Seit Donnerstag bin ich offiziell Hamburgerin. Mein Perso wurde überklebt. Ich wohne jetzt nicht mehr Friedenstraße 24 in Ilsede, sondern Siebenschön 1 in Hamburg. Sechs Euro hat der Spaß gekostet und unter den Tropfen Wehmut mischte sich auch Freude über die wunderschöne neue Adresse.
Ach, schön. Eben hatten Selda und ich wieder einen witzigen Moment in unserem beschaulichen WG-Leben - brauche ich jetzt nicht erzählen - da hätte man dabei sein müssen (na gut, ich kann es ja kurz berichten, aber es wird nicht so witzig sein wie in dem Moment: Also als ich Zähne geputzt habe, kam Selda rein und wir haben uns gefragt, was wohl unsere Vor - und Vermieterin über unsere schön gestrichene Wohnung sagen würden und ärgerten uns mal wieder über die kaputte Türklinke auf dem Klo und dass die Tür auch immer zugehen würde. Daraufhin überlegten wir, ob wir uns einen dieser Metalltürstopper zulegen und uns als Deko einen unserer Hundeschwanzhalter draufstecken sollten. Selda fragte sich, ob man nicht einfach nur den Hundeschwanz hinlegen könne, worauf ich natürlich nein sagte, denn das Teil ist ganz leicht und das würde die Tür nie stoppen, nahm aber trotzdem den pinken Hundeschwanz von der Wand und legte ihn vor die Tür, die daraufhin nicht mehr zu ging - lange nicht mehr so gelacht). Wir haben jetzt einen pinken Hundeschwanz als Türstopper vorm Klo. Denn wir kacken nur bei offener Tür. Nein man.
Man fragt sich, wie das so ist, mit seiner besten Freundin unter einem Dach zu leben (dann auch noch in der wunderbarsten Stadt des Nordens). Nun ja, wir sind ein eingespieltes Team. Mittlerweile ist dann doch der Alltag eingekehrt. Zelt steht für gewöhnlich irgendwann vor sieben auf, duscht, fönt sich die Haare, geht ins UKE - ich höre nichts. Dann irgendwann, wie es mein relativ entspannter Stundenplan verlangt, stehe ich auf, verlasse das Haus, verpasse den Bus und gehe auch zur Uni. Meist kommt Selda dann gegen fünf nach Hause und ich etwas später oder sehr viel später, je nachdem. Sie lernt, ich koche, wir sind in unseren Zimmern. Eventuell noch ein kleiner Infoaustausch oder zusammen essen. Manchmal Peter Zwegat oder Bauer sucht Frau (ansonsten gehen unsere Gute-Fernseh-Unterhaltungs-Geschmäcker doch so extrem auseinander, dass wir kein Fernsehen zusammen gucken können). Ab und an nochmal ein Bierchen oder ein schöner Rotwein zusammen. Einen Putzplan oder sowas haben wir nicht, wenn es danach verlangt, machen wir es halt. Mal bringt der eine den Müll raus, mal der andere. Wir haben letzte Woche bei einer kleinen Lokstedt Exkursion ein schönes Einkaufszentrum inklusive Wochenmarkt und Kopfsteinpflasterinnenstadt gefunden und sind davon so begeistert (Selda: "oh mein Gott, mein Herz, es gibt Ernsting´s Family!"), dass wir dort nun immer einkaufen gehen. Ansonsten ist es aber nicht so, dass wir, nur weil wir zusammen wohnen, unsere Leben auch zusammen leben. Das ist auch gut so, weil man sich wohl sonst sehr schnell auf den Sack geht gegenseitig. Wir haben jetzt auf jeden Fall eine gute Mitte gefunden und so kann es bleiben.
Vor ein paar Tagen hat es mir wieder fast das Herz vor Sehnsucht zerrissen. Ich habe seit langem wieder mit den Kindern geskypt. Wir reden hier von Vermissen, das weh tut. Manchmal denkt man so an den Kleinen und vermisst ihn so stark... dass man ihn morgens nicht wecken kann, dass er einen nicht umarmt und einen kleinen Kuss gibt, dass man ihn beruhigen kann, wenn er sich weh getan hat... man möchte sofort ins nächste Flugzeug steigen und wieder zurück in die schöne amerikanische Idylle. Drei Monate muss ich mich noch gedulden, aber dann geht es endlich wieder zurück.
Das Gespräch begann schon so, dass TJ sich die Augen zuhielt, er aber sein breites Grinsen nicht verstecken konnte. Ich erfahre ja dann auch immer von Laura oder Lisa, dass er sich immer sehr freut, mit mir zu skypen, schämt sich dann aber immer oder ist aufgeregt. Jedenfalls wurde er dann warm nach kurzer Zeit und hat seine Jokermaske (von Batman) aufgesetzt und Faxen gemacht (ich hab mir dann auch meine Ohrenmütze aufgesetzt, an die er sich noch erinnern konnte). Er war generell viel gesprächiger und williger als sonst und so konnten wir uns echt gut unterhalten. Bei TJ kann man immer sehr gut an seinem Verhalten beoabchten, wie es ihm gerade geht. Ich habe ihm zum Beispiel gesagt, dass ich ihm was schönes besorgt habe und er hat sich total gefreut und gefragt, was es denn sei, worauf ich meinte, dass Santa Claus es ihm Weihnachten bringt. Darauf folgte ein knöriges: I don´t like Christmas! Kurze Zeit kam er dann auch auf ein Time Out, weil er am Computer rumgespielt hat. Ally saß die ganze Zeit auch mit vor dem Laptop und freute sich offensichtlich über die Person im Bildschirm (ob sie sich noch an mich erinnert, weiß ich nicht). Ich war doch sehr überrascht, dass die beiden so gut reden können. Ally versteht alles und kann auch schon so bedeutende Worte wie Apple Juice sagen. Meinen Namen hat sich auch nachgeplappert, was ziemlich cool war. Ihre Gebärdensprache wurden auch von meinem gelehrten "Thumps Up" um Lauras "Rock On" erweitert. Sogar Ally kann die Finger so biegen, auch sehr cool. Sind schon coole kasachische Kids, die beiden. Während mir TJ was erzählte nahm ich meinen Mac und setzte mich in die Küche, um eine Orange zu essen. TJ und Ally fanden es äußerst amüsant, so zu tun, als würden sie auch abbeißen und so "fütterte" ich die beiden mit der Orange und schob mir die Schale in den Mund - Kinder waren sehr begeistert. Das war mal wieder richtig schön, aber als sich das Gespräch leider dem Ende neigte, wurde der kleine Mann richtig pissig. Ich meinte, ich müsse jetzt leider auflegen und er wurde sauer und meinte, er möge mich nicht mehr und wollte den Computer hauen. Das tat mir richtig weh, er war echt traurig und wütend. Ich habe zwar gesagt, dass ich doch bald wiederkommen würde, aber das hat auch nichts mehr geholfen.
Am nächsten Tag konnte ich nochmal mit TJ skypen als Ally noch geschlafen hat und mir wurde prompt mein undankbarer Abgang gedankt, indem TJ sich kurzerhand umdreht und seinen nackten Hintern in die Kamera hielt (ich hab davon ein Foto gemacht, lade es aber hier bestimmt nicht hoch). Und von wem hat er dieses Verhalten? Natürlich seinem Vater. Der hat nämlich einmal, als Judy, TJ und ich mit Lisa und Jon in Kasachstan geskypt haben im Hintergrund einfach seine Hose runtergezogen und sein Gesäß entblöst. Judy hatte sich damals weggehauen, TJ auch und ich dachte nur: das hat er gerade nicht vor dir gemacht.
Scheinbar hatte sich TJ das gemerkt. Als wir uns dann verabschiedeten, ist er auch nicht so ausgerastet wie den Tag davor und ich fühlte mich besser.
Man kann das einfach kaum nachvollziehen, ich hab den kleinen ja auch geliebt und jeden Tag mit ihm verbracht und von heute auf morgen haut man einfach ab und weiß nicht, wann man sich wiedersieht. Mir kommt es schon wie eine Ewigkeit vor, obwohl es gerade mal vier Monate sind. Vier Monate nicht sehen sind aber definitiv schon zu lang. Deswegen fliege ich am 20. Februar auch wieder für zwei Wochen hin: Yeey!

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