Bevor ich nach Amerika gekommen bin, habe ich staendig hoeren muessen: die Amerikaner essen alle nur Fast Food und sind richtig fett. Heute bin ich genau drei Wochen hier und frage mich: wie schaffen es die meisten (!) Amerikaner duenn zu bleiben bei dem Angebot an kulinarischen Koestlichkeiten und Unkoestlichkeiten?
Dass ich schockiert war, als ich das erste Mal einen amerikanischen Supermarkt betrat, hab ich ja schon berichtet. Von allem gibt es massenweise, alles sieht sehr gruen, sehr rot, sehr gelb und oder sehr frisch und saftig aus. Joghurt, Kaese, Zucker, Kekse, einfach alles preist sich selbst mit wenig Fett, fettfrei, 99% fettfrei, Zuckerersatz oder Diaet an. Was bei uns in Deutschland gerade 'Wellnesstrend', ist hier 'fett -und zuckerfrei'.
Ich werde im Laufe der naechsten Woche ueber meine Familie, meine Alltagsroutine (die noch keine ist) und meinen Ort (und natuerlich Manhattan) berichten. Aber heute wuerde ich mich gerne ausfuehrlich ueber die fehlende Esskultuer aufregen. Bei mir in der Familie ist es so, dass Jon abends gegen fuenf nach Hause kommt, im Kuehlschrank entweder in Alu gewickeltes Huehnchen findet, dies in der Mikrowelle warm macht (zusammen mit ebenfalls in der Mikrowelle aufgewaermtem Broccoli oder Pasta oder Karotten) und dann Lisa, die um halb acht nach Hause kommt, und mir zum Essen serviert oder er findet nichts kaltes im Kuehlschrank und bestellt dann beim Italiener....Pizza oder Nudeln oder beides.
So sieht/sah unser Abendbrot lange genug aus, denn ich mache mir Gedanken. Nicht nur ueber mein stetig wachsendes Gewicht, sondern auch darueber, dass ich ueberhaupt keine Lust habe, das naechste Jahr mit solchem Essen zu verbringen.
Also habe ich angefangen, jeden Abend, bevor die Familie nach Hause kommt, frischen Salat vorzubereiten. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zunaechst waren alle etwas skeptisch, aber ich denke, zumindest Lisa findet es gut (Jon ist da mehr so der richtige Mann, der nur Fleisch mag und kein Gruenzeug isst). Dann gibt es oefter mal Carprese, selbst gemachte Kraeuterbaguettes, Obstsalat und generell Fruechte und Gemuese - frisch.
Meine Familie hat meine Vorliebe erkannt und netterweise Tonnen von Erdbeeren, Weintrauben, Ananas und Tomaten besorgt (ich habe die letzten zwei Tage quasi nur Erdbeeren gegessen - heute habe ich den matschigen Rest zu Erdbeereis verarbeitet, sehr zur Freude von TJ).
Eigentlich kann ich ueberhaupt nicht kochen und wuerde von mir auch nicht behaupten, dass ich ueberhaupt eine Esskultur besitze, aber im Vergleich zu den Essgewohnheiten hier bin ich ein fuenf Michelinsternekoch und Gourmet.
Heute habe ich bis sechs Uhr gearbeitet, weil Jon auf einem Golfturnier ist. Lisa kam extra dann um kurz nach sechs nach Hause und so konnten wir mal in Ruhe Dinner vorbereiten und futtern.
Wir wollten - ganz was neues - Huehnchen machen. Ich hatte schon Carprese vorbereitet und sie hat draussen das Fleisch gegrillt. Auf meine Frage, was wir denn dazu essen wollen, meinte sie, dass sie das auch schon ueberlegt haette und deswegen Weissbrot auftaut. Huehnchen und Weissbrot? Naja, ich merkte an, dass ich das etwas trocken faende und ob wir nicht wenigstens eine Sausse dazu machen wollen. Ich schlug dann Hawaii Huehnchen vor (also ich sagte mit Ananas, dachte, sie weiss, was ich meine). Natuerlich meinte ich damit, dass wir das Huhn mit Ananas belegen, mit Kaese ueberbacken, eine Currysausse dazu machen und die restliche Ananas klein schneiden und mit anschmoren. Sie meinte, ja, gute Idee und stellte die Ananas auf den Tisch. Ich hab sie angeguckt und vermutet, dass sie mich nicht verstanden hat, worauf sie bejahte. Ich fragte, ob sie denn Curry haette (mein Plan war, es einfach selbst zu machen und Kaese). Darauf erneutes Schweigen und die Frage, wofuer ich denn Kaese braeuchte. Ich hatte Hunger ohne Curry gefiel mir das eh nicht (ausser frisches Basilikum, was ich fuers Carprese immer kaufe, haben wir keine frischen Kraeuter. Nur getrocknete Petersilie, Dill, Basilikum undOregano und Knoblauch -und Zwiebelpulver - die brauchen wir aber nicht, weil meine Gasteltern beide keine Zwiebeln moegen. Lisa bekommt von rohen Zwiebeln Kopfschmerzen und Jon mag die Haut nicht).
Also habe ich zu ihr gesagt, dass sie es so zubereiten soll, wie sie denkt. Ich hab in der Zeit Kraeuterbutter fertig gemacht. Lisa hat dann letztendlich die Ananas klein geschnitten, in Teriyaki Sausse angeschmort, ueber das Haehnchen getan und wir haben es zusammen mit knusprigem Weissbrot, Kraeuterbutter und Carprese verspeist. Lisa war ganz begeistert von der Kraeuterbutter, weil sie das gar nicht kannte, Butter auf Brot zu machen...Naja, jedenfalls eine ziemlich chaotische Zusammenstellung, aber wir muessen das normale Essen halt noch lernen Schritt fuer Schritt!
Dass ich schockiert war, als ich das erste Mal einen amerikanischen Supermarkt betrat, hab ich ja schon berichtet. Von allem gibt es massenweise, alles sieht sehr gruen, sehr rot, sehr gelb und oder sehr frisch und saftig aus. Joghurt, Kaese, Zucker, Kekse, einfach alles preist sich selbst mit wenig Fett, fettfrei, 99% fettfrei, Zuckerersatz oder Diaet an. Was bei uns in Deutschland gerade 'Wellnesstrend', ist hier 'fett -und zuckerfrei'.
Ich werde im Laufe der naechsten Woche ueber meine Familie, meine Alltagsroutine (die noch keine ist) und meinen Ort (und natuerlich Manhattan) berichten. Aber heute wuerde ich mich gerne ausfuehrlich ueber die fehlende Esskultuer aufregen. Bei mir in der Familie ist es so, dass Jon abends gegen fuenf nach Hause kommt, im Kuehlschrank entweder in Alu gewickeltes Huehnchen findet, dies in der Mikrowelle warm macht (zusammen mit ebenfalls in der Mikrowelle aufgewaermtem Broccoli oder Pasta oder Karotten) und dann Lisa, die um halb acht nach Hause kommt, und mir zum Essen serviert oder er findet nichts kaltes im Kuehlschrank und bestellt dann beim Italiener....Pizza oder Nudeln oder beides.
So sieht/sah unser Abendbrot lange genug aus, denn ich mache mir Gedanken. Nicht nur ueber mein stetig wachsendes Gewicht, sondern auch darueber, dass ich ueberhaupt keine Lust habe, das naechste Jahr mit solchem Essen zu verbringen.
Also habe ich angefangen, jeden Abend, bevor die Familie nach Hause kommt, frischen Salat vorzubereiten. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zunaechst waren alle etwas skeptisch, aber ich denke, zumindest Lisa findet es gut (Jon ist da mehr so der richtige Mann, der nur Fleisch mag und kein Gruenzeug isst). Dann gibt es oefter mal Carprese, selbst gemachte Kraeuterbaguettes, Obstsalat und generell Fruechte und Gemuese - frisch.
Meine Familie hat meine Vorliebe erkannt und netterweise Tonnen von Erdbeeren, Weintrauben, Ananas und Tomaten besorgt (ich habe die letzten zwei Tage quasi nur Erdbeeren gegessen - heute habe ich den matschigen Rest zu Erdbeereis verarbeitet, sehr zur Freude von TJ).
Eigentlich kann ich ueberhaupt nicht kochen und wuerde von mir auch nicht behaupten, dass ich ueberhaupt eine Esskultur besitze, aber im Vergleich zu den Essgewohnheiten hier bin ich ein fuenf Michelinsternekoch und Gourmet.
Heute habe ich bis sechs Uhr gearbeitet, weil Jon auf einem Golfturnier ist. Lisa kam extra dann um kurz nach sechs nach Hause und so konnten wir mal in Ruhe Dinner vorbereiten und futtern.
Wir wollten - ganz was neues - Huehnchen machen. Ich hatte schon Carprese vorbereitet und sie hat draussen das Fleisch gegrillt. Auf meine Frage, was wir denn dazu essen wollen, meinte sie, dass sie das auch schon ueberlegt haette und deswegen Weissbrot auftaut. Huehnchen und Weissbrot? Naja, ich merkte an, dass ich das etwas trocken faende und ob wir nicht wenigstens eine Sausse dazu machen wollen. Ich schlug dann Hawaii Huehnchen vor (also ich sagte mit Ananas, dachte, sie weiss, was ich meine). Natuerlich meinte ich damit, dass wir das Huhn mit Ananas belegen, mit Kaese ueberbacken, eine Currysausse dazu machen und die restliche Ananas klein schneiden und mit anschmoren. Sie meinte, ja, gute Idee und stellte die Ananas auf den Tisch. Ich hab sie angeguckt und vermutet, dass sie mich nicht verstanden hat, worauf sie bejahte. Ich fragte, ob sie denn Curry haette (mein Plan war, es einfach selbst zu machen und Kaese). Darauf erneutes Schweigen und die Frage, wofuer ich denn Kaese braeuchte. Ich hatte Hunger ohne Curry gefiel mir das eh nicht (ausser frisches Basilikum, was ich fuers Carprese immer kaufe, haben wir keine frischen Kraeuter. Nur getrocknete Petersilie, Dill, Basilikum undOregano und Knoblauch -und Zwiebelpulver - die brauchen wir aber nicht, weil meine Gasteltern beide keine Zwiebeln moegen. Lisa bekommt von rohen Zwiebeln Kopfschmerzen und Jon mag die Haut nicht).
Also habe ich zu ihr gesagt, dass sie es so zubereiten soll, wie sie denkt. Ich hab in der Zeit Kraeuterbutter fertig gemacht. Lisa hat dann letztendlich die Ananas klein geschnitten, in Teriyaki Sausse angeschmort, ueber das Haehnchen getan und wir haben es zusammen mit knusprigem Weissbrot, Kraeuterbutter und Carprese verspeist. Lisa war ganz begeistert von der Kraeuterbutter, weil sie das gar nicht kannte, Butter auf Brot zu machen...Naja, jedenfalls eine ziemlich chaotische Zusammenstellung, aber wir muessen das normale Essen halt noch lernen Schritt fuer Schritt!
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