Also langsam bin ich wirklich frustriert oder genauer: in diesem Moment bin ich gerade ziemlich frustriert. Ich bin einfach nicht der Mensch, der sich mit Enthusiasmus auf Lernzettel, Folien und Bücher stürzt, der rechtzeitig anfängt zu lernen und nachts mit gutem Gewissen einschlafen kann. Ich prokrastiniere, wo ich nur kann. Das kotzt mich derbe an (es rhymt, es ist fett, der Rhyme ist fett).
Einleitende Worte also zur Klausur am Dienstag: Einführung in die Linguistik - Vorlesungsklausur. Eine Klausur, die ohne Materialen bestanden werden will. Allein die Mitschriften dienen der Gedächtnisstütze. Und wer schonmal in einer Vorlesung mitgeschrieben hat, weiß, wieviel oder wieviel man danach nicht mit dem Selbstgeschriebenen anfangen kann. Dementsprechend ernüchternd ist das wiederholende Lesen meiner Lernzettel, mit denen ich teilweise nicht viel anfangen kann. Das ist also Frustpunkt eins: Ich bin echt ein faules Stück und meine Konzentrationsspanne reicht von Zwölf bis Mittag. Mich nervt, dass meine Wochenenden dadurch flöten gehen und mich nervt mein Studium gerade.
Frustpunkt zwei: Das Wetter. Mein Geburtstags ist am 15. März. Ich bin also ein Winterkind, habe es leider nicht in den Frühling geschafft. Ich mag also Schnee und bin gerne draußen bei Winterspaziergängen, halte nichts von den Meckereien alter, schrulliger Menschen, die morgens um 6 Uhr 30 den ersten gefallenen Schnee sofort wegschaufeln. Aber ebensowenig heitert mich dieses seit Wochen immer gleiche Bild beim Aus-dem-Fenster-schauen auf. Der Himmel über Hamburg ist, wie so oft, grau. Man sieht keine Wolken, keine Sonne. Der Schnee hat sich in graues Eis umgewandelt und beabsichtigt in keinster Weise, in nächster Zeit zu schmelzen. Unsere Straße ist über weite Abschnitte gefroren, der Gehweg ist gefroren. Alles ist gefroren. Der Weg zur Uni gleicht einer Odyssee, einer Rutchpartei, man schliddert so vor sich hin. Dabei tun einem die Ohren weh und die Nase gefriert. Und trotzdem wache ich jeden Morgen auf, den ersten Weg zum Fenster, Jalousie hoch, Augen verdrehen, weil immer noch grauer Himmel und Eis auf der Straße. Kurzum: Es reicht, man! Durch den grauen Himmel wird mein Zimmer übrigens, egal zu welcher Tageszeit, nicht richtig hell und jeder, der mich kennt, sollte wissen, dass ich ein Helligkeitsfanatiker bin und so künstlich meinen Stromverbrauch ins Unermessliche steigere.
Frustpunkt drei: Dadurch dass ich zu Hause hocke und pseudomäßig in meine Sprachwissenschaftenaufzeichnungen gucke, treffe ich mich auch nicht mit meinen Freunden, gehe nicht einkaufen, verlasse kaum das Haus. Ich würde gerne mal wieder ein paar Leute sehen oder mit ihnen sprechen, aber durch meine schlechte Laune bin ich wohl zur Zeit eher eine Last als eine Wohltat.
Vierter Frustpunkt: Es läuft mal wieder nicht so schön so generell gesehen, einfach weil ich im Februar zwei Hausarbeiten schreiben muss. Dann schreibe ich von Anfang März bis Ende März meine dritte Modulabschlussprüfung und zack geht in der ersten Aprilwoche wieder die Uni los. Die Zeit rast und dabei will ich doch genießen, ich will fliehen und will reisen. Ich will dahin, wo es warm ist, gut essen, die Sonne auf meiner Haut brennen spüren und das Meerrauschen hören. Aber wann soll ich das machen? Dann wollte ich im September wieder nach Amerika, um dort einen Monat Praktikum in New York zu machen: Ja, auch dieser Traum ist geplatzt, weil ich nur ein zehnwöchiges Praktikum machen könnte, was mit meinen Vorlesungszeiten kollidiert. Soll ich ein Urlaubssemester nehmen und endlich tun, was ich schon so lange geplant hatte? Meinen geheimen Wunsch erfüllen und es endlich anpacken? Ich wünschte, ich wäre so, dass ich es einfach tun könnte, aber weiter oben habe ich mein Problem mit der Prokrastination wiegesagt bereits erläutert - gültig für fast alle Lebensbereiche. Da öde ich mich selbst an.
Aber ich sitze gerade nicht hier am Schreibtisch, um euch mit meinem Frust auch anzuöden und zu langweilen. Zunächst einmal muss ich mich entschuldigen, weil ich so lange nichts von mir hab hören lassen. In Angriff genommen ist auf jeden Fall, dass ich mich nun wieder öfters hinsetze und mich über nicht-weltbewegendes äußere, um beim morgendlichen Internetcheck so manchem Blogfolger den Tag zu versüßen. Also los, ich werde mal versuchen, mich selbst zu erheitern, in dem ich kurz über die schönen Dinge berichte, die es unbestreitbar ja auch noch rudimentär in meinem Leben gibt (armes Würstchen).
Schöne Dinge eins: Ich bin ja so ein Typ, der sich große Taten vornimmt und sie dann auch ausführt. Über diese großen Taten mache ich mir im Stillen Gedanken und teile sie meist auch niemandem mit, bis ich sie getan habe. Letztes Jahr habe ich das so gemacht, durchgezogen und niemandem erzählt und dieses Jahr habe ich auch ein gewisses Plänchen, was große Auswirkungen auf mein Leben hat, was ich anfangen muss zu planen. Sobald es aber in die Wege geleitet ist und feststeht, werde ich hier darüber berichten, weil ich denke, dass es für alle interessant sein könnte. Wie dem auch sei, keine Effekthascherei.
Schöne Dinge zwei: die Welt sehen im Kleinen. Im März die geplante Backpacktour mit Selda, wohin, wissen wir noch nicht, wir sprühen vor Ideen und Zielen. Über Pfingsten hoffe ich, nach Portugal fliegen zu können, um Franzi beim Erasmus zu besuchen. Dann eventuell trotzdem im September nach Amerika und im Juli vielleicht in die Türkei. Das hellt meine Stimmung ein bisschen auf gerade.
Schöne Dinge drei: Bald ist es wieder vorbei mit der Plackerei und ich fahre nach Hause und dort entspanne und koche ich und gehe schwimmen und treffe Freunde und trinke viel Rotwein und erinnere mich, dass Uni zwar das ist, was dein Leben in eine schnelllebigere Bahn umschlägt, aber es doch noch wichtige Dinge neben der Spur gibt!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen