Samstag, 11. August 2007

New York stinkt doch nicht, ich liebe New York, die Zweite!

Ich habe den Artikel nochmal umgeschrieben und erweitert, damit ich nicht gleich einen neuen Eintrag reinstellen muss.

Ich bin endlich da, wo ich hinwollte - in meinem neuen Zuhause - und ich war so aufgeregt, dass ich fast den Bus vollgekotet haette, als wir auf dem Parkplatz hielten. Dummerweise waren wir 20 Minuten zu frueh da (die Busfahrer hier fahren sehr sehr schnell). Also konnte jedes potenzielle Auto, das auf dem Parkplatz hielt, meine Gastfamilie sein. Und ich dann immer zu den anderen Au Pairs: Ahh, ist das da ein gruener Jeep? - Nein, der ist schwarz Lisa!

Sie kamen auch doch recht schnell. TJ wartetete im Auto. Er war total schuechtern, hat kein Wort mit mir geredet. Das erste Wort, was ich von ihm gehoert habe war: Donut (wir haben naemlich unseren ersten Stop klassischerweise bei Dunkin Donuts gemacht...). Als wir dann zu Hause waren, gab es von TJ persoenlich eine Hausfuehrung (bzw. sind wir in den Keller gegangen und haben Baseball gespielt).

Mein Zimmer ist ein absoluter Traum. Es ist groesser als das in der Heimat und einfach schoen. Hell, freundlich. Ich habe natuerlich ein Geraet, welches die warme Luft aus dem Zimmer zieht und einen Fernseher mit ueber 1000 Kanaelen (wobei ich mir nur 200-300, 330-400 und 800-850 merken muss, denn da gibt es Spielfilme, Musik und Radiosender).


Als ich dann runterkam mit meinen Geschenken, hat TJ seine natuerlich als Erster ausgepackt. Fuer mich lag da auch ein kleines Geschenk. In der Karte stand, dass ich damit meinen amerikanischen Musikgeschmack erweitern soll und damit ich mich wohl fuehle. Also dachte ich natuerlich: Hey cool, sie schenken mir eine Country CD. Und was halte ich da in der Hand, nachdem ich das Papier abgewickelt habe? Einen brandneuen iPod Nano! Unglaublich. Ich hatte ungefaehr das gleiche Gefuehl, als ich den Araber neben mir im Flugzeug gesehen habe - nur genau umgekehrt. Ich liebe diese Familie.
TJ, oder auch einfach nur T genannt, ist ein Vorzeigeallamericankid - und wirklich winzig - als wir in seinem Zimmer waren, fing er auf einmal an, laut zu bruellen und ich dachte: oh nein, er hat ADS, aber Lisa meinte dann zu mir, dass er so tut als sei er ein Loewe und ich muesse nun so tun, als haette ich Angst. TJ hat jetzt auch ein neues Lieblingsspiel: Pushing. Da mein Bett sehr hoch und sehr breit ist, will er, dass ich ihn mit Anlauf immer und immer wieder daraufschmeisse. Zum Schluss musste ich nur noch so tun, als wuerde ich ihn schubsen, und er viel schon von alleine nach hinten.

Was mich betrifft, kennt TJ nur folgende Woerter:

Liiiiiisa



Garbage Truck! Hug me, hug me (wenn er ein Muellauto hoert, ist er nicht mehr zu stoppen, der kleine Racker).

Come here!


Again, again, again und natuerlich: Heeello! Jedes Mal, wenn er jemanden sieht, den er zwei Minuten nicht gesehen hat, heisst es: hello! und meins (er sagt nicht: This is mine, er sagt immer: This in meins, meins meins wie die Moewe aus Findet Nemo).

Witzigerweise bin ich total schuechtern, seitdem wir hier angekommen sind und spreche nicht viel, da mein Englisch irgendwie auf dem Weg hierher verloren gegangen ist :( Schade eigentlich. Jon und ich haben ein paar Schwierigkeiten uns zu verstehen, er redet sehr viel und versteht mich nicht so gut, mit Lisa geht es aber gut, ich denke, die Tage wird das besser.

Naja, vorhin wurde mir die ganze Stadt gezeigt und wir waren im Diner essen. Die Mall ist riesig(Jon sagt, sie ist sehr sehr klein...haha). Es gibt alles: Northstorm, Abercrombie & Fitch, American Eagle, Hollister, H&M, Haeagen Dasz usw usw. Ich muss unbedingt bald einkaufen gehen. Die eine Katze, Sidney, wird auch Guard Cat genannt, weil sie alles genau beobachtet und sehr scheu ist. Ich hab ein bisschen Angst vor ihr, sie ist riesig und wenn sie noch anfaengt zu bellen, hat sie gaenzlich bei mir verschissen. Die andere Katze, Louie oder Cindy, ist sehr zutraulich, sitzt gerade neben mir und schnurrt die ganze Zeit. Egal wo man langgeht, man muss immer aufpassen, dass nicht irgendwo ein Wuergball der Katzen rumliegt, denn sie spucken am Laufenden Band Wolle aus (ich dachte gestern, das sei Schmelzkaese, den T verloren hat).

Tiere sind hier sowieso komisch in Amerika. Im Garten haben wir Kampfeichhoernchen, die die Katzen angreifen, wenn sie rauswollen - deswegen sind sie auch nie draussen. Und in der Garage lebte bis vor einigen Wochen noch ein Waschbaer mit seiner Familie. Die Voegel hoeren sich auch seltsam an. Viel lauter und aggressiver und als TJ und ich vorhin eine Sandburg (gibts fertig im Supermarkt zu kaufen - Lisa und ich mussten die Gebrauchsanleitung durchlesen) gebaut haben, hoerte ich komische Sirenenaehnliche Geraeusche und ich fragte T, was das sei und er meinte: Birdies! Also nachts werde ich definitiv nicht durch den Wald gehen. Nicht weil ich Angst vor boesen schwarzen Maennern haette (gibts hier auch nicht, hier wohnen nur Inder und eine deutsche Familie, dessen Rasen gelb ist), sondern weil ich Angst habe, von Killereichhoernchen oder Fuechsen oder Waschbaeren angegriffen und zerfleischt zu werden.

Und wieder eine neue Geschichte: Lisa, T und ich waren vorhin das erste Mal einkaufen, weil ich noch Rasierklingen brauchte und sie Essen fuer mich kaufen wollte, das ich gerne mag. Wir sind zu einem 'kleinen' Supermarkt um die Ecke gefahren und es ist unglaublich (ich glaube, das Wort unglaublich werde ich in naechster Zeit noch oft benutzen). Alles ist riesig, bunt und irreal. Man kommt sich vor, wie in einem Film. Ich hab Chips gekauft und die Packung ist vielleicht 4x so gross wie in Deutschland. Es gibt keine kleineren. Dann hab ich noch Basilikum gekauft, weil wir heute Abend grillen wollten und als sie es in den Einkaufswagen legte, dachte ich, es sei Spinat, weil die Blaetter so gross sind. Ausserdem tut man seinen ganzen Einkauf in Einmalplastiktueten (wir hatten 12 davon) und wenn man zu Hause ist, schmeisst man alle weg.

Der Umweltschutz ist tot. Es lebe der Umweltschutz.

Werde ich mich wohl dran gewoehnen muessen.

So, das Beste kommt zum Schluss: Unser 'kleines' Auto, der VW Jetta, war dreckig und wir sind zum Car Wash gefahren! Woo hoo (ich war genauso aufgeregt wie TJ und wir haben auf dem Weg zur Waschanlage den Wheels on the Bus Song gesungen..."the wheels on the bus go round and round, round and round, the gas on the bus go glug, glug, glug..." wenn ihr den Song einmal hoert, verfolgt er euch und ihr werdet ihn bis abends nicht mehr los!).

Die Autowaesche bei der Waschanlage unseres Vertrauens kostet 12 Dollar und ungefaehr 20 Mexikaner kuemmern sich um deinen Wagen. Man steigt aus. Ein Mann kommt und faehrt es in die Waschanlage. Dort wird es zunaechst grob ausgesaugt und die Matten gebadet. Dann kommt es aufs Band und verschiedene bunte Seifstationen seifen das Auto automatisch ab. Nun wird es einpoliert, abgewaschen und mit Heissluft getrocknet (man kann hinter einer Glaswand neben dem Auto herlaufen, TJ und ich waren begeistert). Als Naechstes faehrt ein zweiter Mexikaner das Auto auf den Hof, wo ein Mann es erneut trocken foehnt, ein anderer es aussaugt, der naechste die Scheiben poliert und der letzte die Felgen. Wenn das Auto fertig ist, wird gehupt und man kann es holen (die Autos hier hupen uebrigens auch, wenn man sie oeffnet...). Waehrend des ganzen Prozedere laeuft 'car wash' von Christina Aguilera - nein, war nur Spass. Ich konnte nur staunen, was da fuer Autos auf dem Gelaende gewaschen wurden. Unser Jetta war mit Abstand der kleinste und das Durchschnittsauto hier ist ein riesiger Gelaendewagen, dessen Reifen halb so gross sind wie ich ('Familienkutsche').



Ach ja und als wir unsere Tour durch Manhattan Donnerstag gemacht haben, wurde uns gezeigt, wo Jay-Z lebt (im gleichen Haus wie die Olsen Zwillinge), wo Szenen aus Sex and the City gedreht wurden und jeder zweite Satz war: Auf der rechten Seite sehen wir das weltgroesste,....zur linken der weltgroesste....geradeaus das schnellste,.... In Manhattan gibt es eigentlich nur Superlative und abends kommt Dampf aus den Gullis - kein Witz, ich dachte, ich waere auf einem Filmset gelandet, bei dem die Hauptakteurin in einer zwilichten Seitenstrasse vergewaltigt und ermordet wird. Aber ich liebe New York jetzt schon ueber alles!
Und denkt immer dran: The wheels on the bus go round and round, round and round....

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