Freitag, 14. November 2008

Mein erstes Mal

...hatte ich gestern mit Uli im Henssler und Henssler an der Großen Elbstraße. Sushi. Wer hätte gedacht, dass ich das nochmal essen würde, nachdem ein Versuch in New York kläglich gescheitert war. Die Wiedersehensfreude war groß, nachdem man sich knapp anderthalb Jahre nicht gesehen hatte und nach einem kurzen Abstecher in die Sofabar, ließen wir uns zum Hafen chauffieren. Wie dekadent. Am Eingang des Restaurants wurde uns sofort aus den Jacken geholfen und ich kam mir ein bisschen fehl am Platz vor mit meinen gemütlichen Sneakern und meiner Jeans - aber hey, unser Mantra gestern Abend lautete: Wir zahlen genauso viel wie alle anderen. So war es ja auch, also entspannen, Lischen. Jedenfalls bekamen wir noch zwei Plätze an der Sushi Bar (was ich im Übrigen gar nicht schlecht fand, konnte ich doch so den vielen Köchen und dem Meister persönlich beim Zubereiten der Speisen zuschauen). Vor uns lagen jeweils eine Tuchserviette, zwei Stäbchen, platziert auf einem Porzellanfisch und eine kleine Schale (für die Sojasauce, ließ ich mir von Weltmann Uli erklären). Dann stand da noch eine mini schwarze Teekanne, wo die Sojasauce drin war. Aha. 

Einschub: Für die Leute unter euch, die schon mit Suhsi Bekanntschaft gemacht haben, sei gesagt, dass der Artikel wohl etwas uninteressant und naiv erscheint, aber ich wollte mein erstes Mal doch etwas detaillierter hier schildern.

Schon trat der Kellner an unsere Seite und fragte nach unseren Wünschen. Wir bestellten jeder eine Misosuppe und zusammen gemischtes Tempura. Dann konnte es ja losgehen. Während wir auf das Essen warteten, beobachtete ich den Sushimeister vor mir, wie er geschickt diese grünen Blättchen (die heißen Nori) hinlegte, klebrigen Sushireis drauf verteilte, aus einer Glasvitrine, welche mittels eines Eisstabs gekühlt wurde, ein Stückchen Fisch herausnahm, auf den Reis legte, darüber noch Avocado und -Gurkenstücke legte und mithilfe einer Bastrolle die perfekte Sushirolle herstellte. So ging das Schlag auf Schlag. Mal kam etwas orangener Kavier oben drauf, mal Sesam, mal Gewürz, dann wieder aussen Reis, innen Reis...zig Variationen. Angerichtet wurde auf massiven Holzplatten oder riesigen Holzschiffen. 

Plötzlich stellte eine Dame eine kleine Schale mit Deckel vor mich und hob den Deckel ab. Bei Uli tat sie das gleiche und anschließend stellte sie mittig von uns die Platte mit dem Tempura. Das sind verschiedene, frittierte Speisen (Fisch und Gemüse). Dazu reichte sie uns eine Schale mit drei verschiedenen Saucen: Mayonaise, Curry-Erdnuss und Soja. Etwas kritisch blickte ich auf die Stäbchen und fragte mich, wie ich damit die Suppe löffeln sollte. Also bestellten wir Rednecks noch zwei Löffel. Als Erstes probierte ich das Tempura und dippte es in eine der Saucen. Garnele. Erstaunlich lecker. Dann kam ich zu der Suppe, ich schnupperte anerkennend an dem dampfenden, trüben Zeug und merkte an, dass es etwas nach Algen riechen würde... ich wurde daraufhin belehrt, dass es sich um eine Seetangsuppe handelt. Alles klärchen! Wieder was gelernt. Miso-Suppe = Seetang-Suppe. Immer rein damit. Sehr würzig und sehr lecker. Während des genüsslichen Schlürfens (ich habe nicht wirklich geschlürft, ich hasse ja Essgeräusche), fand ich ein paar Eierstichwürfel in der Suppe und erfreute mich dieses gewohnten Anblicks heimischer Küche. 

Natürlich war es kein Eierstich, wie ich an diesem lehrreichen Abend lernte, sondern Tofu. Also auch gleich mein erstes Mal Tofu. Schmeckt eigentlich nach nichts, wenn ich ehrlich bin. Aber cooler Trick. Nachdem die Schale geleert war, widmeten wir uns wieder dem Tempura mit unseren Stäbchen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich anfangs etwas behindert mit dem dünnen Holz anstellte, mich jedoch dann relativ schnell zurecht fand. Auf der gemischten Platte hatten wir dann noch eine Zucchinischeibe, eine Paprikascheibe, eine Kürbisscheibe und eine weitere Garnele. 

Die Teller wurden abgeräumt. Uli bestellte ein Bitter Lemon und ich gönnte mir einen Rießling, der wirklich vorzüglich war. Ich glaube, es war der beste Weißwein, den ich je getrunken habe. Dann wurde es ernst: Wir bestellten eine gemischte Sushiplatte, betonten aber, wir hätten gerne einmal Chicken Teriyaki Roll - für den Fall, dass ich den Fisch nicht mögen würde. Den Rest überließen wir dem Koch. Während wir uns also angeregt unterhielten und ich andächtig an meinem Wein nippte, schaute ich mich ein wenig im Raum um. Da hatten wir zunächst an jedem Tisch mindestens einen Werbefuzzi, wie Uli sie nannte (ist ja nicht so, dass er aus dem gleichen Metier käme): groß, lange Haare nach hinten gegelt, Hornbrille, V-Ausschnitt-Pullover oder gerne auch das schlichte weiße Hemd. Frauen: dürre, in schwarz gekleidet, frisch, sexy, erfolgreich, bla bla bla. Susann Atwell war übrigens auch da mit zwei Freunden. Und Steffen Henssler himself auch (schaute seinen Köchen in den Topf, macht bei der Kocharena auf Vox mit). Ich fühlte mich klein und relativ hässlich, aber immerhin: wir zahlen genau das gleiche wie die anderen auch, rief ich mir zurück ins Hirn. Stimmt ja auch.

Das Schiff kam. Auf einem schwarzen, hölzernen Modellschiff wurde unser Sushi serviert. Die Kellnerin erklärte, was wir vor uns hatten: Chicken Teriyaki Roll, Spicy Duck Roll (Ente, puh), Spicy Tuna Roll und noch irgendeine Rolle, deren Name ich vergessen habe, aber es war Garnele drin und Spicy Tuna Tartar drauf (was übrigens ungefähr so schmeckt wie Mett - lecker). Dazu wurde uns aus den mini Teekannen Sojasauce in die Schalen gegossen. Und wir bekamen jeder einen Teller mit eingelegten Ingwerscheiben und einem mittelgroßen Haufen Wasabi. Ab dafür!

Ich schlinzte zu Uli und der nahm die Wasabicreme mit den Stäbchen und mischte sie in die Sojasauce. Ich tat es ihm gleich, da ich ja eh nicht wusste, wozu diese Merretich-Art gut war. Dann schob ich mir zunächst die Chickenrolle mit Sojasauce in den Mund. Lecker. Danach wurschtelte ich mich durch alle vier Rollen, wobei natürlich zu erwähnen sei, dass ich ein Stück auf halbem Weg zum Mund verloren habe (Stäbchen zu stark zusammen gedrückt) und sie zu meinem Entzücken mit einem lauten Platsch in die Sojasauce viel und alles mit dem braunen Zeug besudelte. Hat aber nichts gemacht, da es so laut im geschäftigen Restaurant war, dass es eh keiner gehört hat und die beiden Yuppie-Herren neben uns eh von Stunde zu Stunde besoffener wurden, da sie bereits eine halbe Flasche Sake geleert hatten (der übrigens warm serviert wurd - igitt). Sie fummelten sich mittlerweile im Ohr des anderen rum. Da ging noch was den Abend, bestimmt!

Widererwarten bekam ich also nach dem vielen Fisch keinen Brechreiz und genoss dieses erhabene Mahl sehr, war es doch sowas von schick und edel angerichtet. Wir aßen übrigens ausschließlich Maki Sushi. Normale und inside out. Das sind diese typischen Sushirollen, wobei der Reis aber außen war und das Nori innen. Es gibt auch noch Sashimi, das ist einfach ein Stück roher Fisch (es ist immer roher Fisch), Nigiri gibt es auch noch, da wird der Fisch auf den Reis gedrückt.

Ja, so ist das wohl. Die letzten drei Rollen überließ ich gönnerhaft Uli, musste ich mich doch noch an den außergewöhnlichen (für meine Gaumenverhältnisse) Geschmack gewöhnen...außerdem folgte ja noch...Nachtisch! Dessert.

Uli orderte das Kokosparfait und ich Nougattopfen an Pflaumen. Und das, was folgte, war wirklich das beste, was ich je gegessen habe! Oh mein Gott, danke Welt für diesen Nachtisch! Beide! Ulis Dessert wurde in einem riesigen, tiefen Teller serviert, der bis zum Rand mit gecrushtem Eis gefüllt war. Oben auf lag eine halbe Kokosnussschale, auf der man nur eine hauchzarte Schokoschicht sah, die sofort einbrach, als er mit dem Löffel (zum Dessert bekamen wir netterweise Löffel) hineinstach. Darunter war ein kleiner Teich (keine Ahnung, welche Flüssigkeit es war, aber geil!) in dem Blaubeeren schwammen und darunter erkannte man schon eine Schicht gelb-orangenem Zeug, was sich als das Parfait herausstellte. Es war so lecker, ihr könnt es euch nicht vorstellen. Es schmeckte nur ganz leicht nach Kokos und intensiv nach Mango, wobei es Passionfruit war, wie ich lernte. Dazu diese dünne Schokolade. Ein Traum! Aber meins war auch nicht ohne. Auch ich bekam einen großen, tiefen Teller, in dem ein Spiegel aus Pflaumen, ein wenig Pflaumensauce war. Auf den Pflaumen thronten drei große Topfenbällchen, die mit gerösteten Kokosraspeln paniert waren. Ich stach mit dem Löffel in einen der Klöße und hinaus floss flüssiges Nougat! Kann man sich das vorstellen? Wie gut es geschmeckt hat? Richtig gut man! Die beiden Teller waren dann auch relativ schnell weggeputzt und wir forderten die Rechnung....ja. Ähm gut, hat halt seinen Preis. Wir gingen zum Ausgang und die nette Empfangsdame half uns in unsere Jacken.

Abschließend gingen wir eine Weile am wunderschönen Hafen (ach ich liebe ihn einfach) spazieren, um dann in einer Karaoke Bar auf der großen Freiheit zu versacken, Spaß zu haben und anschließend totmüde, pappsatt (jedoch nicht eklig, wie nach einem Burger, sondern irgendwie elitär, fein satt, wie nach sehr gutem Essen eben) in ein gelbes Taxi zu fallen und uns nach Hause chauffieren zu lassen. Danke für den Abend Uli, man! Das werde ich so schnell nicht vergessen, war richtig schön!

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