Donnerstag, 27. Dezember 2007

Winter in Kanada

Nun sitze ich also hier in meinem Zimmer, Ferrero Kuesschen von Oma futternd, Stereophonics mit Dakota hoerend (danke nochmal Christoph, das Lied erinnert mich an Freiheit). Morgen frueh stehe ich auf, mache mich fertig, setze mich ins Auto und fahre erst nach Maplewood, hole Anja ab und dann nach Northville, um Larissa abzuholen: Wir fahren nach Kanada! Ich freue mich so unfassbar, dass kann man sich kaum vorstellen. Bin gerade fertig geworden mit Koffer packen und dieses Gefuehl, in den Urlaub zu fahren, hatte ich schon so lange nicht mehr und dann auch noch porno nach Kanada. Wie gut ist das denn? Wir wollen Silvester in Montreal verbringen, weil wir offensichtlich dort wieder 'erwachsen' sind. Sprich: Sex, Drugs and Rock'n'Roll - oder so aehnlich ;)

Vor mir und meinem schwarzen Jetta Schaefchen liegen hin und zurueck 800 Meilen - kein Zuckerschlecken - vor allem, wenn man am ersten Januar acht Stunden zurueck fahren muss. Oh Gott, aber ich wollte es nicht anders. Wir werden Silvester wahrscheinlich im Club 'La Boom' Downtown Montreal verbringen, das hoert sich am vielversprechendsten an und liegt mit 100 CAN $ auch noch gut mit dabei. A Propos 100 CAN $. Das erinnert mich an Weihnachten.

Weihnachten in Amerika, wie ist das eigentlich so, Lisa? 

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, so ungefaehr vor vier Tagen, da machten sich vier sehr unterschiedliche Menschen auf den Weg nach Springfield, irgendwo in New Jersey, so sagt es jedenfalls die Legende. Einer war noch kleiner und kam aus Kasachstan, einem ziemlich grossen Land unterhalb Russlands, eine kam aus Pennsylvania, Generationen ueber Generationen ueber Generationen, sodass diese Person schon gar nicht mehr wusste, wo ihre Wurzeln lagen, eine etwas lautere Person kam aus halb Deutschland, halb Italien und ein Persoenchen war Vollblutdeutsche. Diese vier putzigen Gesellen fuhren also eher holprig (Jon kann es nicht so gut, das mit dem Auto) zu Jamie und Simone - seinem Bruder und seiner Schwaegerin - um den Weihnachtsmarathon zu starten. Dort trafen sie auf andere Menschen unterschiedlichsten Ursprungs: Jamie, Simone, Nermina, Catherine, Elizabeth, Janice, James, Florine, Sean, Scott, Sarah, Gram, Chuck, Maia. Das wars.  Die sich in weihnachtlicher Stimmung befindliche Gesellschaft ass leckere Leckereien und spielte verrueckte Geschenkevertauschspielchen, welche typisch amerikanisch sind, wo Glueckskind Lisa 25 Dollars gewann.

Also bei dem Spiel bringt eigentlich jeder ein Geschenk mit mindestens 25 Dollars wert mit und verpackt es. Alle Geschenke werden auf den Tisch gestellt und jeder zieht eine Nummer. Nummer eins darf sich ein Paket aussuchen und packt es, sichtbar fuer alle aus, dann ist Nummer zwei dran. Nummer zwei darf sich entweder das Paket von Nummer eins nehmen oder ein noch verpacktes Geschenk vom Tisch. Falls er das Geschenk von Nummer eins gut findet, und es stiehlt, darf sich Nummer eins wieder ein neues Paket nehmen und danach ist Nummer drei dran. Nummer drei darf sich entweder ein neues Paket nehmen oder von eins oder zwei stehlen usw. Von einer Person darf nur drei Mal gestohlen werden, nach dem dritten Mal darf die Person sein Geschenk behalten. Es waren ein paar persoenliche Geschenke dabei, wobei es grosse Lacher gab (zB war das eine Geschenk ein Golfschlaeger und eine Lebensretterweste fuer Jamie, weil dieser aus Wut seinen Schlaeger in Sout Carolina in einen See geworfen hat und dieser gesunken ist) und ich hab gottseidank das Geld abgeraeumt. TJ hat mit seinen beiden Cousinen gespielt und ist irgendwann als Flitzer durch das Wohnzimmer gerannt - sehr zur Freude aller. 



Gegen neun Uhr abends wurden die drei Juengsten zu Oma und Opa ins Auto gesteckt und waren fuer eine Nacht weg (als wir den Motor gehoert haben, sind alle aufgestanden und haben geklatscht). Dann haben wir noch etwas weiter gefeiert und ich habe eine Mass getrunken (Glas natuerlich original vom Muenchner Oktoberfest) und musste viel ueber Deutschland berichten.  

Dann ging es nach Hause und ich habe erstmal bis zum Nachmittag des naechsten Tages geratzt: ich liebe schlafen! Kurz ueberlegen, was wir Sonntag gemacht haben. Ach ja! Oh ha, fast vergessen. Ich habe das Weihnachtsessen von uns zu Hause gekocht, was Muttern immer macht und ich hab ausversehen 1,5 kg Fleisch anstatt ein Pfund gekauft und so wurde es etwas mehr - aber wir haben alles aufgegessen und es war unglaublich lecker und endlich mal wieder was vernuenftiges zwischen den Beissern (amerikanisches Essen ist nicht das Delikateste). Ich habe auch Fotos gemacht, aber kein Plan, wo ich die abgespeichert habe - ich finde sie nicht mehr, bisschen behindert.
OK, dann Montag: Heiligabend. Jubel, jubel, freu, freu! Mein Paket von meinen Eltern ist natuerlich noch nicht angekommen und ich fuehlte mich auch etwas krank. Wir wollten abends nach North Jersey zu den ehemaligen Nachbarn von Lisas Eltern, Barb und Tim, fahren. Hatte erst ueberlegt, ob ich nicht mitkomme, weil ich echt tot war und sogar versucht habe, Mittagsschlaf zu halten, aber Nervzwerg TJ ist leider in mein Zimmer gekommen und auf mir rumgesprungen (waehrend ich gepennt hab) und hat mein Zimmer repariert. 

Barb und Tim sind gegen vier Uhr mit ihrem ultra schicken Audi A6 angekommen und wollten dann auch bald los gen Norden. Ich habe mir gesagt, dass ich ja nicht Heiligabend alleine in der Badewanne verbringen kann (das waere mein Plan gewesen) und so habe ich nur geduscht und mich fertig gemacht. Und schon kam Timbo mit meinem ersten Geschenk (naja, war kein Geschenk, aber fuer mich persoenlich schon).  Er kam in mein Zimmer als ich mich gerade umgezogen habe (nein, Scherz) und hat gefragt, ob ich fahren will, und ich, ja, den Jetta? Und er gibt mir die Schluessel und es waren die Audi Schluessel! Ah eh ih oh uh. Na no, na no! Hab ja ein bisschen gezittert (durfte schon ganz schoen oft schnelle Autos von Maennern fahren, wenn ich mich gerade mal zurueck erinnere...ho ho ho). Aber Tims A6 war ja schon immer mein Favorit. Und es war immerhin eine Stunde Fahrt! Der erste Schritt, aus der Hofeinfahrt herauszufahren, hatte ich gut gemeistert und auf dem Highway habe ich mich auch ziemlich gut gemacht und es war geil! Als wir nach ungefaehr einer Stunde in East Hanover angekommen sind und in ihre ehemalige Strasse eingebogen sind, habe ich mich schon gewundert, weil es ziemlich dunkel war. Also im Prinzip war es schwarz. Keine Strassenlaternen, keine Weihnachtsbeleuchtung, keine Innenbeleuchtung nichts. Leider ist naemlich eine Stunde zuvor der Transformer der Stadt explodiert und die komplette Strasse hatte keine Elektrizaet! Wie witzig. Hatten dann auch kein Telefon und Internet und so konnte ich das Video fuer Anna erst um acht - also zwei Uhr morgens bei euch - hochladen! Aber die Party bei den Preblyzsks war trotzdem extrem witzig. Einfach verrueckte Menschen. Sie sind um die 70 und total verrueckt einfach. Der Mann macht Witze wie Opa Horst, nur, dass ich ihn nicht verstehe, weil er in seinen nicht vorhandenen Bart hereinnuschelt und sie haben Zwillinge, Roy und Ron. Barb meinte vorher im Auto, dass ich sie nicht unterscheiden werden kann und dass sogar die Kinder der beiden nicht wissen, wer Daddy und wer Onkel ist. Deswegen nennen sie ihren Onkel Uncle Daddy :D behindert.

Ich hab natuerlich gedacht, mir wird das nicht passieren und so wurde mir ein grosser Mann, Anfang 40 vorgestellt, der mit seiner Frau Patrick (ich sage ja, die spinnen) und den zwei Kindern auch gerade angekommen ist. In der Kueche habe ich gerade einen Shrimp verspeist, als Jon meinte, hier Lisa, das ist Ray, Ray, das ist Lisa B., unser Au Pair und ich guck ihn an und sag, ja, wir kennen uns schon und er sagt: Nein :D
Scheisse, peinlich. Spaeter kam die kleine Shannon und tippt den einen so an und sagt: Daddy und der dreht sich um und sagt: Ich bin nicht dein Vater - da hat sie erstmal angefangen zu weinen. Wie witzig ist das denn bitte? Total verrueckt die Familie. Die waren aber alle begeistert von mir und wollten ganz viel ueber Deutschland wissen und ich bin auch mit auf dem Familienfoto von denen, aber sie haben gesagt, sie werden es sich naechstes Jahr angucken und eh vergessen haben, wer ich bin - haha.

Gut, das war Heiligabend, auch sehr nett, wenn auch die ersten zweieinhalb Stunden ohne Strom (das Essen haben wir mit Hilfe eines Generators vom Nachbarn aufgewaermt).
Nun kommen wir zum wichtigsten Tag aller Tage aller Tage der Tage: der 25. Dezember: Christmas Day! Ich war natuerlich als erste wach (vor TJ, wie peinlich) und habe gewartet, dass die anderen auch wach werden - die waren aber alle schon unten und haben gefruehstueckt - schon geduscht. Ich bin auch runter und hab mir was reingestopft und um viertel nach neun TJ geweckt, weil ich es nicht mehr erwarten konnte...ho ho ho. TJ, Jon und ich waren noch im Pimmelschlafanzug und dann ging es endlich in die Stube, wo natuerlich am Kamin unsere Stockings (Socken) hingen. Unter dem Tannenbaum waren circa 4058 Geschenke - 4051 davon fuer TJ mindestens. 
Aber was macht TJ? Er hat ueberhaupt keine Augen fuer die Geschenke, sondern geht zu dem Teller, wo noch zwei Kruemel von den Weihnachtsmann-Keksen stehen (in Amerika laesst man dem Weihnachtsmann ja immer ein paar Kekse und ein Glas Milch stehen, wenn er nachts durch den Kamin kommt - wir haben noch ein paar Mohrrueben fuer seine Rentiere dazu gelegt). Er fragt, ob er die Kekse essen und die Milch trinken darf und mampft erstmal los. Als Lisa ihn fragt, ob er nicht erstmal seine Geschenke auspacken will, sagt er nur empoert: Mommy, I eating :D



Letztendlich hat er sich doch auf seine Geschenke gestuerzt und er hat echt, echt ne Masse gekriegt, man, man, man.
Aber ich muss sagen, ich bin auch nicht leer ausgegangen, raeusper, raeusper. Hier eine Aufzaehlung meiner Geschenke:

- 75 Dollars Gutschein fuer eine Gesichtsbehandlung im Spa
- 100 Dollars Gutschein fuer unseren Nobelfriseur John Roberts
- 100 CAN $ und eine Landkarte von Montreal
- Haarprodukte von Fructis
- Rasierklingen von Venus Gilette
- Bodylotion von Olay
- Handschuhe, zwei Paar
- Schokolade und eine Karte (von Oma, danke)
- schicke Trainingshose von Nike und ein extra special hyper gutes Workout T-Shirt ebenfalls von Nike von Barb und Tim, weil ich so gut auf TJ aufpasse ;)
- und heute lagen auf dem Tisch nochmal 40 Dollars und auf die Frage, ob das das Geld fuer die kubanischen Zigarren sei, die ich fuer Jon aus Kanada mitschmuggeln soll, meinte Lisa, nein, dass ist auch nochmal ein Geschenk, weil sie vergessen hat, dass ich ja beim Spa und beim Friseur Trinkgeld geben muss und 160 Dollars bekomme ich auch noch mal fuer diese Woche Lohn - obwohl ich nur Montag zwei Stunden gearbeitet habe :D
- dann noch Body Lotion von Jons Schwaegerin deren Eltern
- und Schokolade von Jons Tante
- ach ja und ein Bild mit einem Spruch von Judy

Also habe ich Geschenke im Wert von circa 600 Dollars bekommen - von quasi fremden Menschen - und was habe ich ausgegeben? 60 Dollars fuer Bubble Bath, Badewannenstifte, Spruehduschgel und Bilder fuer TJ, einen neuen Teekessel und einen Borat Kasachstanfuehrer fuer Lisa und Jon - ich fuehle mich schlecht! Nachmittags kam dann die ganze Sippschaft zu uns und Judy hat Roast Beef gemacht.
Alles in allem war Weihnachten der Hammer. Ich liebe es. Es war geil, man! Und jetzt geht es ab nach Kanada. Wie gut kann ein Leben sein? Bitte immer und immer so weiter. Komme naechstes Jahr wieder, ziehe nach Berlin, werde ein folgsamer Student, werde Karrieremensch, der Familie und Job unter einen Hut bringt, baue ein Haus, bereise die ganze Welt mit meinem Mann und bleibe immer gluecklich und gesund - schoen waers ;)
In diesem Sinne: Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2008! Lasst es knallen, betrinkt euch, habt Spass und denkt ein bisschen an mich: auf das alle unsere guten Vorsaetze in Erfuellung gehen und wir gesund und gluecklich bleiben! Muchas Love!

Der Weihnachtsbaum bei den Preblyzsks - da war er schon wieder beleuchtet!
Unser schoener Tannenbaum mit all den Stockings und Geschenken umrandet und Kaminfeuer - wie idyllisch.
Milch und Kekse fuer den Weihnachtsmann und zwei Mohrrueben fuer die Rentiere.
Die Morgengesellschaft hilft TJ beim Geschenke auspacken - Lisa hat uebrigens eine 500gb grosse externe Festplatte bekommen - 500gb!
Meine Tischkarte. Hehe.
Fratzenschneiden von links: TJ, Bea und Catherine.
Alte Liebe rostet nicht... :)
Unser Weihnachtstisch, natuerlich in rot/gruen - den Weihnachtsfarben und ich habe alle Glaeser poliert!
Terri, Barb, Simone, Norm, Jon und Don (von vorne nach hinten).
Nermina, Jamie, Susan und Tim (von vorne).

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