Sonntag, 14. Dezember 2008

Singing this will be the day that I die

Die Astraflaschen ziehen langsam einen langen goldenen Schatten auf die vielen tausend Sandkörner. Der Himmel färbt sich rosa, die Sonne verschwindet Stück für Stück in einer majestätischen Größe als roter Feuerball hinter den Kränen. Unsere nackten Füße graben sich in den von den Sonnenstrahlen erwärmten Sand des Elbstrands. Wir kuscheln uns etwas enger und schauen dem Hafen beim quietschenden, knallenden, ächzenden Arbeiten zu. Geradezu paradox wirkt dieser rosa gefärbte Himmel gegen den kalten Stahl von Bloom und Voss. Die Docks sind in Betrieb und allmählich gehen die Leuchten an, um auch im Dunkeln weiter werkeln zu können. Wir ergeben uns langsam unserem dahinwabernden Rausch und genießen die seltene Zweisamkeit. Gerade in der Anonymität einer Großstadt lechzt man nach Innigkeit, nach Nähe und Unterstützung. 

Das Wasser hat dabei eine unglaublich beruhigende Wirkung. Am Wasser sind Menschen anders. Tiefgründiger, nachdenklicher und einfühlsamer. Das Wasser ist dunkel, tief, geheimnisvoll. Es kann uns an die verwunschensten Orte der Welt bringen, verschlingt uns völlig mit seiner berauschenden Anziehung und dieser Mysteriosität. Gehimnisvolles Blau, denken wir und rücken noch enger zusammen. Das Wasser trägt uns die leicht salzige Seebrise auf die Zunge und das Möwenkreischen lässt uns den Alltag vergessen. Erst lauschten wir Otis Reddings Sitting on the Docks of the Bay, doch jetzt entscheidet sich die Anlage für Regina Spektor. Ihre Stimme spielt mit den Klängen des Klaviers und tänzelt durch das Lied. Ein kurzes Aufflammen und der Zigarettenrauch bahnt sich den Weg in die Lunge. Liberte Toujours. Es ist eine perfekte Harmonie und untermalt den stimmigen Abend gekonnt. Ich trinke noch einen Schluck kaltes Urtyp. Eine Perle bahnt sich den Weg von den Lippen zum Kinn, wird aber genüsslich weg geküsst. Mittlerweile ist der Himmel dunkelrot, die Sonne verschwunden. Doch der Sand ist warm und wir lehnen Kopf an Kopf und genießen es in dieser Stadt zu sein. In Hamburg, direkt an der Elbe, angenehm benebelt und seelig. Es ist Sommerund es wird langsam zu Heimat. Es ist wunderschön.





Und ein alles verändernder Abend auf dem Hamburger Berg. Nicht so sinnig, aber doch genugtuend und reizvoll. Wunderbare Kneipenabende auf dem Kiez sind teils Eifersuchtsfaktoren im provinzialen Leben daheim. Dafür gibt es keine Kekse.




Keine Kommentare: