Dienstag, 26. Mai 2009

Zehn Dinge, die ich an dir hasse!

Geschichten, die das Leben schreiben und aus der Großstadt. Taufrisch, wobei es bei uns gar nicht so stark geregnet hat. Das Wetter konnte sich heute nicht zwischen weltuntergangslila-bedrohlichem grün-brüllender Hitze mit Sonnenschein und Platzregen, Donner und Blitzen entscheiden. Sei es drum. 

Mein Tag begann heute um acht Uhr morgens mit meinem lieblichen Handywecker. Nein, Leute, er ist echt OK, man wacht ganz langsam mit immer lauter werdendem Bossanova auf. Ist echt OK. Also aufgewacht; 15 Minuten gequält, nicht fassen könnend, dass man eigentlich wunderbare acht Stunden straight gepennt hat und trotzdem nicht klar kommt. Was zum Henker will der Körper denn noch, alter? Viertel nach ins Bad geschlürft, wo Selda sich schon zurecht gemacht hat. Kurz entschieden nicht zu duschen, weil am vorigen Abend erledigt. Gesicht gewaschen, Zopf gemacht, erstmal eine geraucht. Pfui. Naja, dann irgendwie noch eine Haferbreisuppe zusammen gestellt, ein bisschen Zimt und Zucker reingeschüttet und noch brühend heiß verspeist. Ein kritischer Blick nach draußen verhieß nichts Gutes, doch sagt Apple 33 Grad in Hamburg heute. Wo denn? Also Zwiebellook, damit fährt man immer auf der sicheren Seite. Um viertel vor zehn das Haus verlassen und sich am Philturm an einen der vier (Frechheit, einer ist sogar kaputt) Aufzüge gestellt und gottseidank nach fünf Minuten in einen gequetscht. Das ist so eine Sache mit diesem Philturm, ich könnte Romane darüber schreiben, aber ich bin mir sicher, dass das einer der 40.000 Studenten bereits getan hat, deswegen lass ichs einfach.

Jedenfalls im 13. Stock angekommen und zwei Stunden lang anspruchsvoll unserem Meister gelauscht und endlich, endlich, endlich das Thema Lyrik abgeschlossen. Gottseidank, man ey, das kann ich nun wirklich gar nicht mit dieser Gedichtinterpretationsscheiße...klingende, weibliche Kadenz, vierhebiger Daktylus... Archaismus bla bla. Raff ich nicht. Nun also Epik. Das kann ich doch ganz gut. Danach eine kostenloses give-away unten am Mensaeingang abgestaubt und hey, gar nicht so übel. Mascara, Deo, Duschgel, Zeitschrift, Popcorn, Zwieback und ne Pulle ekeliger Kombucha drin. Letzten Monat gab es ja zum Beispiel für alle Frauen rote Rosen. Ich glaube, weil Mohammed, der Prophet Geburtstag hatte. Nett.

Das nächste Seminar am anderen Ende von Hamburg, gefühlt, war extrem langweilig, in Volkskunde ist eh gerade flaute, was Wissensaufnahme betrifft. Man sitzt und lauscht und lernt nichts. Da ist Germanistik eindeutig besser. Zur Zeit. Heute war Bruno Latour mit seinem Schlüssel. Nun gut, bin kein Freund seiner Theorie, dass es keine Natur und keine Objekte gibt, aber konnte meine Gegenargumentation mangels Fachwissen leider nicht untermauern. Denkste, schleppender als das Kulturtheorieseminar kanns heute nicht mehr werden, haste dich geirrt, denn es folgt: Stadtutopien. Oh mein Gott. Wie kann man ein derart interessantes Thema nur so verhunzen? Verhundsen? Verhuntzen? Wie auch immer, wenigstens was über Hermann Sörger und sein Atlantropa gelernt und das war interessant. Wird der Golfstrom versiegen, wenn man einen Staudamm zwischen Europa und Asien baut oder wird er versiegen, wenn man es nicht tut? Man sollte der Sache nachgehen...

...16 Uhr: Uni Schluss. Die Zeit rechte gerade für ein Baguette beim Café unten im Institut. Auf nach Othmarschen. Gesprochen übrigens Ooohthmarschen und nicht Ottmarschen. Genau wie Loksteehdt und nicht Lockstett. In Othmarschen nehme ich nun wahrscheinlich einen zweiten Job an bei meiner ehemaligen Au Pair Agentur. Aber ich bin noch moralisch im Zwiespalt, was ich hier nicht weiter erläutern möchte.
Nach angeblichen anderthalb Stunden war ich dann um 20.15 (!!!) Uhr zu Hause. Ein zehn Stunden Tag, Leude. Das Leben ist nicht immer Zucker und Orgasmus. Ich war so müde, dass ich kurz regungslos auf meinem Bett in X Stellung lag, sprich Beine und Arme von mir gestreckt und einfach nur die Augen schloss, weil jene so brannten.

Das interessante an meinem mittelprächtigen Tag war die Begegnung mit meinem wohl zukünftigen, verkannten Ehemann. In der Bahn vom Bahnhof Altona zum Dammtor saß ich in so einem vierer Ding und im nächsten vierer Teil, mir gegenüber, saß so ein Typ... ja ha, und ich gucke so durch die Bahn, da treffen sich unsere Augen. Er grinst ein klein wenig, mehr so mit den Augen - ich Flirtversager gucke natürlich erschrocken wieder weg.

Vorsichtig guckte ich dann aber doch zurück, nur um zu sehen, dass er gerade das gleiche tat und unsere Augen trafen sich wieder. Pure Neugier beidseitig. Ich hätte so gerne gewusst, ob ihm das gleiche durch den Kopf ging wie mir. Zugegeben, bei mir spielte sich nichts sexuelles ab, sondern nur das Für und Wider, ob ich einfach mal ALL meinen Mut zusammen nehme und ihn beim Aussteigen frage, ob er nen Kaffee trinken gehen will. Wahrscheinlich dachte er nicht dasselbe, weil er ein Mann ist und mich wohl in Gedanken eher nackt ausgecheckt hat. Aber ist ja auch gut. Unser triff-die-Augen-Spiel-und-guck-weg-und-wieder-hin ging noch so drei bis vier Mal hin und her und wir erreichten leider Dammtor. Ein bisschen aufgeregt war ich wirklich man! Würde er jetzt was tun, sollte ich was tun? Ich erhob mich also und stellte mich an die Tür und spürte auf einmal, wie jemand hinter mir stand, der wirklich außerordentlich gut roch. Gutes Männerparfum, ein ordentlicher Pluspunkt. Gehe mehr in die süßliche, denn in die axe-like-männliche-möge-Richtung. Er war es! Wir stiegen beide aus, ich ging etwas langsamer und er überholte mich, ging vor mir die Treppen runter, drehte sich plötzlich um...

....und guckte mich an, lächelte mich an: mein Herz! Dann ging er jedoch weiter, er links Richtung Congress Centrum und ich rechts Richtung Uni. Scheiße man, so kanns laufen! Ich werde ihn nie wieder sehen und er war vielleicht mein späterer Ehemann, mein Traummann!! Ich werde es nie erfahren...die Hoffnung bleibt, dass man sich immer zwei Mal im Leben sieht...

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