Am 20. Maerz war Anna gerade zu Besuch und wir sassen im Auto, um zu den Jersey Gardens zu fahren und Annas restliches Geld in Kleidung zu investieren. Wir machten uns also frohen Mutes und gut gelaunt auf den Weg. Waehrend wir schon eine ganze Weile auf dem Turnpike fuhren, wurde mir auf einmal klar, dass ich mich verfahren hatte und war etwas verwirrt. Also suchten wir uns den richtigen Exit und fuhren nach einem kurzen U-Turn erneut auf den Turnpike. Die naechste Abfahrt sollte unsere sein und so suchten wir nach Schildern, als hinter mir ploetzlich ein schwarzes Auto wild zu blinken anfing. Scheisse man, Undercover Strassenpatrouille! Habe in der Aufregung natuerlich auch nicht auf den Tacho geschaut und bin einfach rechts ruebergezogen, wo ich noch fast unter einen Truck geraten waere. Auf dem Standstreifen zum stehen gekommen, kurbelten wir Annas Fenster herunter, machten die Musik aus, holten meine Papiere raus und warteten auf den Polizisten, der dann auch sogleich kam. Die Geschichte, die jetzt kommt, kennt ihr ja (91mph anstatt maximal 65mph) und so kuerze ich das hier jetzt ab.
28. Mai, 7.45 Uhr. Ich setze mich ins Auto, lasse mir von Barbara nochmal alles Gute wuenschen und fahre Richtung Carteret zum Municipal Court. Dabei habe ich mein Ticket und meinen Reisepass. Um 10 nach 8 war ich im Gericht drin und fragte am Schalter, was ich jetzt machen solle. Die Dame zeigte mir auf einem Schwarzen Brett, wo ich meinen Namen suchen solle und dass ich mich danach auf einen Stuhl vor dem Gerichtssaal setzen und warten solle. Dort sass ich dann, zusammen mit noch einem Mann, und habe mein Buch gelesen. Gegen 10 vor 9 (meine Anhoerung sollte um 9 Uhr sein) fuellte sich so langsam der Gang mit einer bunten Mischung an Menschen, die alle das Gesetz in irgendeiner Weise nicht befolgt hatten. Habe natuerlich sofort ueberlegt, ob ich nicht gerade neben einem fiesen Serienkiller sitze, aber ich dachte mir dann, dass die sicher staerker ueberwacht werden wuerden. Wahrscheinlich auch alles nur arme Hunde, die nicht ganz den Fuss vom Gas bekommen haben.
Es wurde neun und es wurde zehn nach und endlich kam eine Frau, die fragte, ob irgendwelche Rechtsanwaelte im Raum seien, worauf zwei schnieke, aber aalglatte Anzugmenschen ihr in einen kleinen Raum folgten. Nach weiteren fuenf Minuten wurde der erste hereingerufen und kam kurz danach wieder heraus und ging in den Gerichtssaal. Dann war ich an der Reihe. Ich setzte mich hin und sie sagte nur, ich solle einen Zettel unterschreiben, gleich dem Richter sagen, dass ich fuer schuldig plaediere und dann wuerde er mir sagen, wieviel ich zu zahlen haette. Tschuess. Oh ha, das ging ja schnell. Ich hatte gar keine Chance irgendwelche Fragen zu stellen. Bin auch in den Gerichtssaal geagangen, der auch so aussieht, wie man sich einen Gerichtssaal vorstellt und habe mich hinter eine der Anwaelte auf eine Holzbank gesetzt.
Es waren ungefaehr 20 Leute in dem Saal. Es kam ein Polizist rein und dann der Richter und so ein anderer Typ, alle mussten sich erheben, bis der Richter (der eine Robe anhatte) sich hinsetzte. Er redete dann zwanzig Minuten sehr, sehr schnell, mit suedstaaten Akzent und als ob er den Mund nicht aufkriegen wuerde - ergo, ich habe nichts verstanden. Nichts man! Deswegen war ich auch sehr verunsichert. Tim, Lisas Vater, hatte mir vorher noch eindringlich eingeblaeut, dass ich auf nicht-schludig plaedieren sollte, auch wenn ich schuldig war, so haette ich die Chance vom Richter ueberhaupt angehoert zu werden und er sagte mir alles haarklein, was ich dem Richter vortragen sollte (es war viel). Innerlich war ich also gut vorbereitet und dann kam dieser Richter und ich verstand ihn nicht mal ansatzweise (den haette ich nicht mal auf Deutsch verstanden so wie der genuschelt hat). Mein Plan ging also den Bach runter. Mein Name wurde natuerlich auch als erstes aufgerufen und so stand ich mit zitternden Knien auf und ging durch die Klapptuer zum Richter und stellte mich vor ihn ans Mikrofon (voll heftig oder? Dabei bin ich nur zu schnell gefahren). Er ratterte irgendwas runter, ob ich verstehen wuerde, was ich falsch gemacht haette und ob alles so korrekt sei und ich murmelte nur immer ja... ja, korrekt. Ich habe extra meinen Ausweis mitgenommen und er fragte nicht mal danach. Dann haette auch gleich jemand anders fuer mich hingehen koennen, also wirklich. Vielleicht jemand, der die Sprache auch beherrscht. Ich wusste ja auch nicht wie man sich in so einem Gericht verhaelt.
So und auf einmal sagte er: Ihre Strafe betraegt 150 Dollars (ich dachte: yees), 6 Dollars Bearbeitungsgebuehr (OK, kann man mit Leben) und 33 Dollars fuer zum Gericht erscheinen (Was soll denn der Scheiss?!). War ich also mit 189 Dollars gerade mal 31 Dollars unter meinem Soll. Aber niemand hatte mir auch gesagt, dass man freche 33 Dollars fuer den Gerichtstermin nochmal extra bezahlen muss. Das ist doch ne Frechheit, dass man dafuer buesst, dass man sich verteidigen will -UND DANN NICHT EINMAL DIE CHANCE DAZU BEKOMMT, WEIL MAN NUR EINE ARME KLEINE DEUTSCHE DUMME MAUS IST, DIE KEINE AHNUNG VON VERBRECHEN UND ENGLISCH HAT (schnauf, schnauf, Herzklopfen, Aufregausschlag).
Mit diesen Worten wurde ich zum Schalter in einem anderen Teil des Gebaeudes geschickt und bezahlte kleinlaut meine Strafe und fuhr mit GANZ lauter Musik nach Hause. So ein Dreck.
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