Donnerstag, 14. Mai 2009

Piano Man

Der Mensch reflektiert sich wohl permanent selbst. Die einen kommen dabei besser, die anderen schlechter weg. Ich gehörte immer zu den zweiten. Selbstreflexion sieht bei mir echt düster aus. Ich denke auch nicht, dass ich tiefstapele. Aber wenn ich dann mal nette Worte zu hören bekomme, bin ich völlig perplex. Habe ich so ein falsches Bild von mir?

Vor allem: wieso ist es soweit gekommen? Keine Ahnung. Gesundes, nicht überhebliches Selbstbewusstsein aufbauen lautet wohl die Devise, aber einfach ist das sicherlich nicht. Nicht für mich. Mir wurde jüngst gesagt, ich sei das perfekte Mädchen im Sinne von blond, große, blaue Augen, gute Figur (ja, Eugen), humorvoll und kumpeltyp. Mir wurden in der Uni Komplimente für meine schöne und schnelle Schrift (ja, Larissa) gemacht. Dass ich gut schreiben kann, dass ich eine gute Sprache und Ausdrucksweise habe. Wenn mir jemand ein Kompliment, in welcher Form auch immer macht, fallen mir sofort 100 Leute ein, die hübscher, intelligenter, wortgewandter, einfach besser sind als ich. Ich kann es nicht annehmen und versuche es zu zerhackstückeln. Es ist mir unangenehm, mich erinnert es nur an die Fehler, die ich habe. Ich bin aber so unsicher. Verdammt unsicher. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso ich oft so fies bin oder ablehnend. Unsicherheit, man versucht es ja bestmöglich zu umspielen.

Wieso sollte gerade ich es schaffen, in meinem Beruf später Erfolg zu haben? Ich bin nur ein kleiner Wicht in der Masse der unglaublich begabten Möchtegern Journalisten. Ich würde gerne an mich glauben, versuche es auch, aber hundertprozentig sicher bin ich mir nicht. Das macht mich traurig, vielleicht auch mehr, als ich meist zugebe. Die meisten kennen mich wohl nur als das laute, manchmal rüpelhafte, straighte Mädchen. Kein Blatt vor den Mund, keine Gefühle zu lassen etc. Man kennt es ja. Unaustehlich bin ich sicher auch manchmal.

Sowas geht nur immer tiefer als dass es an der Oberfläche schimmert, wisst ihr? Es ist nicht so, dass ich es nicht wüsste, so ist es nicht. Ein Tiefschlag war wohl neulich als einer meiner guten Freunde hier zu mir meinte, du wirkst manchmal so unnahbar, vielleicht solltest du wirklich mal eine emotionale Bindung eingehen, es versuchen. Ich mein, ich habe mir ja nichts anmerken lassen. Aber sowas ist hart. Wenn das schon Menschen auffällt, die man gerade ein halbes Jahr kennt.

Wie wirke ich auf andere Menschen? Es muss ja Gründe dafür geben, weswegen ich in den meisten Fällen sehr unbeliebt bin und viele nicht wissen, was sie mit mir anfangen sollen. Ich bin nicht der Typ Mensch, der freudestrahlend auf andere zuläuft und sie umarmt und unbedingt gleich zeigt, wie es in der Seele aussieht. Aber das wissen, so meine ich zu denken, auch nur sehr, sehr wenige Menschen.

Dass ich auch oft als naiv und einfältig verkauft werde, ist nicht das große Problem. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt oder so ähnlich. Das weiß ich nun wirklich besser und da können die Leute wirklich so viel reden, wie sie wollen. Aber wenn es dann losgeht, wie schon gesagt, mit Komplimenten oder Tritte gegen meine verschlossene Seele, schließe ich mich lieber gleich in mein Zimmer und geh schlafen, um nicht mehr daran denken zu müssen.

Aber vielleicht hat er, Freund, ja recht. Vielleicht sollte ich versuchen, mehr auf Leute zuzugehen und ein sonniges Gemüt zeigen und ja, auch Gefühle zu lassen. Aber die Angst ist ja irgendwie immer da. Angst, irgendwo, verlassen zu werden oder dass einem gefühlstechnisch sehr schwierige Zeiten bevor stehen. Sowas vermeide ich lieber und da ist es mir lieber, mit meinen Gedanken alleine gelassen zu werden, als sie mit jemandem zu teilen, der mich enttäuscht und dem falsch vertraut wird. Ich werde versuchen daran zu arbeiten.
Blog als Heilungsversuch oder vielleicht so ähnlich. Jedenfalls bin ich nicht der gefühlskalte Mensch, für den ich immer gehalten werden und schon gar nicht einfältig - aber auch kein Supergenie bitte, die die Männer verarscht. Das schon gar nicht, verletzen möchte ich niemanden niemals mit meinem Gebären. Deswegen sind nette Drinks und nette Abende mit neuen Bekanntschaften immer nett, aber sobald es ernster wird, ziehe ich es doch vor, mich zurück zu ziehen ohne dem anderen auf den Schlips zu treten. Ist wohl das beste. 

Das schlimmste sind jedenfalls die Zukunftsängste, wie oft habe ich jetzt gehört, dass Leute Kultur studiert haben und immer noch zwischen Praktikum und Hartz IV herumschlingern? Sowas höre ich immer wieder, aber soll ich deswegen alles über den Haufen werfen und den sicheren, aber vielleicht weniger spannenden Weg wählen? Wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird?

Es überkommt mich öfter, dass ich panisch werde, mir überlege, was tust du hier eigentlich? Was soll das bringen, was soll aus mir werden? Das sind die Momente, wo ich am liebsten meine Koffer packen und zurück nach New Jersey für lange Zeit flieg(h)en würde. Aber ist das eine Option? Mir macht Spaß was ich mache und momentan ist es genauso richtig. Was in fünf Jahren mit mir sein wird, kann ich nicht sagen und das macht mir Angst, aber damit stehe ich wohl nicht alleine da. Hoffentlich immerhin dann schon mal mit einem festen Freund, der mich unterstützt, und dem man vertrauen kann und der einen vor allem liebt. Das ist das Wichtigste. Denn in einer glücklichen Beziehung ist alles nur noch halb so schlimm. Aber das wird hoffentlich - bis jetzt ist noch jeder glücklich geworden. Dauert wohl bei mir etwas länger, bis meine Stahlseele etwas aufweicht. Bis dahin werde ich nachts weiter unruhig schlafen, Alpträume haben. Aber auch viel Zeit zum Nachdenken haben und das genießen. Denn meine Gedanken in Worte packen und präsentieren, das macht mir Spaß, das liegt mir und vielleicht, wenn alles gut geht, werde ich damit irgendwann Geld verdienen.
Puh, das war ziemlich persönlich und auch etwas wehleidig, aber ist ja schließlich mein Blog und wer weiß schon, ob die Sonne morgen scheint? Es wird wieder Einträge geben, wo braune Astraflaschen gegen die Sonne fotografiert werden bestimmt. Aber sowas muss auch mal sein, sonst platze ich. Und wenn ich darüber mit niemandem reden kann und will, dann erzähl ich es lieber meinem Blog (wo es alle lesen). Klingt paradox, ist es auch. Aber irgendwie klappts. Ich les mir den Schund auch nicht nochmal durch, was ich eben verzapft habe. Besser ist das. Gute Nacht.

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