrstuendige Autofahrt Richtung Kanada.

Ich schleppe meine zwei Reisetaschen ins Auto, da kommt Jon heraus und gibt mir einen Traeger kanadisches Bier mit - zum Vorgluehen fuer heute Abend. Der Urlaub kann beginnen. Nach einer halben Stunde Fahrt alleine, komme ich bei Anja an und lade auch sie in mein noch sauberes Auto. Wir sind guter Dinge, das Auto wird in einen mobilen Club mit feinster Anlage umfunktioniert. Das Ziel heisst Northeville, New York. Circa 200 Meilen Geradeaus liegen vor uns. Die naechsten fuenf Stunden vergehen zwar spassig, aber doch eher unspektakulaer. Gegen Abend treffen wir im Yellow House von Larissas Gastfamilie ein. Das Yellow House heisst Yellow House, weil es gelb ist. Klingt komisch, ist aber so (in Chappaqua wohnen sie in einem weissen Haus und ratet mal, wie das heisst).  Larissa ist noch in Pimmelklamotten und so tun wir es ihr nach (beziehungsweise Anja, ich bin ja schon die ganze Zeit in Jogginghose). Wir legen uns auf unsere Betten, laestern, lachen und hoeren Afroman. Die drei Kinder Max, Jed und Ella turnen um uns herum. Gegen Nacht ungefaehr schlafen wir ein. Am naechsten Tag liegt nochmals ungefaehr die gleiche Strecke vor uns. 

Das erste mal Herzklopfen unangenehmster Art bekommen wir, als ich entdecke, dass ich mein Visum vergessen habe, ich Horst! Mein Visum, das auch wie ein Visum aussieht, klebt in meinem Reisepass fest, doch das J1 Visum, das besagt, dass ich nur als Besucher in den USA bin und nicht vorhabe zu bleiben, ist aus dem Reisepass zu Hause herausgefallen. Schoene Scheisse. Na gut, was sollten wir machen? Umdrehen? Kein Bock. Anja hatte die findige Idee, dass wir kurz rechts ranfahren und ich in den Kofferraum gehe fuer die Zeit, in der wir an der Grenze warten. Sie meinte es leider ernst und ich habe kurz ueberlegt, es aber dann doch gelassen.

Mein Herz rutschte dann auch kurz vor der Grenze richtig in die Hose und ich wurde etwas grimmig und nervoes. Die anderen haben natuerlich ihre Witze gerissen, aber mir war nicht zu Scherzen zumute. Nach ungefaehr einer halben Stunde in der Schlange stehen, war es so weit und Larissa kurbelte das Fahrerfenster herunter. Ein nicht ganz freundlicher Mensch, um es mal euphemistisch auszudruecken, guckte sich alle drei Paesse an und stellte uns gefuehlte 10 Minuten Fragen. Ich haette nicht gedacht, dass das so schwierig wird. Er wollte alles wissen, er wollte sogar die Reservierungsbescheinigung von unserem Hotel haben und als wir die nicht vorweisen konnten, wollte er unsere Wegbeschreibung sehen. Heidewitzka. Ich habe dann nichts erwaehnt mit meinem Visum, war es doch eigentlich mein Plan gewesen, den Grenzbeamten zu fragen, ob mir was passieren koennte beim Ausreisen. Irgendwann liess der Penis uns weiterfahren und wir waren so erleichtert, dass wir erstmal Afroman gehoert haben. Der gute, alte Afroman. 

Rue Prince-Arthuer 623. Wir waren da, hatten es geschaft. Den ganzen Weg von Pups-Metuchen nach Porno-Montreal. Na, wer hat jetzt die dicksten Eier (und wartet erstmal auf die Rueckfahrt).  Wir parkten das Auto gegenueber des Bed and Breakfasts auf der Strasse, nach einigen Treppenstufen kamen wir in der Kueche/Esszimmer/Registrierungskombination an und wir waren sofort begeistert. Alana, die uns in Empfang nahm, war sehr nett, cool und so auch unser Essraum (wuerd mir meine Wohnung auch so einrichten, sehr schick). Nach einem Blick nach draussen meinte sie, dass Parken dort nicht erlaubt sei und ein Ticket 200 Dollars kosten wuerde, ich wollte sofort runter und das Auto mehrere Blocks entfernt in einem Parkhaus abstellen, aber da ja gerade Weihnachtszeit sei und die beschaeftigt waeren, wuerden diese zehn Minuten ja auch nichts ausmachen, sprach sie und liess mich die Registrierung unterschreiben. Dieser Vorgang von etwa drei Minuten Dauer kostete uns 42 Dollars Strafe - gottseidank kann man ja schon fast sagen - und nicht, wie vorher angekuendigt 200! Dann haette ich aber geweint und  nach Mama gerufen. 

Naja, draufgeschissen, wie Sido jetzt sagen wuerde, also haben Larissa und ich das Auto wieder umgeparkt (und zwar perfekt an der Seite mit rueckwaerts einparken und so) und die Koffer drei Blocks im Schnee mit Chucks in der Kaelte in unser schnuckiputzimausi Appartment geschleppt. Also unser Appartment war wirklich herzallerliebt. Richtig klein .und knuffig und schoen. Nachdem wir uns kurz ausgeruht und geduscht hatten, sind wir mit knurrenden Maegen Richtung Rue Saint Laurent gegangen, eine der schoenen Strassen Montreals mit Bars, Clubs und Restaurants. Und endlich, endlich gab es mal wieder wat richtich jeiles zwischen die Beisser. Lecker, lecker essen und ein schoenes, kuehles Becks dazu. Einfach so bestellt, ohne Ausweis, ohne Angst! Kann man sich das vorstellen? Ihr schon, ich nicht!
Weil der erste Abend nicht so einfach beendet werden konnte, sind wir dann noch in eine Lounge, die sich Obeka Suite nannte, gegangen. Dort wurde gute House Musik gespielt, es war nettes Ambiente und der Barkeeper war auch sehr nett....hohoho... (und ja er hiess Simon, aber war kein Austauschschueler aus Deutschland, Anja). 

Wir hatten auf jeden Fall noch unseren Spass und sind dann nachts nach Hause getorkelt. Wie ihr, dank Anja, ja alle schon wisst, ging es mir dann den naechsten Tag nicht gut (ich war wirklich krank mit Fieber und so). Nachmittags lag ich dann alleine im Bett, waehrend die anderen losgezogen sind, um mir Medikamente zu kaufen und auf einmal hoerte ich hinter dem Kuehlschrank rascheln und Knabbergeraeusche! Alter, mein Herz! Ich und Maeuse. Mein Herz! Ich war sofort wieder fit und hellwach und der Schweiss ist mir ausgebrochen. Ich wusste nich, was ich tun sollte, ich hatte Todesangst (warum, weiss ich auch nicht).  Zunaechst habe ich ganz laut Musik von meinem Mac gespielt, um so das grausige Geraeusch zu uebertoenen, aber ich konnte kein Auge zumachen, was waere, wenn diese kleine Hurenmaus mein Bett hochklettert und so habe ich Larissa angerufen. Die hat sich, wie jeder normale Mensch es auch getan haette, erstmal ueber mich lustig gemacht, aber gesagt, dass sie so schnell wie moeglich nach Hause kommen wuerden. Ich habe es dann nicht mehr ausgehalten und bin in die Kueche gegangen und habe die eine Frau (was heisst Frau, die war nicht viel aelter als ich) gebeten, bitte mitzukommen und sich das mal anzugucken. Wir haben dann beide etwas Panik gehabt (sie wohl mehr um das Hotel) und so haben wir herausgefunden, dass das Geraeusch direkt aus dem Kuehlschrank kam und von jenem auch produziert wurde. Waehrend die anderen beiden abends ins La Rouge, einem mittelgrossen House Club, gingen, konnte ich dann endlich beruhigt pennen. War wohl sehr gut, beziehungsweise, was Anjas seltsame Geraeusche nachts betraf, etwas zu gut. Aber allzu schlimm war der Verlust eines Abends fuer mich nicht, denn ich konnte in Ruhe entspannen und schlafen.

Am naechsten Tag, wer haette es gedacht, war Anja leider nicht faehig an irgendwelchen Aktivitaeten teilzunehmen und so sind Larissa und ich einkaufen gegangen und ich habe die Bar gesucht, aus der ich Jon kubanische Zigarren kaufen und nach Amerika hereinschmuggeln sollte (weiss nicht, ob man das hier so schreiben darf, naja...was solls). 
Wir haben die Bar nicht gefunden und so habe ich ein aelteres Ehepaar danach gefragt. Nun konnten wir die ganze Zeit gemuetlich Englisch sprechen, da die meisten Kanadier beides fliessend koennen. Ausser vielleicht dieses Ehepaar, denn sie meinte nur verdutzt: En francaise?

Ach du Kacke, man! Franzoesisch. Weisst du, wie lange das her ist? 1000 Jahre! Kurz in meinem Hirn gekramt und dann die Post Ueberschrift geantwortet. Larissa haette sich fast weggeschmissen. Frechheit, Blamage, aber sie haben mich verstanden, konnten mir aber trotzdem nicht weiterhelfen! Nach weiterem Suchen habe ich die Bar dann doch gefunden und zwei Romeo et Julietta fuer 17 Dollars pro Zigarre gekauft. Abends sind wir nur Essen gegangen. Spulen wir etwas vor auf Silvester (dazwischen habe ich noch mit einem Drogendealer verhandelt, bin unterirdisch einkaufen gegangen und oftmals Metro gefahren und fuenf Stunden durch Montreal gelaufen). 

Silvester haben wir fuer 65 Dollars und Open-Bar in der Obeka Suite verbracht (warum wohl nur, na na na ;). Wir gehen da rein und bekommen erstmal einen Schock. Tja, Pech gehabt. Leider auf einer Yuppieparty gelandet, wo die Haelfte sich mindestens kannte. Die Menschen sahen gut aus, keine Frage, aber waren ungefaehr so sehr auf meiner Wellenlaenge wie die imaginaere Maus hinter dem Kuehlschrank. Scheisse. Durchschnittsalter war hippe 35, attraktiv, neureich und selbstverliebt. Der DJ war auch nicht mehr das, was er mal war, und nachdem ich dem einen auch noch auf den Fuss gelatscht bin, haben wir uns nicht mehr getraut, zu tanzen. Ha, was fuer ein schlechtes Silvester, moechten gehaessige Menschen jetzt denken, aber ich fand es trotzdem gut, denn Mikey hat uns gerettet. Um 12 knallten die Korken und es wurde mit Henkell Trocken angestossen. Zeit, fuer Anja nach Hause zu gehen, die hatte mittlerweile auch schon Fieber und an dem Abend nicht mehr als fuenf Worte mit uns gewechselt. 

Larissa und ich sind dann vor die Tuer gegangen, um zu gucken, ob wir ein Feuerwerk sehen koennen (nein) und da haben wir Mikey getroffen. Mike ist ein cooler Typ, Musiker aus Toronto und wohnt zeitweise in Soho, New York City. Er hatte gefallen an uns und so den Tuersteher vom Orchid, dem Club nebenan, bezahlt, sodass Larissa und ich dort mit hineinkonnten. Das Orchid war witzigerweise wie das Joker im Miniformat. Es wurde gute, sehr laute Musik gespielt und endlich konnte man abspacken. Die Maenner fanden das auch herzallerliebst und so mussten wir uns keine Gedanken um Getraenke machen. Gegen zwei sind wir dann auch gluecklich nach Hause gegangen, da wir ja den naechsten Morgen (oh Gott) den ganzen Weg nach Jersey wieder zurueck fahren mussten. Um 8 Uhr klingelte der Wecker, wir sind mehr oder weniger munter fruehstuecken und duschen gegangen, haben unsere Rechnung bezahlt und sind dann mit Schippe und Besen zum Auto gegangen, um die meterdicke Eis und Schneeschicht von meinem Jetta zu entfernen. Hat dann auch ganz gut geklappt und um halb 12 sind wir Richtung Grenze aufgebrochen. Im Schneesturm wohlgemerkt. Alter, man hat ja nichts gesehen, nichts. Es war nebelig, es hat geschneit, kaum einer der Autofahrer hatte Licht an und die Strasse konnte man nicht sehen. Beste Vorraussetzungen, fuer Menschen wie uns, die knapp drei Jahre ihren Fuehrerschein haben und unter solchen Bedingungen noch nie gefahren sind. Anja hatte leider 40 Grad Fieber, sah dementsprechend aus (ich lass auch heute kein gutes Haar an dir, Madame;) und deswegen haben uns Larissa und ich die naechsten 12 (!!!) Stunden immer abgewechselt mit fahren. Es war furchtbar und ich bin anti Energiedrink, aber an dem Tag habe ich Red Bull getrunken, sonst waere das wohl nichts geworden (wir sind an sieben Unfaellen vorbei gefahren). 

Grenze. Da war sie nun. Wir haben unsere Paesse vorgezeigt und zum grossen Erstaunen unsererseits war der Grenzmensch ziemlich nett (im Gegensatz zu seinem kanadischen Peniskollegen). Er fragt einige Dinge, unter anderem, wo mein J1 sei (aber nicht, ob wir was zu verzollen haetten, hoe hoe hoe). Dann gab er uns die Paesse zurueck und Larissa wollte gerade weiterfahren als ich merkte, dass er nur zwei Paesse zurueck gegeben hat! Meinen hat er behalten. Also haben wir hinter der Grenze (aber immerhin schon auf amerikanischem Terrain - ich dachte nicht mal, dass ich so weit komme) angehalten, und auf ihn gewartet. Er kam dann auch und meinte, wir sollten warten, er ueberpruefe mich nun und rufe dann meinen Namen. Nach ungefaehr fuenf Minuten im Auto fragte ich mich, ob er wirklich wollte, dass ich im Auto warte oder ob ich nicht besser irgendwo hingehen wuerde. Also bin ich ausgestiegen und erstmal ziellos an irgendeine Tuer gegangen, wo ich sofort von einem Grenzmenschen angehalten wurde: Miss, what are you doing there? Stop! Puh, da bin ich aber zusammen gezuckt, er hat mir dann freundlicherweise gesagt, dass ich in Tuer 4 muesse und dort habe ich einfach gewartet. Erstaunlicherweise wurde wirklich meine Name einfach aufgerufen und ich wurde dann noch vielleicht zehn Minuten verhoert (auf die Frage, ob ich schon mal verhaftet worden bin, habe ich mit nein geantwortet, war mir aber nicht sicher, ob die Joker Sache zaehlt), ermahnt und mit Kopf schuetteln wurde mir mein Pass zurueck gegeben.

Ekstasisch vor Freude fuhren wir nach Chappaqua, wo Larissa wohnt. Dort kamen wir nach zehn einhalb Stunden an. Kurze Verschnaufspause und Anja musste den Kartenleserjob uebernehmen. Wir fuhren also immer weiter gen Sueden als ich irgendwann meinte, aehm, wo sind wir? Und uns gleich ein Schild als Antwort entgegensprang: Bronx Community College.

Ach du Kacke, einfach in der Bronx gelandet, was tun? Na, erstmal weiterfahren und hoffen, dass Mapquest da nicht schon wieder Mist gebaut hat. Leider zeigte das naechste Schild: Next 7 Exits Manhattan. Au haue ha, und das Empire war auch schon zu sehen. Ich darf mit dem Auto nicht nach Manhattan reinfahren (verstaendlicherweise) und so machte sich wieder leichte Panik in mir breit. Aber, oh wunder! Mapquest hatte diesmal recht und hat uns, ueber die George Washington Bridge, mehr oder weniger sicher nach Jersey gebracht. Um halb 12 war ich im Bett. 


Obeka Suite, Silvester. Ekliger Mensch hebt mich hoch und kuesst mich auf den Bauch.
Einblicke in unsere 12-stuendige Rueckfahrt aus Kanada.
Anja und Henkell Trocken. Eine gelungene Mischung.
Lisa, Larissa und Mikey - unser Kumpel aus Kanada.
Ich in der Damentoilette. Auf dem Boden lag ein Leopardenmusterstringtanga.
Ekliger Mensch 2 hebt mich gerade hoch. Es war nicht freiwillig.
Dreier Selbstausloeseportrait vor dem Silvesterabend.
Ich und meine neue Muetze. Sie ist eine Flirtmaschine und ich liebe sie.
Sehen sie nicht gluecklich aus, die zwei Schnitten?
Die auch.
Ballonfotos gab es natuerlich auch en masse. Hier das aller roteste am rostesten.
Ich, Henkell Trocken und die 2008 Goldglitzerbrille vom Souvenir Shop am Empire.
Anja auf dem Rueckweg von Silvester. Es war windig.
Montreal, Kanada. Montreal.
Selbstportrait auch vor Silvester.
Mein Lieblingsfoto. Einfach laessig, wie ich die Pulle Bier trinke ;)
Ich verstehe Sie schon, Herr Effenberger!
Anja und Martin, ein deutscher Austauschschueler.
Endlich mal wieder ein normaler, guter Salat. Es lebe Kanada.
Eine Bar mit Eiswand auf der Crescent Street (der Barmeile in Montreal).
Im Souvenirshop in Kanada. Amerika ist doof.
Mein Auto. Liebe.
Unser B&B mitten im Centre-Ville (oder Downtown, wie der Amerikaner sagt) Montreals.
Die kleine Sternschnuppe. Schoen wie immer. Und immer am Strahlen.
Scheisse, wir werden verfolgt! Ach ne, war doch nur ein Turm.
Im Kohlebergwerk da holen wir die Kohle, damit ihr nicht friert!
Ben&Jerry's Montreal
(singend) Ella, Ella, oh Ella, Ella du du de da.
Kurz vor der kanadischen Grenze.
Simon, der snowboardfahrende, kanadische Barkepper, welcher in Neuseeland studiert hat und toll und gut aussehned und attraktiv und nett und witzig und charmant war.
Ich setze mir die imaginaere Kontaktlinse ein.

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