Dienstag, 27. Mai 2008

Fung Wah in Everett

5.55 Uhr ist eine Zeit, in der ich mich meistens noch im Reich der wirren, abstrusen Traeume befinde (ich habe zum Beispiel einmal getraeumt, dass Oma Friedchen von einem violetten Wildschwein gejagt und gefressen wird - das war nicht so schoen). Vergangenen Samstag Morgen, um 5.55 Uhr, war ich aber schon beschaeftigt. Die Aus-Taste meines Handys blind zu finden und wach zu werden. Anja schnarchte und stoehnte noch ein letztes Mal geraeuschvoll und schon versuchte ich meine Augen aufzubekommen. Eher vergebens, aber was wollte man machen, um 7.08 Uhr ging unser Zug bereits nach Manhattan. Also rafften wir uns auf, grummelten vor uns hin und ueberliessen es der prickelnden Dusche, unsere Gemueter zu erwecken. Es war sehr hektisch an diesem Morgen im noch schlafenden Metuchen. Muesli wurde schnell herunter geschluckt, letzte Sachen in die ueberdimensionale North Face Reisetasche geschmissen, Handy geladen und zum Bahnhof gesprintet. Es sassen erstaunlich viele Leute im Zug, dafuer dass es Samstag morgens um 7.08 Uhr war. 

Ich hatte direkt Mitleid, denn die meisten von ihnen wuerden wohl gerade eher nicht auf dem Weg nach Boston sein, so wie Anja und ich. In der Penn Station angekommen, ging es einen Block oestlich Richtung Herald Square, von wo uns die orangene Linie F zur Canal Street in Chinatown brachte. Gegen 20 vor 9 erreichten wir die Fung Wah Busorganisation und warteten mit mindestens 70 anderen Leuten auf den Bus. Der erste kam, wurde befuellt und fuhr wieder. Aber der zweite war unser und wir sicherten uns einen Platz hinter einem abstrakten Paar (frische Eheleute, wie sich spaeter herausstellte). Die naechsten viereinhalb Stunden waren eher unspektakulaer und so ueberspringe ich sie. Naja, vielleicht berichte ich, dass ich das Paar vor uns beobachtet habe, wie sie Hochzeitsfotos von sich anguckten, Medizinberichte und Romane lasen und verfassten und sich gegenseitig mit Obst fuetterten. Anja schlief mehrfach und ich hoerte Musik mit meinem kaputten Kopfhoerer. 

Gegen halb zwei erreichte unser cooler Chinatownexpress die South Station in Boston und wir machten uns sofort auf den Weg, um die laestige Reisetasche loszuwerden. Zwischendurch etwas nervoes, weil man durchaus haette denken koennen, dass wir eine zerstueckelte Leiche mit uns rumtrugen aufgrund der imensen schwarzen Plastiktasche. Also ich haette das zumindest von anderen Leuten gedacht vielleicht. 

Interessanter wird es nun, denn wir versuchten unser Hostel zu finden. Wir hielten uns an die Beschreibung auf der Buchungsbescheinigung und nahmen die rote Linie, um dann an einer Junction auf die orangene Linie Richtung Outbound umzusteigen (man muss sagen, dass wir in den letzten zwei Tagen das bostonische Subway-System wirklich kennen gelernt haben). Wir fuhren und fuhren und fuhren und es ging ueber eine Bruecke und durch ein verrottetes Industriegebiet und die Hochhaeuser Bostons schoben sich in immer weitere Ferne. Nervositaet: wo zum Teufel liegt bitte dieses verdammte Hostel? 

Der Sullivan Square leuchtete auf, was fuer uns erneutes Umsteigen in einen Linienbus bedeutete. Wir fuhren wieder schier endlos durch die Einoede bis wir irgendwann auf einer kleinen Hauptstrasse in einem Ort hielten, der auch Metuchen haette sein koennen. Noch kurz nach dem Weg gefragt, fanden wir endlich unser abgelegens Hostel und erfuhren, dass wir in einem Vorort namens Everett waren. Shuttlebusse gab es auch nicht und die Subway fuhr bis nachts halb 1. Wunderbar. 

Das hoert sich alles total furchtbar und beschissen an. Total in die Hose gegangen der Trip? Na mal sehen, jetzt ist es schon sehr spaet, ich bin kaputt und morgen gehts um 7.15 Uhr raus. Gruende genug, um den Blogpost hier abzuschliessen und morgen weiter zu machen. Aber hier noch kurz drei Fotos, die den Trip kurz beschreiben und Vorfreude auf morgen machen sollen ;) Gute Nacht liebe Freunde in der Heimat.



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