Donnerstag, 28. Januar 2010

Carbonara e una coca cola

Wenn ich nicht hier bin, bin ich aufm Sonnendeck, denke ich und höre ich und überlege so, was ich hier mal wieder reinschreiben könnte. Der Blog dient ja dazu auch, meine Gedanken zu sortieren und dem Leserkreis, den es interessiert, der eben dies lesen möchte, etwas zu liefern. Heute ist Donnerstag und donnerstags ist bei mir meistens Büchersündentag. Büchersündentag bedeutet, dass ich nach dem Seminar, was von 10 bis 12 mich in der Uni hält, immer zwangsweise in der Heyne Buchhandung lande und mich, geleitet oftmals von schön aufgemachten Covern, oftmals von Bücherrückseiten, zum Bücherkauf drängt. Also komme ich meistens donnerstags gegen Mittag mit ein, zwei oder manchmal sogar drei neuen Büchern nach Hause ohne dass ich möglicherweise mein letztes ausgelesen habe.
Ich besinne mich gerade also auf mein altes und liebstes Hobby zurück - das Bücherwälzen, studieren und genießen. Wobei ich kein Freund von dem Wort Hobby bin. Hobby klingt erstmal so verniedlicht und Hobby erinnert mich immer an: Und was sind deine Hobbys? Mit Freunden treffen, Kino und schwimmen als Standardantwort. Hobby klingt so klein und niedlich und als ob man das tut, wenn man nichts wichtiges zu tun hat, obwohl das Studium schöner Bücher ja keinesfalls etwas unwichtiges darstellt. Ich meine, mit jedem Buch, was man liest, ob es nun von Homer oder Coelho oder Dahl ist, bringt mich doch weiter. Es eröffnet mir neue Horizonte, neue Gedankengänge, denen ich mich widmen kann und entführt mich in eine Welt, die der meinen entweder konform ist oder mich durch ihre Fremdartigkeit verzaubert. So oder so erfahre ich Erkenntnis und wenn es nur Reichtum an neuen Worten ist.
Deswegen also nicht mein Hobby, nein, ich lese einfach gerne und vielleicht ist es auch dafür verantwortlich, dass ich als halbblinder Maulwurf durch das chaotische und manchmal tragisch komische Leben laufe - oder hat eure Mutter euch nicht immer gewarnt, nachts nicht mehr unter der Decke zu lesen, weil das schlecht für die Augen sei? Ich war so ein Kind, tagsüber keine Muße fürs Lesen gefunden und deswegen in die Nachtstunden verfrachtet, mit dem schwachen Licht des Nachttischlämpchens oder gar einer Taschenlampe (gut, dass mag wohl eine verklärt-romantische Ansicht des Nachtlesers sein). Meine Phantasie ist vielleicht deswegen schon krankhaft ausgebildet, ich kämpfe nachts in meinen Träumen mit unverarbeiteten Seelenbeschwerden oder eben Gelesenem, wiege meine Gedanken schwer auf und verwebe sie zu krassen, abstrusen Träumen, die mich so manchen Morgen schweißgebadet aufwachen lässt.
So, das Lesen also. In den letzten Jahren, muss ich leider sagen, habe ich das "Hobby" doch recht schleifen lassen, gerade durch die langen, schweren Lektüren der Soziologie jetzt im Studium, fand ich nicht mehr die Geduld, nach einem mental anstrengendem Tag noch mehr Stoff in mich reinzuprügeln. Beziehungsweise in der Schule war ich doch immer recht bockig und lehnte mich gegen alles auf, was mir zum Lesen auferzwungen wurde. Ich habe praktisch kein Buch meiner Schulzeit wirklich gelesen, obwohl ich mit der Wahl vom Deutsch und Englisch Leistungskurs mich sozusagen der Lektüre verschrieb. Einige Bücher davon würde ich jetzt sicher verschlingen und durch das freiwillige Lesen hätte ich ja auch eine offene Einstellung zu ihnen gehabt. Aber durch den Zwang, diese zu studieren, verweigerte ich mich schlicht.
Nun besinne ich mich seit einigen Wochen also wieder intensiv auf meine Leidenschaft - genau, Leidenschaft ist vielleicht ein schöneres Wort als Hobby, und lese wieder vermehrt und intensiv und finde Freude daran.
Setzte mich also einen Nachmittag mal hin und zog alle Bücher aus meinem kleinen Regal, welche ich gekauft habe und verstauben ließ. Ein Stapel an Lektüren, die darauf warteten, ihr Geld wert zu sein und gelesen zu werden. Darum also hier eine kurze Resonanz auf die vergangenen Lesewochen! Angefangen mit Murakamis Kafka am Strand und Der Elefant verschwindet, schafft es dieser wunderbare japanische Autor mit seinen fantastischen (im Sinne der Phantasie) Geschichten, die oftmals ziemlich unkonventiell verlaufen, eine Art Parallelwelt aufzubauen, in die man, für die Zeit des Lesens, eintauchen kann. Wunderschöne Geschichten und mit Kafka am Strand, habe ich mich sogar kurz gegruselt, aber mehr wird natürlich nicht verraten! Die beiden konnte ich also wieder ins Regal stellen und widmete mich darauf einem Donnerstagskauf: Die Entdeckung der Currywurst von Uwe Timm. Eine kurze Novelle über die letzten Tage des Krieges in Hamburch (spielt am Großneumarkt, da, wo ich odysseegeleitet zum Restaurantbesuch gastierte), sehr ruhig erzählt, als Leser wird man ruhig, liest konzentriert. Kein Buch der großen Ahs und Ohs, doch aber auf seine Art fesselnd und ernüchternd. Die Lebensgeschichte einer Hamburger Frau, zentralisiert auf die Zeit um '45, die die Currywurst entdeckt hat. Sehr schön. Dann ein Buch, natürlich auch an einem Donnerstag und zwar gleichzeitig mit Timms Currywurstbuch gekauft, was ich schon seit Jahren, wirklich seit Jahren lesen wollte. Ich meine mich zu erinnern, dass ich mal eine Rezension in der Cosmopolitan darüber gelesen habe und es seitdem lesen wollte! Und ach du meine Güte, die Zeiten, wo ich noch Cosmo gelesen habe und deren Redaktionssitz von München nach Hannover legen wollte, sind wirklich vorbei. Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel . Dieses Buch hat mich begeistert, schon alleine, weil vielleicht die ersten 30 Seiten von der Beschreibung eines Autors handeln, wie man es anstellt, ein Buch zu schreiben. Wie man sich den perfekten Ort, die perfekte Schreibmaschine, den perfekten Ausblick vorstellt, die Worte nur so aus einem raussprudelnd und dann natürlich doch alles anders kommt! Und wenn ich jetzt sage, dass es bei Schiffbruch mit Tiger wirklich um einen Schiffbruch mit Tiger geht - wie fantastisch ist das denn bitte? Es ist fantastisch. Ein außerordentliches, gewieftes Buch.
Und dann habe ich mir etwas, zugegeben aufgrund des großen Brimboriums, was darum aufgezogen wurde, gekauft, was ich wieder aufgehört habe zu lesen. Richtig, die Rede ist von Unendlicher Spaß vom großen David Foster Wallace. Ein Roman wie wohl kein zweiter, viel zu lang für einen kurzen Lesespaß und viel, viel zu komplex, um es abends nach den Soziotexten zum Abschalten zu lesen.
Ja, so geht es mir nämlich beim Lesen. Ein Buch muss mich fesselnd, ob es nun witzig, tragisch, traurig oder ironisch belehrend ist, ist egal. Es muss mich fesseln und ich darf nicht müde werden, es aus der Hand zu legen. Dann ist es ein gutes Buch. Und es muss auch nicht von Mann oder Schiller sein. Ich muss nicht damit protzen, einen Autor gelesen zu haben, zu dem ich aktuell keine Muße und Lust habe, natürlich werde ich das nochmal irgendwann tun, aber momentan halt eben nicht, so ist das nun mal.
Zurück zu Foster Wallace. Dieser Schinken von einem Buch ist mir gerade einfach zu viel, man braucht dafür Zeit und nicht mal zwei Stunden am Abend, wo man mal reinlesen kann - zu komplex dafür, man versteht die Zusammenhänge nicht. Also abgebrochen. Nicht zu empfehlen als leichte Abendlektüre. Sowas liest man explizit, wenn man sich Zeit dafür nimmt, in die Strukturen einzudringen, im Urlaub oder am Wochenende von morgens bis abends, denke ich.
Jetzt bin ich gerade an Irvin Yaloms Und Nietzsche weinte dran: Was für ein Buch, ich bin begeistert! Die zarten Anfänge der Psychotherapie verpackt in unterhaltsame Gespräche zwischen Josef Breuer und Friedrich Nietzsche, die sich im wahren Leben nie trafen! Ich interessiere mich für psychologische Strukturen und finde die Erfolge, der "Redekuren" wie sie zu Anfang genannt wurden, höchst interessant, bin am Überlegen, ob ich mir derartiges selbst mal gönne. Hab ich, glaube ich auch, ganz nötig. Wie dem auch sei, Und Nietzsche weint - Daumen hoch! Als nächstes auf meinem Leseabarbeitungsprozess steht Claude Lévi-Strauss' (ein bedeutender Anthropologe) Traurige Tropen.
Nun ja, der Suhrkamp Verlag geizt ja nun nicht gerade mit pornösen Covern, aber der Inhalt hat mich zu dem Buch ausnahmsweise mal getrieben (dieser Satz ist natürlich ironisch aufzufassen, man!). Jedenfalls sind Traurige Tropen Reiseaufzeichnungen und -beobachtungen Lévi-Strauss' Südamerika-Reisen, in denen er, den Kontinent erkundend, fremde Völker erforschte. Also ein Buch, welches mein Studium der Ethnologie mit dem vergnüglichen Lesen von Reiseberichten fremder Welten verbindet - ich bin sehr gespannt und in freudiger Erwartung!
Tja, und weil heute Donnerstag ist... habe ich, nachdem ich Grünkohl und Pinkel in der Schweinemensa verspachtelt habe, der Heyne Buchhandlung wieder einen Besuch abgestattet. Wobei, ich wollte eigentlich gar nicht! Eigentlich wollte ich zu einer anderen Buchhandlung, wo es auch DVDs zu kaufen gibt, um mich den visuellen Genüßen auszusetzen, aber naja, Heyne also wiegesagt. Und ich bin fündig geworden! Einmal T.C. Boyles Zähne und Klauen, in dem er in 14 Kurzgeschichten ziemliche Katastrophen menschlicher Existenzen erzählt, die alle selbstverschuldet sind - genau nach meinem Geschmack. Übrigens musste ich Boyles Tortilla Curtain eigentlich im Englisch LK lesen. Nun ja, ich wette, es war ein gutes Buch... zusätzlich kaufte ich mir Heinz Strunks Die Zunge Europas. Er ist einfach so witzig, ich setze ihn auf eine Ebene mit Sven Regener, aber anders halt. Die Zunge Eruopas spielt übrigens in Hamburg, war ja klar. Bisschen Nationalpatriotismus.
So genug der Ausführungen, ich muss lernen. Jetzt, aber wirklich! Keine Ablenkungen mehr, kleine Lisa! Werde bald mit der Kamera mal wieder durch die Lande ziehen und hier ein paar schöne Aufnahmen posten. Und jetzt ist Schluss!

Keine Kommentare: