Montag, 14. Januar 2008

Picasso hatte es aber auch ein bisschen drauf


Folgend ist ein Ausschnitt von einem Motion Picture Filmdreh zu sehen. 
                                            
Als wir uns gestern entschieden, heute ins Guggenheim Museum zu fahren, konnte ja niemand ahnen, was fuer ein grandioser Tag es werden wuerde. Hollywoodfieber auf der 5th Avenue, Ecke 86. Strasse oder auch Eingang des Guggenheim Museums. Dort wurden heute einige Szenen des in anderthalb Jahren erscheinenden Agententhrillers 'The International' von dem deutschen Regisseur Tom Tykwer mit Clive Owen gedreht. Clive Owen, die geile, talentierte Sau. Wer erinnert sich bei dem Namen nicht an den Mohrrueben essenden harten Typen aus 'Shoot 'Em Up' oder den Liebeskummer habenden Ex von Julia Roberts aus 'Closer' (Children of Men, Sin City..)? 
Sieht er nicht verwegen aus mit seinem blutueberstroemten Hemd, wie er da, vor Selbstbewusstsein und Charisma strotzend, ueber die Strasse stolziert? Na gut, ich mag uebertreiben, aber ich war auch ein bisschen geblendet von dem Hauch von Hollywood, der uns dort, live und hautnah, entgegenkam.
Nichtsahnend, jedoch froh gesinnt, trafen sich Anja, Larissa und ich gegen halb zwei an der Ecke 42. Strasse/ 5th Avenue, um von der Grand Central Station zur 86. Strasse hochzufahren und die letzten drei Blocks bis zum Guggenheim Museum zu gehen. An der 89. Strasse stand schon ein Polizeiauto, welches die Strasse fuer Autofahrer absperrte und mehrere Kabel waren zur 5th Avenue hin verlegt. Ich dachte, es sei wieder irgendeine Parade, von der wir wieder nichts mitbekommen haben. Aber nein, nein. Diesmal war alles anders! Das war groesser, interessanter und auch einen Tick cooler als alles, was ich bis jetzt gesehen habe. Wir sind wahrhaftig in einen Filmdreh hineingestolpert. Eine ueberfreundliche Frau, urspruenglich aus Deutschland kommend, klaerte uns auf, worum es sich handele, wer mitspiele, und dass es gerade der siebte Take sei, denn sie filmen. Ein Mann vom Team hielt uns zurueck, denn die Leute, die auf der 5th Avenue standen, waren alles Statisten. Ueberall waren Polizeiautos geparkt und Polizisten standen herum (auch Statisten). Ein riesiger Kran schwenkte ueber die Avenue, Leute mit Sonnenbrillen, Notizzetteln und Headsets rannten herum, waren wichtig und sahen cool aus. Das Guggenheim Museum selbst war in gruene Leinwand eingehuellt, da es gerade von aussen restauriert wird und das im Film sicher nicht zu sehen sein soll. Unter dem Foyer standen der Regisseur Tom Tykwer und seine Homies von der Filmcrew.
Die Frau erklaerte uns, nachdem sie uns erzaehlt hatte, dass ihre Tochter (10 Jahre alt) auch einer der Statisten sei und sie schon 15.000 Dollars in ihre Schauspielkarriere gesteckt haetten und dass ihr Mann nun in den Irak gehen wuerde, und dass ja scheisse sei und sie ja total aufgeregt nun sei, dass nun alle auf den Hauptdarsteller warten wuerden, denn die Szene sollte nun nochmals gedreht werden. Wir waren gespannt...
...ploetzlich ging es los. Man hoerte die Klappe des 'Und Action' Mannes klappen. Lautes Gemurmel machte sich breit und da kam auf einmal ein gross gewachsener, blutueberstroehmter Mann aus dem Eingang des Museums, einen anderen Mann stuetzend, auf die Strasse gelaufen. Ein Auto bremste mit quietschenden Reifen, es hupte. Doch Clive, der alte Tiger, rannte weiter und half dem armen Mann auf die andere Strassenseite. Sie gingen noch einige Meter, dann war die Szene zu Ende. Ei, ei, ei, war das aufregend! Die Autos wurden vorher uebrigens mit Wasser abgespritzt, damit sie besser glaenzen und am Strassenrand lagen noch Reste von Eisbloecken, die fuer den Dreh dort hingelegt wurden. Ich hab mich richtig gefreut, wie eine kleine Maus ueber ein Stueck Speck, welches sie erfolgreich aus einer Mausefalle geklaut hat. Alter Schwede, in solchen Momenten denke ich wieder: Danke, dass ich jetzt gerade hier sein darf. Darum liebst du New York City, sowas kann dir nur hier passieren, hier schnupperst du von der Welt, die dir immer so weit entfernt erschien. 
Aber irgendwann musste auch ich mich von der Szene trennen, die uebrigens nochmal gedreht wurde, denn wir wollten ja urspruenglich ein bisschen auf Kultur machen (wenn das Frau Rixe wuesste, sie waere stolz auf mich gewesen;). Also rein ins Guggenheim und Eintritt bezahlen. Der liegt eigentlich bei 20 Dollars, doch weil nur drei Etagen geoeffnet waren durch die Restaurierungsarbeiten, kostete es nur 5 Dollars - Glueck muss man haben! Taschen, Fotoapparate und Jacken wurden abgegeben und hoch ging es zur Fotografie Ausstellung (europaeische Kuenstler von 1918-1945). Nachdem wir dort einige Zeit verbracht hatten und ich mich mehr ueber die Kunstfreaks als ueber die Kunst an sich amuesiert habe, sind wir eine Etage runter, in die Kandinsky Ausstellung, gegangen und ich habe mit Interesse ein Kunstgespraech zweier Kunstmenschen belauscht ('Also ich sehe darin ein Haus..koennte aber auch ein Baum sein...auf jeden Fall sehr interessant diese Farbkombinationen...deswegen liebe ich Kandinsky so, weisst du?). Zu sehen waren riesige, bunte Muster. Ganz schoen, aber die Welt in Farbe reinzudeuten war noch nie mein Fall. Ich mag begabte Zeichner lieber, wie zum Beispiel Picasso, der es echt drauf hatte und eine Etage darunter, in der Tannhauser Ausstellung, zu finden war. Da Anja, Larissa und ich alle noch ein bisschen kindisch und albern sind und wir alle mal einen 'Picasso' anfassen wollten, haben wir auch alle ein Bild mit der Fingerspitze zaertlich und mit Achtung beruehrt und sofort kam eine freundliche Museumsdame, um uns hoeflich darauf aufmerksam zu machen, dass das Anfassen der Stuecke nicht erlaubt sei. Oh Verzeihung, wussten wir nicht! Jaja, immer diese deutschen Asi Touristen. Auch diese Ausstellung hatten wir dann durch und wollten gerade den Raum verlassen, da rennen wir doch glatt in den guten, alten Clive. Denn auch Hollywoodstars muessen mal kacken und so ist er circa einen Milimeter an uns, verwegen, maennlich und anziehend, vorbei gegangen. Natuerlich mit seinem 7x7 Meter grossen, schwarzen Bodyguard. Mein Herz, alter! Wir Fuechse warteten dann natuerlich an der Treppe darauf, dass der gute fertig geschissen hat (ganz schoen lange hat das gedauert - aber er hat bestimmt im Spiegel nochmal sein Adonisgesicht angeschaut;) und dann ist er auch wieder an uns vorbei gegangen und Anja und Larissa haben ihn angestarrt - ich nicht, mir ist das unangenehm - wie man auch, zum Amuesement von L und A, an meiner Gesichtsfarbe sehen konnte. Als wir das Guggenheim verlassen hatten, wurde gerade am Eingang des Central Parks eine weitere Szene gedreht und das letzte Foto habe ich geschossen, als gerade sein Make-Up aufgefrischt wurde - ist wohl doch alles mehr Schein als Sein.                                             

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