Manchmal birgt das Leben so viele schöne Momente, dass man kurz die Pause-Taste drücken möchte, um diesen Augenblick zu genießen. Der Blick auf eine grüne Wiese in den Bergen, umringt von einem gelben Rapsfeld, der Duft von frisch gemähtem Heu in der Luft oder der kurze, doch unendlich lange erscheinende Moment vor einem alles verändernden Kuss. Man selbst verschwindet als Individuum aus der Szene, stellt sich zurück und lässt seinen Gedanken freie Bahn und wird sich diesem besonderen Augenblick mit voller Wucht bewusst, genießt ihn ganz und gar. Photographien reichen für das Festhalten meist nicht aus. Es passiert im Kopf, setzt sich dort fest für immer.
Aber weiter im Text. Schon als der ICE langsam aus Bahnhof Dammtor herausrollt, erinnert mich die Stimme der Schaffnerin daran, wo mich meine Reise hinführt: Ja, Grüß Gott, die Fahrkarten bitt´schön. Ab nach Bayreuth, im Freistaate Bayern (was bei Hitradio Antenne, den wir hörten, mehr als ein Mal betont wurde), Oberfranken genauer. Manna besuchen, die strebsame Biostudentin meines Herzens. So sah es aus. Die Sonne schien und gegen 16 Uhr nahm die sechsstündige Fahrt ihren Lauf. Ich widmete mich ganz dem Kaschuba Text, den ich noch zu lesen hatte und las danach weiter in dem schrecklichen Buch, was ich gottseidank bald geschafft habe: American Psycho.
Gegen 21 Uhr kam ich in Nürnberg an und staunte nicht schlecht, wie miserabel ein Bahnhof aussehen konnte. Im Verhältnis Größe der Stadt zu Schönheit des Bahnhofs war Peine im Gegensatz definitiv eine vergoldete Toilette inklusive Arschspülung. Wie dem auch sei, auf zu Gleis 14, um den Regio nach Bayreuth zu erwischen. Die hassgeliebte Kippe im Mund, stratzte ich zum Bahngleis und fragte, gottseidank muss man dazu sagen, eine Frau nochmals, ob dies der Zug nach Bayreuth sei (was zwar dran stand, aber weiß mans? Man weiß es eben nicht). Diese Frau erklärte mir im tiefsten....oberfränkisch...bayerisch...wie auch immer, dass dies der Zug nach woanders sei und ich in den Wagen dahinter müsse, diese Wagen würden in irgendwospäter getrennt. Glück gehabt. Die Komfortabilität des ICEs vermissend, drehte ich meinen iPod lauter, um so die Automotoren-eines-schlecht-tiefergelegten-polos-geräusche des Regionalexpress (er nannte sich Franken-Sachsen-Express, falls ihrs wissen wollt) zu entfliehen. Nur noch eine Stunde. Dann Urlaub.
22 Uhr. Ankunft Bahnhof Bayreuth. Freudige Erwartung und da kommt Mauni auch schon auf mich zu gestiefelt, kurze Umarmung, ab auf die Fahrräder in Richtung Richard-Wagner-Straße. Und hier liegt ja der Spitz auf dem Teppichfell. Wie kann man denn in Bayreuth studieren und dann in der Richard-Wagner-Straße wohnen? Das ist ja wie in Hamburg wohnen und auf der Udo-Lindenberg-Chaussee wohnen oder sowas. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Jedenfalls zu offensichtlich um als Witz vermarket zu werden: Fakt ist, sie wohnt wirklich in der Richard-Wagner-Straße. Wie man unschwer erkennen kann, waren wir am 1. Mai im Botanischen Garten unter anderem und die Sonne schien uns von da an auf den Pelz.
Meine Ankunft wurde auch zugleich, also nachdem wir kuschelig uns das Bett geteilt haben, mit einem Aktien-Radler auf dem Marktplatz begossen.
Es folgt das obligatorische Bild:
In Bayreuth liegt definitv der Hund begraben. Malerisch schön, ja. Für "junge" Menschen geeignet, ein ganz klares eher nicht, meine Herren. Dies ist eine recht diplomatische Antwort. So gefiel es mir diese vier Tage doch außerordentlich wunderbar in dem kleinen, kopfpsteingepflasterten Städtchen. Sauber wars, schöner Park, nette Biergärten und Brauereien. Aber hier leben? Nein, danke. Jedenfalls nicht vor 65.
Wo ist der Fehler im folgenden Bild?
Freundlich waren alle Menschen, aber man hat doch das Gefühl, Ausländer zu sein irgendwie. Ich finde den Dialekt ganz schön und recht sympathisch. Aber selbst beim Hallo enttarnt man sich schon als Nordlicht, beziehungsweise nicht-Bayer. Diese lassen sich gar nichts anmerken und waren auch alle nett und freundlich, und doch ist es einem aus unerklärlichen Gründen unangenehm. Nicht so zu sprechen wie der Rest der Meute. Kein behagliches Gefühl und vielleicht zum ersten, aber nicht zum letzten Mal wünscht man sich, auch wenigstens einen kleinen Dialekt (nicht gerade sächsich, pfui bah) sich anzueignen. Da hat doch die Frau im Botanischen Garten tatsächlich ADÉ gesagt, als wir gegangen sind?! Ich fasste es nicht und antwortete mit einem nordischen, kurz gesprochenen: tschüss.
Am Abend weihte ich meine reizende, gelockte Freundin in die schöne Kunst des Pfannenpizzabackens ein und gemeinsam mit Mitbewohnerin Nadine verspeisten wir sechs Pizzen (hey, sie waren klein und wir hungrig). Man sieht mich hier übrigens beim Teigkneten. Auch wenn das nicht recht deutlich wird. Aber beachten kann man ruhig die Küchendeko im Hintergrund, schwedisch, meine Liaben.
So sieht wohl ein Studenten WG Tisch aus. Wein aus Gläsern von IKEA. Hmmm.
Achja, das vollendete Werk: Lecker wars!
Ausatmen. Auflösung gibt es weiter unten im Text.
Slag Line: Gibt es das auch in anderen deutschen Großstädten? Noch nie vorher gesehen, aber coole Sportart. Hippie Style, mit Joint im Mund und Gitarre am Anschlag.
Das Wetter war, wider Erwarten, unschlagbar. Ich bin so erholt, es ist unfassbar (und dazu auch noch so günstig). Ich könnte das jedes Wochenende machen, jedes Mal wen anders besuchen, neue Städte kennen lernen, Fotos schießen, Bier trinken (regional abhängig). Freundschaften pflegen. Ha.
Oh, es folgt der gewalttätige Beitrag: Enten beim geheimen Fight Club in flagranti erwischt.
erst ist noch alles gut...der bayreuther Durchschnittsbürger füttert das Entenvolk...
...Eskalation der Situation...Machtkämpfe werden ausgetragen...
...Flucht...
....erbittert...
....bis einer tot ist....
....zweiter Versuch, gelungene Flucht.
mia schloafe
Chillen und Grillen - fantastisch, ich liebe Wiesen. Sollte ich in Hamburg nun auch öfter tun, man sollte sich im Alltag kleine Freiräume schaffen, die man für nicht-gewöhnliches nutzt, die Augenblicke genießen und mit ordentlich Erfrischung begießen. Auf die Liebe, die Freundschaft und das Leben, es ist nur kurz!
Übrigens, Bayreuth ist echt ziemlich grün und schön.
Waren auch beim Mexikaner, habe die Dame ausgeführt. Ist nicht Jose Tejas, aber war nicht übel.
"Stadtfest" in Bayreuth. Es war 21 Uhr als die Aufnahme entstand, da steppt der Bär.
Des hoam wa bestellt. Oh Gott, ich bin so schlecht in Dialekte nachmachen, aber ihr wisst scho, was i mein, gell?
Es bleibt zu sagen, dass dies die vier besten Tage seit langem waren. Herrlich entspannend, einfach nur faul gewesen, gemacht, auf was man Lust hatte und das Leben in vollen Zügen genossen. Morgen hat mich der Uni Alltag gleich mit einem ätzenden Referatsvortrag wieder.
E(I)ss dein Schnitzel, sonst kriegst du keinen Nachtisch!
2 Kommentare:
Fehler im Bild: der Apostroph.
Ich weiß nicht wer du bist hab aber zufällig deinen Blog bei Laura gesehen - und gelesen...und wie schnell. Super lustig, leicht verständlich und man will am liebsten alles alles alles, so soll es sein :)
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