Dienstag, 12. Februar 2008

Murphy's Law

"Geil", denkst du unweigerlich, wenn du mitten im Februar von den schoensten Sonnenstrahlen morgens geweckt wirst und eh vorhattest, den Tag draussen zu verbringen. Das i-Tuepfelchen sozusagen. Gut, dass Muttern gerade auf der anderen Seite der Welt sitzt, denn so bekommt sie nicht mit, dass ich keine Jacke anziehe heute, erlaube ich mir frecherweise zu denken.

Um eins wollten Freundin Larissa, Freundin Anja und ich uns an der Penn Station treffen, um Downtown nach Chinatown zu fahren und der Neujahrsparade beizuwohnen. So zog ich mir also ein Top an (fast wie ein Unterhemd, wa), ein Kleidchen drueber, einen Pullover drueber und noch einen Cardigan drueber und natuerlich noch einen Schal und eine Muetze oben drauf. Ich nahm an, dass ich bestens geruestet war fuer diesen wunderbaren Tag. War ich auch, echt mal. Bin dann um 12 zum Bahnhof gestiefelt, habe natuerlich mein Wasser zu Hause vergessen, war aber egal, ich hatte gute Laune und wollte mir jene nicht mit ein bisschen Durst Pipapo versauen. Die paar Sonnenstrahlen noch mitgenommen, bevor der Zug kam und puenktlich um eins mit den anderen getroffen. Wir waren ausserordentlich beseelt durch die Tatsache, dass es ein verdammt geiler Tag zu werden schien. Die Wolkenkratzer setzten sich kontrastreich gegen den strahlend blauen Himmel (wolkenlos) in Szene. Noch schnell einen delizioesen Erdbeer Smoothie gekauft und ab ging es in die gute, alte, blaue ACE Subway Richtung Canal Street.

Dort gab mir Larissa bei vollem Waggon meinen rosa Slip zurueck, den ich letztes Mal bei ihr vergessen hatte. Gut, aber er war ja auch schick, braucht man sich auch nicht fuer seine Unterwaesche schaemen und den Maennern im Zug hat es sicher gefallen. In Chinatown angekommen, gratulierten wir uns selbst nochmal kurz fuer das grandiose Wetter und ich persoenlich, heimlich mir erneut selbst, dass ich das System ausgetrickst und keine Jacke mitgenommen habe. Auf die Frage, ob Anjas Gasteltern sich auch die Parade angucken wuerden (der gute David ist naemlich original Chinese in Hong Kong geboren), verneinte Anja, da sie im Wetterbericht gehoert hatten, dass ein Schneesturm fuer die Stadt erwartet wird. Hahaha...ha. Ja, ist klar, David, ist klar, mein kleiner, suesser Chinesenjunge. Weisst du, in China kannst du solchen absurden Wettervorhersagen vielleicht glauben schenken, hier aber nicht! Das ist Amerika, sperr die Augen auf und guck in Himmel, es scheint die Sonne, alter!

Trotz Anjas Aufstoehnen, sich doch zu beeilen, damit wir die Parade nicht zu verpassen, liessen Larissa und ich es uns nicht nehmen, noch in das ein oder andere Geschaeft hineinzuschnuppern (ey Downtown man, was meinste, was du da shoppen kannst). Haben auch sogar ein aeusserst interessantes Schuhgeschaeft gefunden, wo alle Converse Schuhe 50% reduziert waren. Wie gut ist das denn? Gar nicht drueber nachdenken, sondern sofort jeder ein Paar mitgenommen. Laut des freundlichen Verkaeufers mussten wir nur noch die Strasse hochlaufen und da sollte die Parade sein, sei aber wohl schon zu Ende. Ach was, laber nicht. Wir zogen also los, die dunklen Wolken, die ueber Midtown langsam aufzogen, nicht beachtend. Ueberall Konfetti und Luftschlangen auf der Strasse, aber keine Leute, keine Chinese, keine Drachen, keine Parade. Komisch. Mist. Am Ende der Mulberry Street haben wir dann doch noch die letzten Auslaeufer gefunden und ein bisschen mit dreckigem Konfetti auf der Strasse herumgespielt. Enttaeuscht und mit knurrenden Maegen entschieden wir uns, die schoene Bar Pitti in Soho aufzusuchen, um dort, umgeben von Models, Schauspielern und anderen schoenen Menschen, zu speisen. Leider war alles voll, aber da wir uns nicht unterkriegen lassen wollten (nicht noch mehr), sind wir einfach nebenan ins Da Silvanos gegangen, dort gibt es auch schoene Menschen zu beobachten und man bekommt auch kaltgepresstes Olivenoel als Vorspeise.

Also reingegangen, Platz bekommen, jeder ein Wasser bestellt, frisches Weissbrot in Oel gedippt, verspeist und natuerlich schoene Menschen beobachtet. Es war zwar etwas absonderlich, was meinen Augen geboten wurde (an dem Tisch vor mir sassen fuenf schwule Styler Mitte 50 - die gutaussehende Sorte- und das eine Paar hat sich immer gegenseitig an den Ohren geknibbelt, durchgehend, da weiss man ja, was abends noch ansteht), aber trotzdem unterhaltend. Gut, der liebreizende Kellner kam dann auch alsbald und hat uns Wein angeboten (woohoo, aber wir haben doch dankend abgelehnt, die Schmach, die uns bevorzustehen drohte, wenn sie unsere IDs sehen wollten, musste uns erspart bleiben). Anja und ich bestellten jeweils Pasta, ich noch einen kleinen Salat und Larissa ebenfalls einen Salat. Genuesslich wurden die dann doch etwas klein ausfallenden Portionen verspeist (es wurde reichlich guter, frischer Parmesan druebergerieben). Mittlerweile hatte sich draussen ein fetter Schneesturm seinen weg nach Downtown gebahnt und verschneite die Strassen, die Leute, die auf der Sixth Avenue noch unterwegs waren, gingen im 90 Grad Winkel und hatten alles zugezogen, was es an ihrer Kleidung zuzuziehen gab und dann fingen wir an, etwas verzweifelt und hysterisch zu lachen als wir auch noch die Rechung ueber 95 Dollars bekommen haben. Mit einem freundlichen Laecheln serviert. Schade eigentlich, die zwei Paar Schuhe, die wir erstanden haben, waren leider weit guenstiger als die paar Nudeln da.

95 Dollars leichter, ohne Jacke, ohne Hoffnung auf Trockenheit und Waerme, bepackt mit einer schweren Tuete ging es wieder nach draussen. Vorm Essen war noch Fruehling - was war passiert? Es war schneidend kalt draussen, sodass wir nur noch kurz ins chinesische Gap gegangen sind, um dann die Subway Uptown zu nehmen und ins Kino am Times Square zu gehen. Wir wollten 27 Dresses mit Katherine Heigl sehen, der Schnitte aus Grey's Anatomy. Bei unserem Glueck lief der Film natuerlich nicht und so entschieden wir uns fuer Welcome Home Roscoe Jenkins, einer Komoedie mit Martin Lawrence. Tja, im Kino selbst sahen dann auch alle anderen aus wie Martin Lawrence und da der Film die typische afroamerikanische Familie auf die Schippe nimmt, wurde auch dementsprechend laut und frei gelacht (wir haben circa 40% der Witze nicht mal verstanden). Anja verabschiedete sich danach postwendend und fuhr zurueck nach Maplewood, waehrend Larissa und ich noch einen Abstecher zur Coldstone Creamery machten uns uns jeweils einen Like It Berry Trinity Smoothie kauften. Aber danach haben wir sofort das Weite gesucht, denn es war dermassen kalt, dass meine Lippen geschmerzt haben und meine Augen traenten (und ich hatte keine Jacke an). Als ich gegen zehn zu Hause war, habe ich erstmal drei Kreuze gemacht. Naja wenigstens neue Chuchs fuer 30 Dollars. Yippie!

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