Mittwoch, 21. Oktober 2009

McMillen oder: Das rosa Kondom

In the nighttime, when the world is at its rest, schreibe ich für gewöhnlich meine Blogeinträge. Nicht heute.

Es ist Herbst geworden. Ich sitze an meinem Schreibtisch in Hamburg, schaue aus dem Fenster, beziehungsweise ich schaute eben aus dem Fenster, weil jetzt tippe ich ja hier gerade und beides gleichzeitg geht ja natürlich nicht. Jedenfalls schaute ich eben so aus dem Fenster und der große Baum vor eben jenem, dem Fenster, ist mittlerweile gelb gefärbt und der Wind bläst sie, die gelbgefärbten Blätter, munter auf den Boden. Es riecht, wenn man durch die Straßen zieht, nach der dritten Jahreszeit und die Sonne scheint. Perfektes Wetter zum ja, Spazierengehen, aber auch zum Schreiben. Da es erst 12 Uhr mittags ist, verbitte ich mir jetzt das eigentlich obligatorische Glas Rotwein, sondern begieße meine Gedanken mit Apfelsaft.

Diesen Post widme ich Eugen, dem Kirgisen, weil er nicht dabei sein konnte:

Es durfte einfach nicht wahr sein. Es durfte nicht wahr sein. Konnte nicht. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Dieses Ziehen auf meiner linken Bauchseite ließ mich zwar manchmal kurz aufstöhnen, aber groß Gedanken machte ich mir nicht, wollte ich doch schließlich Samstag nach Dänemark. Von mehreren Seiten wurde mir jedoch so Angst und Bange gemacht, dass ich mich doch beschloss, den ungeliebten Weg zum Frauenarzt zu gehen. Lieber doch mal einen Ultraschall riskieren, um auszuschließen, dass ein Washington DC nochmal passiert (wir erinnern uns kurz zurück). Gut, also Freitag morgen um viertel vor neun auf nach Ilsede zum Ärztehaus: Um 11 Uhr wollte Christian kommen und mit mir die Besorgungen für den Urlaub machen. Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon. Kam rein, guten Morgen, hi Yvonne, wie gehts Selda? Gut und dir? Auch gut, mir auch ja gut, Urinprobe bitte. Bitte was? Na gut, ich dachte zwar Ultraschall. Mach einfach. Ok. Ok.

Nach kurzem Warten mit schwangeren und oder alten Frauen, begab ich mich ins Behandlungszimmer und durfte mich ausziehen (für die Männer hier: Ja, das ist normal). Er kam, der Doktor, und sah mich mit besorgter Miene an: Was fehlt Ihnen denn? Ja, also ich habe da so ein Ziehen, ist eigentlich nicht sehr schmerzhaft, aber ich fahre morgen weg und naja, nicht dass etwas mit dem Eierstock ist oder eine Zyste oder noch schlimmer! Nein, nein da ist alles in Ordnung. Aber sie haben eine akute BLASENENTZÜNDUNG. Sagen Sie mal, Sie müssten doch vor Schmerzen an die Decke gehen? Nö, eigentlich nicht. Verstopfung? Nö. Hm, seltsam. Na gut. Viel trinken! Viel! Trinken! Können sich wieder anziehen, ich verschreibe mal was.

Gut, eine Blasenentzündung. Zwar scheiße, aber den Horrorgeschichten von Blutpissen bis Heulkrämpfen aufm Klo bin ich wohl haarscharf entkommen. Beim Anziehen hinter dem Paravon erwähnte ich also beiläufig: Naja, ist ja kein Antibiotikum, ne? Natürlich Antibiotikum, Frau Bertram, das ist eine bakterielle Entzündung, wie wollen Sie die sonst wegkriegen? Ich schreibe Ihnen was für sieben Tage auf.
MIR. STOCKTe. DER. ATEM.

Das ist völlig unmöglich, tut mir Leid. Wieso ist das unmöglich? Herr B., ich fahre in einer Stunde 90 Liter Bier holen. Morgen Dänemark. Mit Freunden. Ein sogenannter Saufurlaub. Oh. Jaha! Nicht zu erwähnen, dass ich im Anschluss noch eine Woche auf ein WEINgut an die Mosel fahre. Herr Dr. ich kann jetzt nicht Antibiotikum nehmen. (Mein Kinn zitterte bereits. Mal ehrlich, ich fahre doch nicht mit sieben Männern in ein Haus nach Dänemark um NICHT zu trinken plus diese betrunkende, feiernde Meute nüchtern zu betrachten?). Kann ich das nicht noch in zwei Wochen nehmen oder muss ich dann krepieren? Sie müssen es jetzt nehmen. Nein, nein, irgendeine Lösung muss es doch geben! Ja, hm. Ich schau mir nochmal das Mikroskopbild an. Einen Moment bitte. Ja natürlich.

So, also sie haben Glück im Unglück. Ich kann es herunterbrechen auf drei Tage starkes Antibiotikum. Heute angefangen, drei Mal täglich, bis Sonntagabend! Oh gottseidank, danke, Sie haben mich gerettet. Kein Problem, das ist mein Job (nein, das hat er natürlich nicht gesagt, aber bestimmt gedacht!). Und wenn sie es mit zwei drei warmen Bierchen runterkippen, tut es auch nicht weh. Aber keinen Schnaps (das hat er wirklich gesagt).

In der Apotheke für teures Geld gekauft, noch ermahnen lassen, dass die Tabletten Übelkeit hervorrufen und gewissen Wirkungen von anderen Medikamenten wirkungslos machen. Kein Risiko, kein Spaß. Oder so. Eine Stunde vorgespult. Die 1,5 Literflasche Wasser eingepackt - ich war ja ambitioniert.

Nachdem uns bei Trinkgut Spirituosen im Wert von 40 Euro "geschenkt" wurden, schien der Urlaub doch unter einem guten Stern zu stehen. Frohen Mutes und gut gelaunt über unser "Diebesgut" fuhren Christian und ich aus dem Ghetto zurück in heimatliche Gefilde: Ilsede. Ziel: Aldi (Nord). Der Auftrag lautete, so viele Lebensmittel wie möglich vorher zu kaufen, um uns die teuren in Dänemark weitestgehend zu ersparen. Konnten nun richtig auf die Kacke hauen, da ja noch ein Sitzplatz spontan frei wurde.

Die Aufgaben waren klar verteilt: Ich ging vor und warf alles in den Wagen, was ich für nötig hielt - also primär Wurst und Wurst und Christian schob den Wagen und trug mir auf, immer mindestens das doppelte von dem einzupacken, was ich bereits ausgesucht hatte. Nach einigen Zickereien meinerseits ("Christian man, bist du wahnsinnig? 65 Packungen Salami halte ich für dezent übertrieben für 7 Tage!") und frechen Äußerungen Christian seinerseits ("Brauchst DU noch Brühe, Lisa? -Wieso brauche ICH unbedingt Brühe? - Du weißt schon, wie ich es meine, Bernd! - Jaja, pack rein."), kamen wir auf runde 200 Euro und der Wagen war wirklich, wirklich gut beladen. Für die ersten drei Tage hatten wir Lebensmittel. Mindestens. Und genug Salami für drei Futterluken.

Der Weg führte uns zu mir auf die Einfahrt; in der Garage wurden Tische hingestellt und die Klappboxen nach einem ausgeklügelten System fachmännisch und maximal platzausnutzend gepackt - schließlich mussten drei Bierfässer á 30 Liter und eine metallene Zapfanlage auch noch verpackt werden.  Als Herr Kracher dann noch vorbei schaute, seine monströse Reisetasche (er ist immerhin ein Mann, aber nachdem er mir erklärte, dass seine Unterhosen groß wie Zelte sind, gab ich nach und ließ ihn gewähren), seinen Drachen und seine sperrige Gitarre vorbei brachte, lenkten Arnold und ich ein und es wurde sich darauf geeinigt, dass wir auf lauschige Lagerfeuerabende mit Gitarrenuntermalung verzichten mussten. Platzmangel halt.

7 Uhr. Der Wecker klingelte. Kein Problem für mich, ich war ja schon wach. Aufregung, freudige. Ich ließ mir Zeit beim Duschen, schließlich holte mich Maile ab und irgendwie erinnerte ich mich an gewisse Unpünktlichkeit. Falsch gedacht. Überpünktlich um neun Uhr stand er vor der Tür, ebenso frisch geduscht und gegelt wie eh und je und borgte sich schon mal vorsorglich einen Angelstuhl. Schnell noch den Früchtetee mit der Pille runtergewürgt und auf im Opel zu Colli: 9.30 Uhr Treffen!
Wir waren nicht die ersten, Christian und Kracher waren schon da, aber (natürlich) ließen Daniel und DER Christian auf sich warten. Gemütlich noch eine geraucht, Mailes Katastrophennavi eingestellt ("Bleiben Sie sehr lange auf dieser Route") und gewartet. Schneller als gedacht bog der zweite rote Hyundai um die Ecke. Noch ein Kippchen. Colli mit in den roten und los ging es in Kolonne. Die erste Pinkelpause schon nach kurzer Zeit: Schließlich wurde im roten bereits kräftig Dosenbier gesoffen, während im Opel Diether Thomas Kuhn einen Schlager nach dem anderen - ganz zu Mailes und meiner Freude - schmetterte. Alle waren gut gelaunt, so fuhren wir vor uns hin. Eher gemächlich, da die Autobahn doch recht voll war, einige Stop and Gos und Staus ließen sich nicht umgehen, was unser silberner nutzte, um den restlichen wartenden Autos die Sangeskünste des Schlagerbadens lautstark mitzuteilen.

Bis Dänemark war alles OK. Dann begann es zu regnen. Es regnete immer doller und dementsprechend erhöhte mein Fahrer die Anschlagszahl des Scheibenwischers. Dem gefiehl das jedoch eher semi und er entschloss sich, über die Frontscheibe hinaus, an Mailes Seitenfenster zu knallen und dort stehen zu bleiben. Dichter Regen und aufkommende Gischt ließen den Fahrer kurz in Panik verfallen, aber nachdem uns die durchaus gute Idee kam, das Fenster runterzukurbeln und den Scheibenwischer wieder auf die Frontscheibe zu biegen, hielten wir an der nächsten Tankstelle und ich erinnerte mich an mein bestes Englisch, erklärte dem gutaussehenden Tankstellenwart unser Problem und wir bekamen eine Zange und lösten das Problem.

Ich spule an dieser Stelle kurz vor: Wir schlossen die Haustür auf und als erstes wurde ein Patz für die Zapfanlage gefunden: Küche. Gegenüber vom Kühlschrank. Alle waren mehr oder minder kaputt, die Zimmer wurden eingeteilt - nach einigem hin und her bekam ich das größte (aber ich bin ja auch die Prinzessin) und alle warfen sich in ihre schicken Pimmelhosen (was mich übrigens an meine Mutter erinnert, als ich meinen Koffer gepackt hatte und sie reinkam und fragte: Und, haste deine Pimmelhose auch eingepackt?).

Die ersten Biere waren gezapft, ich schaute verdrießlich zu (wir erinnern uns ans Antibiotikum. Ich nahm mir vor, mein erstes und einziges um 21 Uhr zu trinken). Dann, der Pokerkoffer. Oh nein. Ich meine, nicht falsch verstehen. Ich mag Poker. Aber ich mag erstens nicht zehn Euro Buy-In und ich mag nicht am ersten Abend pokern, wenn wir doch gemütlich hätten aufm Sofa in den Kamin schauen und quatschen können. Ich hab nichts gesagt, wir haben gespielt. Bei zehn Euro hab ich mich rausgekauft und kam so auf 0. Besser als Verlust. Maile hatte zu der Zeit bereits den Whirlpool seit einigen Stunden vorgeheizt. Nicht bedacht, dass er nach 30 Minuten sich immer wieder selbst ausschaltete, dauerte es bis 1 Uhr nachts, bis er auf angenehme 30 Grad geheizt war. Also angenehme 30 Grad für normale Menschen. Für Daniels Empfindungen grenzte das schon an den Gefrierpunkt und so beschloss er, die Sauna, die an das Badezimmer gekoppelt war, auf 90 Grad aufzuheizen und die Tür aufzulassen: Damit der Raum und logischerweise auch das Wasser sich erhitzte.

Wir hatte am ersten Tag eine Stromrechnung von 40 Euro.

Nachdem Poker mehr oder minder erfolgreich beendet wurde, fanden nach und nach alle Männers den Weg ins heiße Nass. Ich saß mit den zwei Besoffskis ja bereits geraume Zeit mit Zigaretten und Bier drin und wir entspannten uns bei fast schon kollabierenden 36 Grad, einer bollernden Sauna und perlendem Traugold Simon. Und fast den Wodkaaufguss vergessen? Seit meinem 16. Geburtstag ungefähr, träumte Maile von einem Wodkaaufguss in der Sauna. Diesen Wunsch erfüllte er sich an dem Abend und jeder, der danach in die Sauna ging, kam keuchend und würgend wieder heraus. Die Dämpfe waren nicht zum Aushalten. Macht es nicht, Kinder! Macht es nicht! Trotz der akuten Gefahr ließen es sich Christian, der fast schon in den Untiefen des dänemarkischen Whirpools ertrank, und der Frostbeutel Daniel es sich nicht nehmen, für eine knappe Stunde in der Sauna zu philosophieren. Nun ja, sie haben es überlebt.

Der zweite Tag begann erstaunlicherweise um 8 Uhr morgens in der Küche, wo sich noch erstaunlichererweise alle unabgesprochen und ziemlich fertig trafen. Also alle, außer Colli. Der hatte schon die Mütze auf und die Totschlägerboots an: Auf zum Angeln. Mit Deutschlandschlagstock. Ehre sei dem Vaterland. Eh wir es uns versahen, waren Kracher, Daniel und ich alleine. Also Christian war auch da, aber der schlief ordentlich seinen Kater aus. Was macht man zu dritt alleine? Aufs Sofa. Schlafen. So pimmelten wir genüsslich die Stunden bis zur Ankunft der Forelle weg.

Drei Männer. Fünf Stunden. Teure Köder. Ein Fisch. Ja richtig, ein Fisch. Oder waren es zwei? Ende der Geschichte: Nach sieben Tage im Forellenparadies dänischer Teiche hat Maile nicht einen einzigen Fisch gefangen, dafür sind aber Angeln zu Bruch gegangen.

Abends hingen wir alle ziemlich durch. Doch dafür war Colli ja da. Colli, wohl in einem früheren Leben mal Animateur auf der Aida Arosa gewesen, knallte viertel vor Mitternacht den Chardonnay auf den Tisch und gab uns eine halbe Stunde Zeit für die Pullen. Nun ja, es ist ein wenig aus den Rudern geraten. Zu Pray von DJ Bobo und technologischen Beats der 90er wurde sich, verkleidet, rhythmisch oder auch nicht bewegt und getrunken und gefeiert. Punkt 12 gratulierten alle unserem Christian zum 26. Geburtstag und er bekam sogar eine Einladung zu seiner eigenen Party, die den nächsten Tag auf 15 Uhr angesetzt war. Es wurde bis spät in den Morgen gefeiert und irgendwann fielen alle in die Betten.

Wieder vorgespult, ist es nun Montag, der 5. Oktober, 16 Uhr. Natürlich nicht 15 Uhr, da einige Herren nicht duschen wollten, sich aber für einen Ausflug ausgehtauglich reinigen mussten. Christian war eher ungut gelaunt, da Colli und ich ihm glaubhaft versicherten, dass am Ende des Rätsels eine Nutte auf ihn wartete (schließlich auch der Grund, wieso ich nicht mitkam - weil weiblich, weil Maile nicht mitkam, weil Freundin und weil Kracher nicht mitkam, weil Kracher. Oder warum auch immer). Jedenfalls klang es in seinen Ohren plausibel. Der nächste Hinweis versteckte sich an meinem Körper und nach einem Griff in meinen BH (ich opferte mich gerne), lotsten wir die vier restlichen Jungs zu Christians Auto, wo der nächste Hinweis im Auspuff auf ihn wartete. Colli, der sich á la Johnny Cash mit Hemd und meiner geliebten Sonnenbrille zurecht gemacht hatte, gab ich vertrauensvoll die restlichen Hinweise, die er ihm jeweils nach bestandener Mission geben sollte.

Aus dem Haus geschickt, machten Maile, Kracher und ich uns sofort an die Vorbereitungen für eine gelungene Prinzessinnenparty: Buken Prinzessin Lilliyfee Muffins und Hello Kitty Kuchen (übrigens beides ungenießbar und widerlich, aber schön anzusehen) und bliesen ungefähr 50 bunte Luftballons auf. Nach einer Stunde waren wir fertig, die Bagage ließ aber noch zwei Stunden auf sich warten. Gegen sechs Uhr torkelten sie völlig besoffen wieder bei uns ein und die Party begann ihren Lauf zu nehmen.

Ich wurde übrigens für die Promillesituation verantwortlich gemacht, da es keine Kurzen zu kaufen gab, sondern nur eine Flasche Jägermeister, den sie zum Sonderpreis von nur 20 Euro zu dritt leeren musste: so war die Aufgabe.



Abends gab es dann endlich frische Forelle, von DEM Christian filetiert und gesäubert. Mit einer Kräuterfarce gefüllt, ließen wir ihn uns mit Weißwein und Salzkartoffeln und ordentlich Butter und Zitrone schmecken. Lecker. Also sag ich - und siehe Blogtitel! Also! Gute Arbeit!

Dienstag: Philipp kommt! Die Angler, die mittlerweile jeden Tag bei Wind und Wetter losgezogen sind, holten den Mann aus Hamburg gegen 17 Uhr ab. 17 Uhr weil verkatert der Zug verpasst wurde. So ist das mit unserer Generation manchmal. Tagsüber fühlte sich auch nie jemand wirklich nach feiern abends, aber früher oder später ging es doch auf spätnachmittag hin und man bekam schon wieder Lust...

Flippe und ich machten uns dann gleich auf den Weg zum Strand, der ja nun direkt vor unserer Haustür lag, aber durch extreme Sandverwehungen es oft fast unmöglich machte, die steile Düne überhaupt zu besteigen. Gut gewappnet schafften wir es jedoch und setzten uns auf den kühlen Sandboden, um zu philosophieren. Wo geht das besser als am Meer?

Mit Philipp zog nicht nur der White Russian, sondern auch die Berlin Calling CD bei uns ein. Glücklicherweise war das Haus mit einer annehmbaren Anlage versehen. Die Haare gelockt, den Bademantel angezogen, verschlug es uns plötzlich die Sprache! Die CD war einige Zeit gelaufen, als ein Rhythmus angespielt wurde, der alle den Atem stocken (schon wieder) und Christian verzückt: Alter, was ist das für ein geiles Lied? schreien ließ. Lied 4. Das legendäre Lied 4. Sky and Sand. Paule, Kalkbrenner, DJ. Repeat und bei maximaler Lautstärke 32 kam uns an diesem verheißungsvollen Abend nichts anderes mehr zu Ohren.

Während gepokert und getanzt, also beides gleichzeitig, wurde, brannte sich das Lied für immer in unsere Seelen und der Bjerregard Soundtrack ward geboren. Nach einem weiteren Tag voller nichterwähnenswerter Ereignisse stimmten wir uns Donnerstag auf den quasi-letzten Abend ein, wegen der Fahrer, ne?!

Bill Kaulitz landete auf meinem Arm wegen der Bravo. Die hatte Kracher nämlich mitgebracht. Und einen Korb voller anderer, illustrer Zeitschriften (Keck, Praline, Hey, Neue Woche..). Ich schulde Maile an dieser Stelle übrigens immer noch ein künstlerisch wertvolles Tattoo - ich habe es nicht vergessen. Der letzte Abend lief schleppend an, aber ich erwähnte ja bereits Collis Entertainerqualitäten und so rechneten wir kurz vor sechs Uhr aus, wieviel Gläser Bier jeder zu trinken hatte, um das 30 Liter Fass innerhalb einer halben Stunde zu leeren. Da ich ein Mädchen bin, gebot ich Einhalt und handelte für mich die Hälfte des veranschlagten Wertes aus: acht Gläster. Die anderen 16 und Maile 40. Darum.

Der vorangegangene Tagesausflug mit DEM Christian, Christian, Daniel, Flip und mir ging ziemlich in die Hose bei Starkregen, hungrigen Mägen und schlechte Laune meinerseits. Es endete in einem Equlat, für welches folgendes Bild stellvertretend und ohne weitere Kommentierung steht:

Freitag hatten Philipp und ich noch die Mission, Daniels Auto zu tanken, Postkarten zu schrieben und Zwiebeln zu kaufen. Auf dieser Mission verloren wir Daniels Tankdeckel, fanden ihn jedoch wieder, freundeten uns mit einem Goslarer an, winkten ekstasischen Peinern aus dem Auto zu und ließen unsere übrigen Kronen zählen.

Alles in allem eine Runde Sache. Ich könnte es bei dieser kurzen Reflexion über den Urlaub belassen. Aber uns bleiben Dinge in Erinnerung, die eines Kommentars bedürfen. Aussprüche wie "Nichts ist härter als der Schwanz" oder "4/32, Alter!"brennen sich in unser Gehirn und machen diesen Urlaub zu etwas, von dem man noch in zehn Jahren schwärmen kann. Eine unkomplizierte Gemeinschaft von acht sieben jungen Männern und einem halben, die sich sieben Tage durch den Dschungel des Lebens zusammen schlugen. Ja, sie schlugen sich auch "Maile man, das glüht noch! Willst du uns alle umbringen?", diskutierten "Ey, ihr könnt doch nicht ernsthaft die Sauna zum Heizen des Pools anmachen?"und überlegten "Welche Schwulette benutzt überhaupt rosa Kondome?".

Es wurden Schwimmwettbewerbe im 1 qm großen Whirlpool ausgetragen, Besen zerbrochen, Schnitzeljagd betrieben und sich gefragt, wie oft ein Mädchen Blumenwiese betreiben muss, beziehungsweise die Geheimnisse des Mannseins durchleuchtet. Was haben wir gelernt? Viel über uns:
Dass Maile eine ausgeprägte Verdauung hat (trotz oder gerade weil Jalapenos vier Mal Blumenwiese innerhalb einer Stunde am Morgen) und trotz 8000 Promille immer noch seelenruhig zu Bad Moon Rising von Creedence Clearwater Revival tanzen kann.
Dass DER Christian überaus tapfer Rückenmark entfernen kann. Mit dem Löffel! Und dass er ein gewiefter Geschäftsführer sein könnte.
Dass Colli einen genialer Pray-von-DJ-Bobo-Perfomer abgibt und Partyluder ist.
Dass Kracher der Meister der Zeitschriften ist! Danke für die Keck-Kontaktanzeigen aus dem wahren Leben.
Dass ich eine ziemlich männliche, jedoch mit starkem Hang zum verbalen Selbsterklärismus neigende kleine Dame bin.
Dass Christian eine Schwäche für kleine Mädels mit Zahnspange hat und Gott der Reflexfußzonenmassagen sich ab jetzt nennen darf.
Dass Daniel wohl die schlimmsten Verdauungsprobleme im Magen hat, die dazu führen, dass gasähnliche Explosionen seine Speiseröhre hochschießen und beim Öffnen des Mundes eine eskalative Geräuschkulisse zum Ausdruck bringen, auf die sogar Pia stolz wäre.
Dass Philipp wohl einfach der Dude ist. Mit Bademantel, White Russian und einem Hang zum Intimrasurfetischismus mit ausgeprägtem Schnittmuster in Lockenpracht.

Wir wissen nun, dass man als nüchtern gilt, wenn man vom Alkohol nicht kotzen muss.
Dass Männer 90% ihrer Kommunikation nonverbal bestreiten.
Dass ein Bier um 17 Uhr abends nicht schaden kann.
Dass es sich nicht lohnt, für grüne Graswiesen nach Hvide Sande zu fahren.
Dass 9 Euro teures stilles Wasser nicht unbedingt gut schmecken muss.
Dass ein Stück Schweinefleisch es nicht wert ist, sich zu streiten.
Dass MacMillen ein schlechter Anführer ist. Gottverdammter Scheißjunge!
Dass Jimi Blue Ochsenknecht echt ein heißes Luder ist.
Dass Katzen Müllsäcke aufreissen können, um an Lachsforelle zu kommen und dass Kröten einfach so in Badezimmer gelangen können.
Dass man Schamhaare mit einem Küchensieb aus Wasser fischen kann.
Dass man aus Brustbehaarung durchaus ein Herz rausrasieren kann.
Dass Wodka-Aufguss keine gute Sache, Kräutertee-Aufguss aber sehr wohl bekömmlich ist.
Dass ein guter Köder noch lange keinen Fisch bringt.
Und letztlich, dass wir nächstes Mal ohne Handys in den Urlaub fahren. Nach Holland aber. Nicht Dänemark. Da gibt es nämlich keine Hot Dogs.

Ja, jede Geschichte hat ihr Foto, wirft ihre Erinnerungen auf, doch nach allgemeinem Einvernehmen wurde beschlossen, sie nur nur hinter verschlossenen Türen zu handeln. Lassen Sie ihrer Phantasie freien Lauf. Die nächste Geschichte darf erzählt werden, sobald das Nachtreffen stattgefunden hat.

Fazit: Als einziges, junges Mädchen mit einer Truppe von sieben halbstarken Mitzwanzigern, männlichen, auf eine siebentägige Reise zu begeben, war ein Wagnis. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Ohne Frauen ist es gar nicht so übel. Keine Zickereien, also außer jetzt von mir kurz und entspannte Pimmelei. Auf dem Sofa meine ich jetzt. Ich denke, ich habe mich recht gut geschlagen und mir einen Platz als halben Kumpel in der Gruppe verdient. Sollte derartiges nochmal stattfinden. Ich wäre dabei, Alter!

PS: Alte, dafür aber hängende und sehr lange Schlauchtitten.

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