Montag, 20. August 2007

Pfannkuchen und Ahornsirup




Samstag habe ich mir den Wecker extra um halb neun gestellt, damit ich puenktlich um zehn Uhr fertig bin. Um die Uhrzeit wollten wir naemlich zu unserem zwei-Tage-Trip in die Poconos aufbrechen. Ich also raus aus dem Bett, schnell geduscht und die paar Haare, die ich noch habe, trocken gefoent.
Mein kleines Reisetaeschchen hatte ich schon am Tag zuvor fertig gepackt, da wir urspruenglich ja am Freitag fahren wollten. Um halb zehn stand ich dann unten im Flur. Tasche in der rechten, iPod in der linken, bereit Pennsylvania, den Staat der Amish People zu erkunden - wie naiv von mir. Denn niemand ausser mir war auch nur ansatzweise fertig zum Aufbruch. Jon stand noch unter der Dusche, Lisa packte gerade ein Lunchpaket fuer TJ (seine Klamotten lagen noch im Gaestezimmer) und TJ sass auf seinem Miniklo und sang 'Twinkle, twinkle little star'. Gut, ich also Koefferchen wieder abgestellt und gefragt, ob ich was helfen koenne und Lisa meinte nur, dass sie das schafft und sich entschuldigt, dass wir noch nicht loskoennten. Die Zeit verging. Ich sass solange auf dem Sofa und guckte Grey's Anatomy (wir nehmen unsere Serien immer mit dem Rekorder auf, damit man die Werbung vorspulen kann, welch ein Luxus).

Elf Uhr. Jon fing an, die sieben Reisetaschen, die wir hatten, ins Auto zu packen. Ich wollte den Kofferraum gerade schliessen, da sagte er: Warte, da kommt doch noch was, und stellte die Strandtasche mit den Handtuechern, das Wasserspielzeug und sein Macbook noch mit rein. Ich machte das Auto zu, schnallte TJ an und dann mich. Jon kam auch und setzte sich mit ins Auto, ging dann aber gleich wieder rein, weil wir die 'Wheels on the Bus' CD vergessen hatten. Dann kam er wieder. Lisa war immer noch drin und so nutzte ich die letzte Gelegenheit, schnallte mich schnell ab, um meinen Haferflockenkeks von Starbucks aus dem Kuehlschrank zu holen. Als ich gerade an der Tuer war, wollte Lisa sie abschliessen und fragte mich, ob ich was vergessen haette und nochmal rein wolle, aber ich verneinte nur hastig und war froh, dass sie endlich abschloss.
Wir sassen gerade alle vier im Auto, da viel Jon ein, dass erdie Geburtstagskarte fuer Judy vergessen hatte (der eigentliche Grund, wieso wir ueberhaupt in die Berge wollten). Ich also mit rein und meinen Haferflockenkeks geholt. Es war halb zwoelf, wir fuhren los... hielten aber an der naechsten Kreuzung erneut an, um einen Kuchen zu kaufen und dann nochmal beim Arzt, damit sie ihre Impfungen kontrollieren konnten.


Die Fahrt verlief dann ganz ruhig mit ein paar kleineren Staus und zwei Uhr machten wir einen Zwischenstopp bei 'Hot Dog Johnny's', dem beruehmt beruechtigten Hot Dog Imbiss im Norden New Jerseys (Jon hatte passenderweise an dem Tag auch ein 'Hot Dog Johnny's' T-Shirt an). Die Hot Dogs und vor allem die Pommes waren richtig lecker und Lisa machte ein Foto von mir, wie ich den original 'Hot Dog Johnny's' Hot Dog verschlang. Die Millers waren sich einig, dass man diesen legendaeren Imbiss nicht verpassen duerfte und kauften TJ auch gleich ein T-Shirt.

Nach einer weiteren knappen Stunde erreichten wir Judys Haus in den Poconos. Das Haus ist klein, mit roten Holzschindeln bedeckt und von Nadelbaeumen umrankt (ich dachte ich bin im Harz). Joe, Jons 14 jaehriger Cousin, Judy, TJ und ich machten sofort eine kleine Tour mit dem Golf Cart und sie zeigten mir den wunderschoenen, grossen See, ihr kleines Kanu und die Spielplaetze. Leider war das Wetter beide Tage nicht so gut und wir konnten kein Kanu fahren.

Abends gab es...richtig, Barbecue. Ich bereitete den Salat vor (meine Familie ist es nicht gewohnt, so 'viel' Salat zu essen, vor allem nicht beim Grillen, aber ich zwinge sie dazu, weil es fuer mich dazugehoert). Lisa grillte die Cheeseburger und die Wuerstchen fuer die Hot Dogs und Judy stellte alles weitere auf den Tisch (sprich Chips, Melonen, Tonnen von Mais, Senf, Ketchup und Tomaten fuer die Burger). Die Jungs spielten Baseball, wie immer (uebrigens hab ich es dann auch mal versucht und Jon meinte, ich waere ein guter Pitcher. Ha).


Zum Nachtisch (wenn wir grillen gibt es immer Nachtisch und man muss es essen, egal wie voll man ist) gab es dann den Kuchen, den wir mitgebracht haben. Ganz mit Schokolade umhuellt, entpuppte er sich als leckischmecki Schokotorte. Traumhaft.

Joe ist dann kurz rein, hat Rehfutter gekauft und wir haben es ums Haus gestreut. Es kamen dann auch Rehe und haben in aller Ruhe neben uns gefuttert, ich dachte, ich waere im Zoo.

Nachdem TJ im Bett war, wollten Lisa, Jon, Joe und ich Memento gucken. Judy meinte, den Flatscreen haette sie neu und er geht manchmal einfach aus... Also schmissen wir um zehn den Film rein. Er war wirklich sehr spannend, und wir diskutieren heute noch, ob Leonard und Sammy eine Person sind und ob Teddy nun gut oder boese war). Um zwei waren wir dann fertig.
Wieso erst um zwei, ging der Film vier Stunden? Nein, ging er nicht, aber alle 20 Minuten (am Ende des Films alle 5) ging einfach der Fernseher aus und man konnte NICHTS dagegen tun. Es half kein Stecker herausziehen, kein DVD Player ausmachen. Es tat sich nichts, wir mussten dann jedesmal 10 Minuten warten, bis der Fernseher von alleine wieder anging. Das war komplett aetzend, weil der Film sehr spannend war und wir sehr muede. Also wurde waehrend der unfreiwilligen Pausen nie geredet - ausser vielleicht mal: Will wer Popcorn? Jo.
Ich ging dann ins Bett und habe kein Auge zugedrueckt. Denn ausser Rehe, Waschbaeren, Eichhoernchen und all son Zeug gibt es in den Poconos auch Baeren. Ich hab dann also bei jedem Knacken (und in einem verdammten Holzhaus knackt es oft) aengstlich zum Fenster geschaut, ob nicht ein Baer eventuell davorsteht - habe mir dann ueberlegt, wie ich mich am besten retten koennte und ob ich noch wem anders vorher helfen wuerde - bin zu dem Schluss gekommen, dass wenn ein Baer in mein Zimmer kommt, ich frecherweise einfach ins Auto renne und wegfahre.

Sonntag morgen wurde ich dann vom Brutzeln der Pfanne geweckt. Es roch nach Bacon. Lecker, lecker. Zum Fruehstueck gab es dann original amerikanische Pfannkuchen mit Blaubeeren, Ahornsirup, Butter und Bacon. Es war total lecker, aber ich sollte in naechster Zeit darauf verzichten, sonst sehe ich nicht mehr aus wie Victoria Beckham (sehe ich auch so nicht, ist das klar!?), sondern wie Rainer, unser deutscher Nachbar. Dann wurde das Monopoly Spiel auf den Tisch gepackt (Jon und Joe meinten, sie seien unschlagbar, weil sie ihre Taktiken verfolgen, ich wusste nicht mal, dass man beim Monopoly mit Taktik spielen kann). Jon schlug mir auf die Schulter und meinte, ich solle Deutschland vertreten (egal was wir machen, ich muss eigentlich immer Deutschland vertreten und davor wird mir auf die Schulter geschlagen). Na toll, dachte ich, ich hab Monopoly nicht mehr gespielt, seit ich elf war (ungefaehr).

Uebrigens muss ich im Oktober wieder Deutschland vertreten. Freunde von Jon und Lisa fuehren hier im Ort ein Seafood Restaurant (Dick's Dock), welches sehr gut sein soll. Jedenfalls veranstalten die einmal im Jahr ein kleines Oktoberfest und ich bin eingeladen, einen Biertest mit ihnen zu machen (sie waren total begeistert, als sie gehoert haben, dass Millers Au Pair eine Deutsche ist). Jedenfalls wird es wie eine Weinprobe ablaufen, nur dass wir ganz viele Biersorten testen und ich als Deutsche, als Maedchen aus dem Land mit dem guten Bier, soll mitmachen und sagen, was gut ist und was nicht (musste ich auch bei der Bratwurst beim Barbecue).

Wo war ich.... ach ja, Monopoly. Wir hatten eine Sammlerausgabe mit dem Originalspielbrett (die Originalstadt von Monopoly ist Atlantic City). Ich habe gewonnen. Wirklich. Erst hat Jon Lisa rausgekickt, dann ich Joe und Jon. Danach sind wir wieder gen Heimat gefahren und haben einen viel zu kurzen Zwischenstop im Outlet gemacht (ueber 100 Markenstores in einer riesigen Mall. Himmel auf Erden).

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